https://www.faz.net/-gzg-782v9

Gärtnereien in der Krise : Hoffen auf das „Lachen des Frühlings“

  • -Aktualisiert am

Mann fürs Grüne: Werner Metzger in seiner Groß-Gerauer Gärtnerei. Bild: Kretzer, Michael

Der kalte Frühlingsanfang hat Gärtnermeistern wie Werner Metzger das Geschäft verhagelt.

          2 Min.

          GROSS-GERAU. Die bunten Blumen sind für Werner Metzger verlorenes Kapital. Tausende Primeln mit roten, gelben und lilafarbenen Blüten stehen in seiner Gärtnerei an der Georgstraße im Groß-Gerauer Stadtteil Dornheim. Etwa 15.000 Primeln habe er Mitte vergangenen Jahres ausgesät, regelmäßig gegossen und gedüngt, sagt Metzger. Gerade einmal die Hälfte der Primeln habe er bis Ostern verkauft. Zum Glück habe er dieses Mal weniger gepflanzt; in den Vorjahren seien es noch bis zu 30.000 Blumen gewesen.

          Die Minusgrade und der eisige Ostwind haben dem 65 Jahre alten Gärtnermeister das Frühlingsgeschäft verhagelt. Die meisten seiner Blumen haben die Besucher und Kunden des Höchster Wochenmarkts, auf dem er mit einem Blumenstand vertreten ist, stehen gelassen. „Bei diesen Temperaturen kommen keine Frühlingsgefühle auf“, sagt Metzger. Auch von den 8000 angebauten, rosafarbenen Gänseblümchen habe er nur jede zweite verkauft.

          Viel Zeit bleibe nicht mehr für den Verkauf

          Metzgers Primeln, die für die Balkongärten der Frankfurter bestimmt gewesen waren, stehen jetzt in ihrer vollen Pracht in seiner Gärtnerei und warten auf Abnehmer. Doch nicht nur der wirtschaftliche Schaden belastet das Familienunternehmen, das Metzgers Vater 1947 gegründet hat. „Wir brauchen schlichtweg den Platz“, sagt der Gärtnermeister. Die noch nicht verkauften Primeln, Gänseblümchen und auch Stiefmütterchen müssten auf den beweglichen Bewässerungstischen gelagert werden, die jetzt eigentlich schon für die Sommer- und Herbstblumen genutzt werden müssten.

          Viel Zeit bleibe nicht mehr für den Verkauf, sagt Metzger, der Kreisgärtner im Landkreis Groß-Gerau ist. Damit doch noch einige Frühjahrsblumen verkauft würden, arrangiere seine Tochter Manuela, die Floristin ist, die Blumen in Gestecken und Frühlingskörben, die auch in dem kleinen Verkaufsraum neben den Gewächshäusern angeboten werden. „Wir müssen den Kunden die Frühlingsblumen anders schmackhaft machen“, sagt Metzger. Jetzt hoffe er auf das Geschäft nach Ostern.

          Lehre im Palmengarten

          In diesem Jahr seien die Ranunkeln seine Hoffnungsträger, sagt Metzger. Anfang Mai bis in den Spätsommern blühten diese Zierpflanzen, die Metzger „das Lachen des Frühlings“ nennt. In einem der Gewächshäuser auf dem etwa 4000 Quadratmeter großen Areal seiner Gärtnerei stehen mehrere Tausend dieser Frühblüher dicht gedrängt. Die roten, gelben, weißen, orange- und rosafarbene Blüten sind teilweise schon geöffnet.

          Einer der Mitarbeiter rückt die Blumen auf den Bewässerungstischen auseinander. Dadurch werde verhindert, dass die Blumen zu hoch wachsen, weil sie genug Platz hätten, sich erst seitlich auszudehnen, sagt Gärtnermeister Metzger, der seine Lehre im Palmengarten absolviert hat, bevor er 1982 den Betrieb seines Vaters übernahm. Mit einem chemischen Stauchungsmittel würden die Pflanzen zudem daran gehindert, in die Höhe zu wachsen. „Ohne diesen Zusatz geht es leider nicht, weil die meisten Balkongärtner keine hohen Pflanzen wollen“, sagt Metzger.

          58 Geraniensorten

          Die Jungpflanzen der Ranunkeln, die zu den Hahnenfußgewächsen gehört, bezieht Metzger von Betrieben aus Deutschland, die sich auf die Anzucht der Sämlinge spezialisiert haben. Das garantiere eine hohe Qualität, sagt er. Andere Zierpflanzen wie Stiefmütterchen würde er selbst aussähen. Dennoch seien auch seine Ranunkeln ein „heimisches Produkt“. Schließlich würden die Pflanzen fünf bis sieben Monate lang in seiner Gärtnerei zu verkaufsfertigen Pflanzen kultiviert.

          Neben den Ranunkeln stehen Geranien und Begonien. Noch sind ihre Blüten kaum zu sehen, von Mai bis Oktober gehen sie auf. Einige Pflanzen hätten schon sogenannte Notblüten gebildet, die aber wieder entfernt werden müssten, damit die Pflanzen im Sommer in voller Pracht blühten, sagt Metzger. Allein von den Geranien kultiviere er 30.000 Stück in 58 verschiedenen Sorten von der hängenden, über die stehende Geranie bis zur Duftgeranie in seinen Gewächshäusern. Bei der Pflege der Pflanzen helfen neben den vier Angestellten, auch seine Tochter, seine Frau und die 86 Jahre alte Mutter, die noch „topfit“ sei.

          Im Juli beginne dann wieder die Aussaat der Primeln, die im nächsten Frühjahr „hoffentlich“ verkauft werden, sagt Metzger. Dann hat er den Familienbetrieb aber schon an seine Tochter übergeben.

          Weitere Themen

          Maske, Macadamia und Tamarinde

          FAZ Plus Artikel: Lokaltermin : Maske, Macadamia und Tamarinde

          Das Hotel Roomers in Frankfurt hat vor einem halben Jahr einen kulinarischen Neustart gewagt. Mit dem Restaurant Burbank hat eine Kombination von japanischer und panasiatischer mit europäischem Einfluss in die Räume Einzug erhalten.

          Topmeldungen

          Nicht nur Gnabry (links) und Goretzka trafen für den FC Bayern in Leverkusen.

          4:2 in Leverkusen : Der FC Bayern ist eine Klasse für sich

          Die Münchner meistern die wohl größte Hürde, die auf dem Weg zum Titel noch zu nehmen war, mit dem klaren Sieg in Leverkusen souverän. Die fußballerische Perfektion erinnert an die besten Phasen unter Pep Guardiola.

          Diesel-Katastrophe in Sibirien : 330 Tonnen Kraftstoff beseitigt

          21.000 Tonnen ausgetretener Diesel-Kraftstoff verunreinigen nach einem Leck in einem Kraftwerk die Naturgebiete am Nordpolarmeer. Ein Bruchteil davon wurde nun von Spezialisten entfernt. Die Katastrophe hätte wohl verhindert werden können.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.