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Helmut Schwan (hs.)

Fußball vor 10.000 Fans : Anreiz Stadion

  • -Aktualisiert am

Im Frankfurter Stadion werden nun voraussichtlich doch 10.000 Fans erlaubt. Bild: Jan Huebner

Der Streit um die Zuschauerzahl im Frankfurter Stadion offenbart eine große Konfliktlinie in der Pandemiebewältigung. Denn wo die einen eine Gefahr wittern, liegt für die anderen ein Impfanreiz.

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          Nur scheinbar wie aus dem Nichts hat es heftig zwischen Frankfurt und dem Land darüber rumort, wie viele Zuschauer angesichts der aktuell wieder etwas angespannten Corona-Lage ins Stadion dürfen. In dem Streit – repräsentiert durch zwei Grünen-Politiker – kulminiert die Frage dieser Tage: Welchen Freiraum können Genesene und doppelt Geimpfte genießen, und ist das im Vergleich zu den anderen gerecht?

          König Fußball schreitet voran in einer Debatte, die für die Politik in der Sommerpause erkennbar zu früh kommt. Denn kein Experte kann mit Überzeugung und Gewissheit vorhersagen, ob sich auch in Deutschland eine vierte Welle der Pandemie aufschaukelt, welche Höhen sie erreichen und – darauf kommt es letztlich an – wie das Gesundheitssystem sie bewältigen wird. Die Wissenschaft braucht eben noch Zeit, die Erkenntnisse und Studien etwa aus England auszuwerten, wo das Impftempo höher war und früher Freizügigkeit gewährt wird.

          No risk, no fun

          Das deutsche Prinzip, Vorsicht zuerst, dürfte dabei nur zögernd aufgegeben werden. Derzeit jedenfalls sprechen die im Vergleich zu anderen Ländern in Europa weiterhin niedrigen Infektionszahlen dafür, diese Strategie beizubehalten. Aber der Druck steigt. Nicht zuletzt, weil in zweieinhalb Wochen die Saison in der Fußball-Bundesliga beginnt. Damit ist die Hoffnung verbunden, dass die Fans wieder zu Zehntausenden dabei sein dürfen und für eine Atmosphäre sorgen, welche die Faszination des Fußballs ausmacht. Das wäre dann weit über den Fußball hinaus ein überaus kräftiges Symbol für den Aufbruch in endlich entspanntere Zeiten.

          Der vorerst beigelegte Streit in Frankfurt darüber, ob eine Klarstellung zu einer Richtlinie rechtsverbindlich, ob der Grenzwert einer Inzidenz von 35 in Stein gemeißelt sei und vor allem, ob Genesene und doppelt Geimpfte generell nicht „mitzählen“, mag kleinteilig und juristisch sehr speziell wirken. Er dürfte in diesem seltsamen Sommer und erst recht im Herbst mit der größeren Infektionsgefahr aber an Bedeutung gewinnen, je mehr die Bereitschaft abnimmt, sich immunisieren zu lassen.

          No risk, no fun, das Motto, nach dem in Wembley die Fußball-EM gefeiert wurde, ist keine Lösung. Aber „der Fußball“, der leibhaftig erlebte, kann sehr wohl ein Katalysator sein, Vorbehalte aufzubrechen. Je mehr sich impfen lassen, umso besser. Selbst wenn es „nur“ darum geht, ins Stadion zu kommen.

          Helmut Schwan
          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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