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Fußball-Weltmeisterschaft : Nicht jede Partei kommt exklusiv an Karten

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Beim Erstzugriffsrecht auf städtische WM-Tickets sind die kleinen Fraktionen im Römer offenbar übergangen worden. Nach Recherchen dieser Zeitung wurden FAG, Linkspartei, BFF und Europaliste keine Karten für die fünf Spiele während der Fußball-Weltmeisterschaft im Juni angeboten.

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          Beim Erstzugriffsrecht auf städtische WM-Tickets sind die kleinen Fraktionen im Römer offenbar übergangen worden. Nach Recherchen dieser Zeitung wurden FAG, Linkspartei, BFF und Europaliste keine Karten für die fünf Spiele während der Fußball-Weltmeisterschaft im Juni angeboten. Die Fraktionen des Viererbündnisses hingegen - CDU, SPD, Grüne und FDP - konnten nach Angaben von FDP-Fraktionschef Volker Stein exklusiv auf Tickets für alle Spiele zugreifen. Die kleinen Parteien zeigten sich empört.

          Für jedes Spiel hat die Stadt vom WM-Organisationskomitee 400 Karten gekauft, wie der Sprecher von Bürgermeister und Sportdezernent Joachim Vandreike (SPD) mitteilte. Zehn bis 20 Prozent davon würden für künftige Sponsoren zurückgehalten, sagte Ralph Klinkenborg. Die Restkarten gingen zu zwei Dritteln an die schon beteiligten Geldgeber, die zum Beispiel die "Sky-Arena" finanzierten - eine nächtliche Illumination von elf Hochhäusern. Ein Drittel der Tickets, pro Spiel also mindestens 106 Stück, gehen laut Klinkenborg an die Stadtverordneten und den Magistrat. Der Vierer stellt 81 der 93 Stadtverordneten; der Magistrat hat 23 Mitglieder. "Damit soll den Leuten eine Chance gegeben werden, die die WM möglich gemacht haben", sagte Klinkenborg. Alle Politiker müßten die Karten zum Preis von 45 bis 180 Euro kaufen. Exklusiv sei das Zugriffsrecht.

          "Das ist eine Frechheit", sagte Gisela Becker von der FAG, deren Fraktion mit vier Sitzen genauso stark in der Stadtverordnetenversammlung vertreten ist wie das kleinste Mitglied im Vierer, die FDP. Während die Liberalen nach Angaben von Stein ein Kaufangebot von drei Karten je Spiel schriftlich auf dem Tisch haben, weiß Becker nichts von den WM-Karten. "Das Angebot müßte jeder Fraktion, unabhängig von der Größe, zur Verfügung stehen", so die Fraktionsvorsitzende. Für das Verhalten des Sportdezernenten gebe es "keine Rechtsgrundlage". Wolfgang Hübner vom BFF sprach von einer "Riesensauerei". In jedem Fall hätte die Kommunalwahl abgewartet werden müssen: Danach werde sich das Plenum anders zusammensetzen. "Der Vierer wollte die Beute verteilen, bevor es gefährlich wird", sagte Hübner. Die Verantwortlichen setzten sich "tief ins moralische Unrecht".

          Luigi Brillante von der Europaliste vermutete politisches Kalkül. "Es wundert mich nicht, daß denen, die gegen den Stadionausbau waren, keine Tickets angeboten wurden", sagte er. Eberhard Dähne (Die Linke) kritisierte das exklusive Kaufrecht an sich: "Das steht in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit dem Mandat." Er könne sich nicht vorstellen, daß die Bürger über diese Sonderbehandlung für Politiker erfreut seien.

          Den Fraktionen des Vierers hat Vandreikes Büro dem Vernehmen nach in einem Brief eine unterschiedliche Anzahl von Tickets zum Kauf angeboten. Wieviele Karten den Fraktionen und dem Magistrat jeweils offeriert wurden, wollte Referent Klinkenborg nicht sagen. Die Tickets sollen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt übertragbar sein. Das Vorgehen des Sportdezernenten ist aber augenscheinlich kein Versehen. Klinkenborg sagte: "Wir haben nicht alle Fraktionen bedacht. Das ging nach Größe." (trö.)

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