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Eintracht Frankfurt : Das flexible Schwergewicht

Blick in die Zukunft gerichtet: Mijat Gacinovic ist einer der vielversprechendsten Spieler im Eintracht-Kader. Bild: Imago

Mijat Gacinovic ist unter Eintracht-Trainer Kovac gereift. In der neuen Saison will der Serbe auf mehr Einsatzminuten, Treffer und Vorlagen kommen. Auf dem Weg dorthin ist ihm Konkurrenzdruck nur recht.

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          Erst das Vergnügen, dann die Arbeit. Am Freitag gingen im Teamhotel der Eintracht ausnahmsweise die Uhren anders, und die Wecker klingelten nicht so früh wie sonst. Niko Kovac gestattete den Spielern, länger im Bett zu bleiben, „weil man sich eine Pause verdient hat, wenn gut gearbeitet wurde“, wie er sagte. Auch Mijat Gacinovic freute sich über den Bonus, „ausschlafen zu dürfen“ und erst um 16 Uhr wieder auf dem Trainingsplatz erscheinen zu müssen.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Für den 22-Jährigen ist der Aufenthalt in Gais der verspätete Einstieg in die gemeinsame Einstimmung auf die nächste Saison. Entsprechend sind in dem Plan, den der Betreuerstab des Frankfurter Bundesligaklubs für ihn als Nachzügler ausgearbeitet hat, einige zusätzliche Belastungen enthalten. Damit soll er den konditionellen Rückstand auf die Mehrheit der Mitstreiter, die schon seit Anfang Juli zusammen sind, bei diversen Zusatzschichten aufholen. Eine Freude ist das nicht unbedingt: „Bei Niko Kovac ist Vorbereitung immer sehr schwer“, sagte er.

          Vertrag vorzeitig verlängert

          Mit seinem Stand der Dinge ist Gacinovic nur ansatzweise zufrieden. „Es geht noch besser“, sagte er. Am Donnerstagabend, beim Privatspiel gegen US Sassuolo, das 1:1 ausging, erzielte er mit einem Freistoß in der ersten Halbzeit die Führung der Eintracht, die aber nicht bis zum Ende Bestand hatte, weil die Italiener eine Konfusion in der Abwehr nach der Auswechslung von Taleb Tawatha (für Jetro Willems) ausnutzten.

          Kovac nannte den Auftritt „ganz okay“, auch wenn er „nicht sehr ästhetisch“ ausgeschaut habe. Die Mannschaft sei noch nicht auf dem Niveau, das er mit ihr bis zum Pflichtspielstart im August erreichen wolle; „die körperliche und geistige Frische“ habe gefehlt. Doch das verwunderte ihn zum Abschluss der vierten Woche, die wieder vollgepackt war mit einer Vielzahl an individuellen Härtetests, nicht: „Die Taktung war intensiv“, machte er deutlich.

          Wenn Gacinovic redet, passt das so gar nicht zu einem Temperament, das von ihm auf dem Fußballplatz ausgeht. Der Mittelfeldmann spricht leise, wirkt nachdenklich und formuliert überlegt. Sein Habitus ähnelt bisweilen dem eines Jugendspielers – doch wer ihn unterschätzt, macht einen großen Fehler. In Kovacs Kollektiv ist er ein sportliches Schwergewicht. Unlängst verlängerte die Eintracht seinen bis Mitte 2019 datierten Vertrag vorzeitig um zwei weitere Jahre (auch mit der Perspektive, ihn bei entsprechenden Angeboten auf dem Transfermarkt gewinnbringend weiter zu veräußern).

          „Besser, wenn alle da sind“

          Verbunden mit einem ordentlichen Gehaltszuwachs, der seine gestiegene Bedeutung innerhalb des Kaders widerspiegelt. In der abgelaufenen Runde brachte er es auf 28 Liga-Partien und zwei Tore, in denen er oft demonstrierte, dass er sich durch Leichtsinn und Egoismus, was ihm in seinen frühen Eintracht-Zeiten zu schaffen machte, nicht mehr selbst im Wege steht. „Mein Ziel ist es, besser zu werden, als in der letzten Saison.“ Bedeutet: Noch mehr Einsatzminuten, Treffer, Vorlagen.

          Der Serbe ist spürbar gereift unter der Regie des Kroaten Kovacs, der immer wieder das Gespräch mit ihm sucht, ihm Verantwortung überträgt und auch Fehler verzeiht, da er das Bemühen schätzt, das der U-21-Nationalspieler an den Tag legt. Mit dem Mexikaner Marco Fabián, dem Niederländer Jonathan de Guzmán und dem Japaner Daichi Kamada stehen der Eintracht aktuell drei Profis, die eigentlich dazu auserkoren sind, die Offensive zu beleben, aus gesundheitlichen Gründen nur sehr eingeschränkt zur Verfügung; was den gewünschten Eingewöhnungsprozess in dem 14-Nationen-Aufgebot entsprechend schwierig gestaltet und von Gacinovic bedauert wird. Er, auch einer der Anwärter auf den Posten des Gestalters im Zentrum, betonte: „Für das Team ist es besser, wenn alle da sind. Dann ist der Konkurrenzdruck höher, das bringt uns weiter.“

          Letzter freier Vormittag in Gais

          Er selbst schlüpfte unlängst, als immer wieder Sperren und Verletzungen von Kovac Improvisationskunst verlangten, in unterschiedliche Rollen: Mal fand er sich auf der linken Außenbahn wieder, dann direkt als Ballverteiler hinter den Spitzen, oder aber direkt als Sechser vor der Viererkette: „Meine Flexibilität ist eine meine Stärken“, meinte er. Die „neue“ Eintracht schätzt er nach den ersten Impressionen als besser besetzt ein als den Vorgänger-Jahrgang: „Es ist noch früh, aber ich glaube, wir sind stärker“, beurteilte er das Stühlerücken, bei dem neun Zugänge kamen und genauso viele Akteure gingen.

          Ob das jedoch reicht, um womöglich mehr zu erreichen als unlängst den elften Platz in der Tabelle, wollte Gacinovic nicht prognostizieren – denn auch an anderen Bundesliga-Standorten habe sich einiges getan, was demnächst zusätzlich „für Spannung“ sorgen werde. Und weil die Konkurrenz eben auch nicht schläft, hat Kovac schon durchblicken lassen, dass der freie Vormittag am Freitag der letzte in Gais gewesen sein dürfte: Übers Wochenende warten noch allerlei Anstrengungen auf Gacinovic und Kollegen.

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