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Gasanbieter-Wechsel : Keine Scheu

Lieferantenwechsel zahl sich aus: Je höher der Verbrauch, desto mehr kann ein Haushalt sparen. Bild: dpa

Erdgas wird immer billiger, aber Versorger halten die Preise hoch. Wer schlau ist, wechselt den Anbieter und spart dank Boni mehrere hundert Euro - zumindest im ersten Jahr. Das Verbraucherthema.

          3 Min.

          Beim Erdgas ist es nicht anders als beim Strom: Haushalte zahlen viel Geld für einen Tarif beim örtlichen Grundversorger. Dabei haben sie die Wahl und könnten mit einem Wechsel des Anbieters viel Geld sparen - beim Erdgas noch mehr als beim Strom. Vor allem im ersten Jahr ist die Ersparnis groß, weil Unternehmen neue Kunden mit hohen Boni begrüßen.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Doch das wissen immer noch viele Verbraucher nicht, oder aber sie sind skeptisch. Bei einer Umfrage der Verbraucherzentralen in diesem Jahr äußerte jeder Zweite die Sorge, der Wechsel funktioniere nicht, womöglich entstehe eine Versorgungslücke. Verbraucherschützer wie Peter Lassek, Rechtsreferent der Verbraucherzentrale Hessen, geben Entwarnung und ermuntern Kunden zum Wechsel, schließlich sorge das für mehr Wettbewerb am Energiemarkt. Der Jurist stellt zudem klar: „Selbst wenn es beim Wechsel zu Problemen oder Verzögerungen kommt, steht man nie ohne Strom oder Gas da, denn die Versorgung ist zu jedem Zeitpunkt durch den Grundversorger sichergestellt.“

          Ein Fall für „Finanztest“

          Auch die Zeitschrift „Finanztest“ hat sich mit Gastarifen beschäftigt und merkt an, dass tückische Bedingungen in Vertragsklauseln inzwischen eher selten vorkommen. Zudem zahlen immer mehr Anbieter einen sogenannten Sofortbonus direkt nach Vertragsbeginn. Der Bonus allein bewegt sich für Gaskunden im Rhein-Main-Gebiet beim günstigsten Anbieter (Extra Energie, Tarif Extragas 12 Sofortbonus) zwischen 210 und 220 Euro (siehe auch Tabelle auf dieser Seite). Hinzu kommt noch der Neukundenbonus, der in der Regel erst nach Ablauf des ersten Vertragsjahres ausgezahlt wird. Berechnet wurden die Preise über das Portal Verivox am Donnerstag dieser Woche, und zwar für ein Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20 000 Kilowattstunden (kWh). In Frankfurt ist die Ersparnis mit 806 Euro im Jahr danach am höchsten.

          Laut „Finanztest“ sind die Bonusbedingungen von Extra Energie in Ordnung. Allerdings klage die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen gegen das Unternehmen wegen zehn Regelungen in den allgemeinen Geschäftsbedingungen; sie beträfen jedoch nicht die Boni. Wem das trotzdem ein ungutes Gefühl gibt, der kann auch mit dem Tarif eines anderen Anbieters viel Geld sparen, etwa mit dem Tarif Grüngas Easy 12 von Grünewelt Energie. Für Neukunden aus Frankfurt zahlt der Gaslieferant mit diesem Tarif im ersten Jahr 210 Euro Sofortbonus, alles in allem spart der Kunde 800 Euro im Vergleich zum Mainova-Classic-Tarif.

          Auch Mieter können Gasanbieter wechseln

          Doch auch wer dem örtlichen Versorger treu bleiben will, kann profitieren, wenn er den Tarif wechselt. Ein Umstieg vom Mainova-Tarif Erdgas Classic zum Online-Tarif Erdgas Direkt ergibt zum Beispiel für den Frankfurter Erdgaskunden eine Ersparnis von 383 Euro im Jahr. Allerdings zeigt sich hier eine Tücke im System. Bei den Verivox-Voreinstellungen heißt es „Vertragslaufzeit bis zu 12 Monate“. In diesem Fall gilt der Tarif für gerade einmal zwei Wochen. Das ist womöglich Augenwischerei. In so einem Fall empfiehlt sich ein Anruf beim Grundversorger. Wechselwilligen Kunden kommen Unternehmen gern entgegen. Bei Tarifen mit Boni geben Verbraucherschützer zu bedenken: Die Ersparnis ergibt sich nur im ersten Jahr. Wer zu den bequemen Kunden zählt und nicht zu den Tarif-Hoppern, die Kündigungsfristen nutzen und jährlich wechseln, zahlt im zweiten Jahr unter Umständen sogar mehr als zuvor beim örtlichen Grundversorger.

          Bequemen Kunden, die wenig Lust zum Wechseln haben, empfehlen die Tester daher, auf bestimmte Voreinstellungen bei den Preisvergleichsportalen zu achten - neben Verivox empfiehlt „Finanztest“ Check24. So werden nur Tarife ohne Boni berücksichtigt, wenn bei den „Individuellen Einstellungen“ (Check24) und „weiteren Voreinstellungen“ (Verivox) die „Empfehlungen der Stiftung Warentest“ angeklickt werden. Günstiger wird es trotzdem. Der Erdgaskunde aus Frankfurt mit dem Mainova-Tarif Erdgas Classic spart auch ohne Boni 650 Euro im Jahr, wenn er zum Gas Smart-Tarif des Anbieters Maingau Energie wechselt. In diesem Tarif wird keine Grundgebühr berechnet.

          Auch Mieter und Eigentümer von Wohnungen können den Gasanbieter wechseln. Aber nur dann, wenn die Wohnung einen eigenen Gaszähler hat. Meistens gibt es jedoch nur einen Zähler für alle. Eine Eigentümergemeinschaft kann dann den Hausverwalter per Beschluss zum Wechsel ermächtigen. Mietern bleibt die Möglichkeit, den Vermieter mit Vergleichsberechnungen von einem Wechsel zu überzeugen.

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