https://www.faz.net/-gzg-9gxiw

Mainzer Galerie schließt : Das Aus für den Aussteller

Kleine Zielgruppe: Mit seiner sehr auf regionale Kunst spezialisierten Galerie versorgt Rolf Weber-Schmidt eine Minderheit. Auch der Internethandel macht ihm zu schaffen. Bild: Marcus Kaufhold

Mit der Galerie „Mainzer Kunst!“ hat sich Rolf Weber-Schmidt einen Namen gemacht. Doch nun schließt er die Galerie. Er macht zu, weil man sich in der Stadt vor allem für Fußball und Feiern interessiert.

          Die Mainzelmännchen haben selbstverständlich auch schon in der Galerie „Mainzer Kunst!“ vorbeigeschaut. Ebenso wie der frühere ZDF-Intendant Markus Schächter, dem in den hellen Räumen am Weihergarten seinerzeit jene beiden Originalzeichnungen ins Auge fielen, die der Vater der Zipfelmützen- und Werbeträger, der inzwischen verstorbene Wolf Gerlach, 1963 im Auftrag des damaligen Senderchefs Karl Holzamer entworfen hatte. Dem wiederum sollen die ersten Entwürfe für Anton, Berti, Conni, Det, Edi und Fritzchen etwas zu schlafmützig und bieder, jedenfalls nicht frech und keck genug gewesen sein. Weshalb der Künstler, der Jahre später mit dem Galeriebetreiber Rolf Weber-Schmidt befreundet war, an seinen frühen Vorlagen noch ein wenig feilen musste. Was die zwei von Schächter über den Umweg durch die Mainzer Altstadt wieder ins ZDF-Sendezentrum zurückgeholten Skizzen zu echten Raritäten werden ließ.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Geschichten wie diese, über Künstler, Käufer und Kunstwerke, hat Weber-Schmidt noch etliche auf Lager. Schließlich hat er es geschafft, sich in den vergangenen 13 Jahren mit seiner „Galerie für Qualitätskunst von Kunstschaffenden der Region Rhein-Main“ einen Namen zu machen und für rund 150 Ausstellungen in der Stadt zu sorgen. Doch so kann und soll es nicht mehr weitergehen.

          „Seit Jahren rückläufige Umsätze“

          Zum Jahresende sei Schluss, sagt der 61 Jahre alte Geschäftsmann und Kunstfreund, der einst als Personaldirektor für die Gastronomie auf dem Gelände des Frankfurter Chemieunternehmens Hoechst zuständig war. Zumindest mit der von ihm 2006 eröffneten Galerie „Mainzer Kunst!“, in der noch bis zum 22. Dezember als letzte Ausstellung farbenfrohe Werke von Cyrus Overbeck zu sehen sind. Die Gründe fürs Aufhören seien vielfältig: Neben der körperlichen Belastung und der Sorge um die eigene Gesundheit ist es ihm wichtig, diese Herzenssache wenigstens mit einer „schwarzen Null“ abschließen zu können. „Seit Jahren rückläufige Umsätze, die Überalterung der Gesellschaft und der Internethandel“ seien bundesweit dafür verantwortlich, dass viele kleine, oftmals inhabergeführte Galerien schließen müssten. Darüber könne auch ein insgesamt boomender Kunsthandel nicht hinwegtäuschen, von dem ohnehin eher Auktionshäuser profitierten.

          Trotz attraktiver und vor allem kreativer Nachbarn, wie dem Schott Musikverlag und dem auf die Arbeit mit Ton- und Töpferware spezialisierten Mal-Werk, handele es sich bei der stadthistorisch bedeutsamen Straße Weihergarten letztlich doch nur um „5c-Lage“. Auf Laufkundschaft brauchte Weber-Schmidt, der nach dem Ende der Galerie Lehnert vor drei Jahren der letzte Traditionsbetrieb dieser Art in der Altstadt war, in seinem „Kunstladen“ deshalb kaum zu hoffen. Nur gelegentlich schauten ein paar Touristen neugierig durch die hohen Glasfenster, um einen Blick auf regionale Kunst made in Mainz respektive Rheinhessen zu werfen.

          Wenig Platz für Kunst

          Im Unterschied zu den in der Innenstadt noch zu findenden Produzentengalerien, in denen Künstler ihre eigenen Werke zum Kauf anbieten, sah sich der mit Ehemann in Wiesbaden lebende Späteinsteiger stets gefordert, etwas für die gesamte regionale Kulturlandschaft zu tun. Wofür Weber-Schmidt bei der vorerst letzten Vernissage im Weihergarten 11 vor einer Woche zum Dank den von der Kommune vergebenen „Mainzer Pfennig“ erhielt.

          Neben Feiern und Fußball bleibe in der Stadt leider oft nur wenig Platz für anderes. Kunstsammler jedenfalls seien in Mainz eine verschwindend kleine Minderheit. Noch dazu habe das Internet mit seiner Flut an Fotos und Filmen dafür gesorgt, dass „die Ehrfurcht vor dem guten Bild“ allgemein verlorengegangen sei. Dabei könne kein noch so gutes Foto das Original ersetzen.

          Ganz ist das mit der Galerie vielleicht doch noch nicht vorbei. Zumindest als Ausstellungsort und Plattform für regionale Kunst und Künstler könnten die beiden gut ausgeleuchteten Etagen eine Zukunft haben. Ein Kreis bisher nicht näher bekannter Kunstfreude scheint gewillt, die Räume zu mieten, um dort Kunst aus der Region zu präsentieren.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.