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Gabriele Wohmann : Überflüssiges bitte streichen

Gerade 80 geworden: die Darmstädter Schriftstellerin Gabriele Wohmann
          2 Min.

          Wäre es um sämtliche Bücher gegangen, die Gabriele Wohmann veröffentlicht hat, hätte es an diesem Abend für jedes einzelne von ihnen lediglich vierzig Sekunden Besprechzeit gegeben. „Werk-Tag“ heißt die Veranstaltungsserie des Literaturhauses Frankfurt, in der anstelle einzelner literarischer Kunstwerke ein ganzes OEuvre in den Blick genommen wird. Da Wohmann, die am Montag ihren achtzigsten Geburtstag feiern konnte, in ihrer langen Karriere mehr als 100 Bände mit Romanen, Erzählungen, Gedichten und Theaterstücken veröffentlicht hat, beschränkte sich der Publizist Georg Magirius im Gespräch mit ihr auf wiederkehrende Schaffensmerkmale.

          Florian Balke
          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Kürze: „Ich handle nach dem Prinzip, dass man den letzten Satz am besten streicht und auch sonst möglichst sparsam ist.“ Das Vorurteil, ihr Schreiben sei dazu da, unbarmherzig die Lebenslügen des Bürgertums zu entblößen: „Ich schreibe über Leute, in die ich mich einfühlen kann.“ Das, worum es eigentlich geht - die Auseinandersetzung des Menschen mit sich selbst, der Punkt, an dem die automatisierte Normalität aufhört, an dem die Erkenntnis und die Kunst beginnen können, wie bei einer von Wohmanns Hauptfiguren, der ihr Ehebruch zum Anlass des Nachdenkens wird: „Das ist das, was sie auf sich aufmerksam macht, auf das, was sie denkt und fühlt.“ Der einzelne Mensch und die Gemeinschaft: „Ich bin selbst immer Individualistin gewesen und so sind meine Figuren mir ähnlich geworden.“ Das, was man ihren bösen Blick auf die Verhältnisse nannte: „Das war nie böse, es war einfach ein genauer Blick.“

          Langweiliger Alltag

          Insgesamt 636 von Wohmann verfasste Erzählungen hat Magirius, Herausgeber eines Auswahlbandes, der zum Geburtstag der Autorin bei Aufbau erschienen ist, während seiner Arbeit an dem Band gezählt. Zu den Techniken, mit denen sie dieses Erzählwerk hat entstehen lassen, zählt Wohmann das Andeuten des Sinnes, das Offene: „Der Leser ist intelligent, ich lasse ihm seinen eigenen Phantasiespielraum.“ Hinzu kommt eine Offenheit des Schreibens selbst: „Ich habe nie Pläne, wie es laufen soll.“

          Anders ist das beim Vergnügen - an dem kann man arbeiten: „Der Alltag selbst ist ziemlich öde und langweilig. Man muss Akzente setzen, damit man an jedem Tag etwas erlebt.“ Miteinander gesellig sein zum Beispiel, schließlich heiße es schon im Epheserbrief: „Seid freundlich miteinander und vergebet einander.“ So müsse man zusammenleben. Und im Spätfernsehen finde sich immer etwas, auch wenn der Ehemann sage, es gebe nichts. „Heute Abend zum Beispiel verpasse ich was.“ Aber da sind auch noch andere Vorlieben, die Musik zum Beispiel, Johann Sebastian Bach: „Das ist völlig unfasslich und unirdisch. Das Schreiben ist ja sehr irdisch.“ Wenn sie das so ausdrücke, dürfe man sie wohl uneitel nennen? „Ja, in dem Punkt vielleicht.“ Und sonst? „Ich bin sehr eitel, leider.“ Aber auch sehr humorvoll. Auf die englische Weise, die sich selbst nicht wichtig nimmt, der aber an einem Vorlesen ohne Autorenräuspern gelegen ist. „Ich hätte vorher wirklich keine Gauloise mehr rauchen sollen.“ Hüstele da hinten im Publikum jemand aus Solidarität? Ganz bestimmt. Für diese Autorin auf jeden Fall.

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