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Makkabi Frankfurt : Antisemitismus auf dem Fußballplatz

  • -Aktualisiert am

Davidstern auf der Brust: Spieler von Makkabi Frankfurt (links) Bild: Rainer Wohlfahrt

Die Spieler des Fußballvereins Makkabi Frankfurt sehen sich oft mit Antisemitismus auf dem Spielfeld konfrontiert. Sie fordern Sanktionen durch die Vereine.

          Das Spiel vor einigen Wochen, erzählt der Fußballer von Makkabi Frankfurt, das sei ganz typisch gewesen. Ein Foul, Pfiff, dann eine Beleidigung: „Ich grätsch’ dich, weil du Jude bist“, habe der Gegenspieler seinem Mannschaftskollegen ins Ohr geraunt. Konsequenzen für die Pöbelei habe es keine gegeben – wie üblich. Das passiere nur, wenn der Schiedsrichter die Beleidigung selbst mitbekommt.

          „Wir werden stellvertretend für alle Juden beschimpft“, sagt der 30 Jahre alte Simon, der seinen vollen Namen nicht nennen will. Auf seinem blauweißen Trikot prangt der Davidstern, fest integriert in das Wappen des Vereins mit mehr als 20 Mannschaften, darunter 18 Junioren-Teams. In diesen Shirts trainieren die Herren von Makkabi Frankfurt am Donnerstagnachmittag auf einem Sportplatz am Rande der Stadt. Der Verein möchte für Toleranz und ein friedvolles Miteinander stehen. In der Mannschaft: Muslime, Christen, Juden – Marokkaner, Ghanaer und Deutsche. Rassismus werde hier nicht geduldet, da sind sich die Spieler einig. Doch andere Vereine scheinen sich nicht so sehr darum zu bemühen.

          Als Angriffsfläche nutzen

          „Wenn es hitziger wird, fallen antisemitische Beleidigungen“, erzählt etwa Thilo Tanetschek. Er ist 22 Jahre alt und spielte schon in der Jugend bei Makkabi. Als Jude beleidigt zu werden, sei fast schon Routine. „Ich habe mich da ein bisschen dran gewöhnt.“ Dass Makkabi offensichtlich jüdisch ist, verleite manche Gegenspieler dazu, das als Angriffsfläche zu nutzen.

          Nun ist Antisemitismus kein neues Phänomen, die Makkabi-Mitglieder erleben ihn seit der Gründung des Vereins im Jahr 1965. Doch in den unterklassigen Ligen sei er in den vergangenen Jahren „so aggressiv und hasserfüllt wie nie zuvor“, berichtete jüngst Alon Meyer, Präsident von Makkabi Deutschland, dem Dachverband jüdischer Sportvereine. Die Sportler seien immer wieder Beleidigungen und Bedrohungen ausgesetzt. Auch in Frankfurt.

          Nicht aus heiterem Himmel

          Die Verbalattacken, erklärt Spieler Simon, kämen nicht aus heiterem Himmel. Es handle sich vielmehr um vorhandene Vorurteile, die in kritischen Situationen auf dem Spielfeld an die Oberfläche kämen. Da bringe es auch nichts dem Gegner zu sagen, dass die Mannschaft nicht für den Staat Israel und dessen Politik steht.

          Die Trainer und Führungen der anderen Vereine seien als Autoritäten in der Pflicht, sich klar gegen Rassismus und Judenfeindlichkeit zu positionieren. Doch zu oft würden die Spieler intern in Schutz genommen. „Weil die Spieler gut sind, werden Ausrutscher toleriert oder ignoriert“, sagt Simon. Der sportliche Erfolg sei die oberste Prämisse. Den Makkabi-Spielern ist klar, dass das Problem nicht verschwindet, wenn Vereine und Verbände stärker gegen Beleidigungen vorgingen. Aber er hätte zumindest auf dem Fußballplatz keinen Raum mehr, sich auszubreiten.

          Einigen Vereinen scheint das aber inzwischen bewusst zu sein. Das zeigt der Fall eines gegnerischen Spielers, der auf Facebook antisemitische Sätze veröffentlicht hatte. Er wurde aus der Mannschaft geworfen und rechtlich belangt. Das schaffe einen Präzedenzfall, der andere hoffentlich abschrecke, hofft Spieler Simon.

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