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Warenhauskonzern baut Jobs ab : Galeria Karstadt Kaufhof schließt mehrere Standorte in Rhein-Main

Die Filiale von Karstadt auf der Zeil soll schließen. Bild: dpa

Die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof schließt vier Filialen in der Rhein-Main-Region, im Main-Taunus-Zentrum, im Hessen-Center, in Mainz und überraschenderweise auch auf der Frankfurter Zeil.

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          Die Sanierung des Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof hat auch Folgen für Rhein-Main. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi werden in der Region drei Filialen von Karstadt und eine von Kaufhof geschlossen. Betroffen davon sind die Filialen von Karstadt auf der Frankfurter Zeil, in Mainz (Ludwigsstraße), im Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach sowie der Standort von Kaufhof im Hessen-Center in Bergen-Enkheim. Zudem schließt in Hessen noch der Kaufhof in Fulda seine Türen. Im ganzen Bundesland sind laut Verdi 450 Mitarbeiter von der Entscheidung betroffen. Zuvor hatten die Konzernleitung den Betriebsrat über Details des Sanierungsplans informiert.  

          Daniel Schleidt
          Koordinator der Wirtschaftsredaktion in der Rhein-Main-Zeitung.

          Vor allem die Schließung der Karstadt-Filiale auf der Zeil, die nur 300 Meter entfernt vom Standort von Galeria Kaufhof liegt, gilt als überraschend. In den vergangenen Wochen war spekuliert worden, etwa die Hälfte der deutschlandweit 170 Standort beider Häuser könnten geschlossen werden. Seitdem machten sich vor allem die Mitarbeiter an jenen Orten Sorgen um ihren Arbeitsplatz, an denen es Doppelstrukturen gibt, also beide Marken des Konzerns vertreten sind. Dazu zählen Wiesbaden, Darmstadt, das Main-Taunus-Zentrum, aber auch die Zeil. Dort jedoch war man aufgrund der Zugkraft der Einkaufsmeile davon ausgegangen, dass beide Häuser erhalten bleiben könnten.

          „Ein kleiner Hoffnungsschimmer“

          Laut Verdi-Gewerkschaftssekretär Horst Gobrecht besteht für den Standort aber noch „ein kleiner Hoffnungsschimmer“. Demnach gehöre das Gebäude von Karstadt drei Vermietern. Seien diese zu einer Mietminderung bereit, bestehe die Möglichkeit, die Filiale zu retten. 

          Insgesamt gibt es in der Rhein-Main-Region sieben Karstadt- und acht Kaufhof-Filialen. Hinzu kommen drei Standorte von Karstadt Sport. Wie es mit ihnen weitergeht, diese Entscheidung soll laut Gobrecht vermutlich im Laufe des Tages bekanntgegeben werden.

          „Die betroffenen Kollegen sind natürlich am Boden zerstört, viele sind den Tränen nahe“, sagte Gobrecht. Insgesamt schließt Galeria Karstadt Kaufhof fast jede dritte Filiale, 6000 Beschäftigte verlieren ihren Job. Für zunächst 62 der insgesamt 172 Warenhäuser sei das Aus besiegelt, teilte der Konzern mit: „Für sie besteht keine wirtschaftliche Fortführungsperspektive.“ 

          Monika di Silvestre, Lan­des­fach­be­reichs­lei­te­rin Han­del von Verdi Rheinland-Pfalz, bedauerte die Entscheidung zu Ungunsten der Karstadt-Filiale in Mainz. “Wir sind der Auffassung, beide hätte eine Daseinesberechtigung gehabt“, sagte sie und kritisierte, in den vergangenen Jahren sei es verpasst worden, entsprechende Konzepte zu entwickeln. „Es ist traurig und schade, dass hier bei jeder Misere der Rotstift als erstes bei den Mitarbeitern angesetzt wird.“

          Bild: F.A.Z.

          Kampf ums Überleben

          Die Schließungen sind Teil eines Sanierungsplans der in der Corona-Krise um ihr Überleben kämpfenden Kette, die auch mit ihren Vermietern über Miet-Nachlässe verhandelt. Der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz und der gerichtlich bestellte Sachwalter Frank Kebekus einigten sich mit den Arbeitnehmern auf einen Sozialplan für die betroffenen Mitarbeiter und einen Interessensausgleich. „Die unternehmerische Entscheidung zur Schließung von Warenhaus-Filialen trifft die rund 6.000 Beschäftigten und ihre Familien hart", beklagte Verdi. Für die Betroffenen solle es Abfindungen geben, zudem können sie für sechs Monate in einer Transfergesellschaft beschäftigt werden.

          Galeria Karstadt Kaufhof kämpft in der Corona-Krise ums Überleben, dem Konzern brechen die Umsätze weg. Der Warenhaus-Riese hatte Anfang April ein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Dieses gilt als Vorstufe
          der Insolvenz, folgt den gleichen Regeln und mündet oft in ein reguläres Insolvenzverfahren. Der Konzern gehört ebenso wie zahlreiche seiner Warenhaus-Immobilien der Signa-Holding des österreichischen Immobilien-Investors Rene Benko.

          Auch für die betroffenen Kommunen bedeuten die Pläne für die Schließung der Warenhäuser in zentralen Innenstadtlagen einen herben Rückschlag. "Stirbt der Handel, stirbt die Stadt", warnte der Einzelhandelsverband HDE. Der Verband hält es für möglich, dass durch die aktuelle Krise rund 50.000 Handelsstandorte in Deutschland verloren gehen – viele davon auch in den Zentren der Kommunen.

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