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Fußball-Profi Alexander Huber : „Keiner fragt mehr nach einem“

  • -Aktualisiert am

„Mister Zuverlässig“: Alexander Huber im FSV-Trikot im Luftkampf mit dem Duisburger Dennis Grote Bild: Picture-Alliance

Alexander Huber muss seine Karriere neu starten. Der einstige Fußballprofi der Eintracht und des FSV könnte bald wieder spielen - in Tadschikistan.

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          Die Schlagzeilen bestimmte Alexander Huber in all den Jahren nicht, dazu tauchte er zu selten unter den vielbeachteten Torschützen auf. Der Fußballprofi drängte sich auch mit Worten nie in den Vordergrund, er war kein Lautsprecher und Selbstdarsteller in dem bisweilen überdrehten Show-Betrieb. Und als unbeherrschtes Rauhbein fiel der Rechtsverteidiger ebenfalls nicht auf: In seinen fünf Zweitliga-Jahren beim FSV Frankfurt holte er sich nie mehr als drei Gelbe Karten pro Saison ab. Huber war diszipliniert, in jeder Beziehung. Er war kein Star, aber ein Spieler mit besonderem Wert für seinen Verein. Der Vater von zwei Töchtern, der mit seiner Familie in Rodgau lebt, verpasste kaum ein Spiel. Von 170 Begegnungen absolvierte er zwischen 2011 und 2016 156 Ligaspiele, in 154 gehörte er zur Startelf. Seine Dauerpräsenz brachte ihm den Spitznamen „Mister Zuverlässig“ ein. Auch vom „Denkmal Huber“ auf der rechten Abwehrseite war die Rede. Auf seine Weise war er bei aller Normalität doch ein außergewöhnlicher Akteur.

          Kontinuität war das große Markenzeichen des solide seine Arbeit verrichtenden Abwehrspielers, der seine Karriere bei Eintracht Frankfurt begonnen hatte. Egal, wer FSV-Trainer war, für jeden von ihnen wurde Huber schnell zur berechenbaren Größe, auf den niemand verzichten wollte. „Es gibt wenig Spiele, in denen ich überragend bin. Aber es gibt auch wenige, in denen ich katastrophal bin.“ So brachte er seine ausgewogene Leistungsbilanz auf den Punkt. Huber hatte kaum Ausreißer nach unten, das bewahrte ihn vor einem Platz auf der Bank. Er war immer im Blickfeld. Und doch verschwand er im Sommer 2016 im Fußball plötzlich von der Bildfläche. Was ist aus dem jahrelangen Vielspieler geworden? Hat er seiner Riesenleidenschaft, dem Kochen, nachgegeben und ein kleines Restaurant eröffnet?

          Patrick Ochs spielt auf seiner Position

          Nach dem Abstieg in die dritte Profiliga unterbreiteten die Bornheimer ihrem sportlichen Stabilitätsanker ein neues Angebot. Es war ihm finanziell jedoch nicht gut genug. Heute spielt auf seiner Position Patrick Ochs; der ehemalige Frankfurter und Wolfsburger Bundesliga-Profi ist gewiss keine Billiglohnkraft im FSV-Kader. Huber wartete damals auf eine bessere Gelegenheit. Aber sie kam für den bald 32-Jährigen im zurückliegenden Sommer nicht. Er, der es gewohnt war, zu funktionieren, war plötzlich zum Nichtstun verdammt. Kein Training, keine Spiele mehr mit den Kollegen. Für ihn gab es keine Gemeinschaftserlebnisse mehr. Anfangs hatte Huber große Probleme, mit der Vollbremsung seiner Karriere umzugehen. „Von jetzt auf gleich, wie abgeschrieben“ habe er sich gefühlt. „Keiner fragt mehr nach einem. Ich habe es mir ein bisschen einfacher vorgestellt“, sagt Huber. „Ich musste mich erst mal sammeln.“ Trotz seiner gefestigten Persönlichkeit brauchte er ein paar Wochen, bis er sich mit dem Status quo und der Enttäuschung mental arrangiert hatte.

          Huber, der zudem auf ein Uefa-Cup-Spiel mit der Eintracht, drei Bundesliga-Partien und 90 Drittliga-Einsätze unter anderem für die Offenbacher Kickers kommt, will nun seinen Weg fortzusetzen: im Profifußball. Dieser könnte ihn im neuen Jahr in die Vereinigten Staaten führen. Die dortige zweite Liga reizt ihn, „ich würde auch privat etwas mitnehmen“, sagt Huber. Kontakte gibt es außerdem nach Russland, die Sprache wäre für ihn kein Problem. Huber wurde nämlich in Leninabad in Tadschikistan geboren. Seine Familie siedelte in die Nähe von Marburg über, als er vier Jahre alt war. Jetzt soll er für die Nationalmannschaft seines Heimatlands spielen, Huber bekommt oft Anrufe aus Tadschikistan, das in Mittelasien liegt und an China und Afghanistan grenzt.

          Im Besitz der Spielberechtigung für den 131. der Fifa-Weltrangliste ist Huber seit kurzem, obwohl er einst über 40 Spiele für diverse deutsche Nachwuchs-Nationalmannschaften bestritten hatte. „Sie wollen mich einladen und warten nur auf mein Go“, sagt Huber. Ein Direktflug geht wöchentlich von Frankfurt nach Tadschikistan. Ein bisschen Geduld brauchen beide Seiten aber noch. Im August hatte sich Huber in der Schweiz an der Achillessehne operieren lassen. Heute kann er zwar wieder laufen, aber noch nicht sprinten. Spätestens Anfang Februar wäre Huber wohl bereit, ins Mannschaftstraining einzusteigen. Im Laufe des Januars will er die Vereinssuche forcieren, auch der mächtige Spitzenklub in Tadschikistan, der an der asiatischen Champions League teilnimmt, buhlt mit Vehemenz um ihn. Es wäre ein ziemliches Abenteuer auf seine alten Fußballertage.

          Huber, der für kurze Zeit auch in Hoffenheim unter Vertrag stand, will sich noch einmal unentbehrlich machen. Von der Fußballbühne abtreten, wenn es sein Wille ist. „Ich fühle mich noch zu gut“, sagt er. „Ich kann das jetzt nicht so auf mir sitzen lassen.“ Zwei bis drei Jahre möchte er noch auf passablem Niveau spielen. Unabhängig davon, was in Zukunft noch kommt, sein größter sportlicher Moment liegt wohl schon hinter ihm. Am 2. November 2006 erzielte er für die Eintracht den Ausgleich zum 1:1 im Uefa-Cup-Spiel bei Celta Vigo. Ein in den Tagen vor der Begegnung gezogener Weisheitszahn konnte ihn am Einsatz nicht hindern.

          Für eine konstante Bundesliga-Karriere, glaubt er, hätten ihm „ein paar Prozent“ gefehlt. Sein Wirkungsbereich wurde die zweite Liga. Auch wenn Huber beim FSV nicht der Mann für die besonderen Momente war, mit seiner großen Beständigkeit war er jahrelang nicht aus der Mannschaft wegzudenken. Und das ist auch eine Leistung.

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