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Verletzte bei Fußballspielen : Viele Straftaten im „Zusammenhang mit Eintracht-Spielen“

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Frankfurt Fans zünden vor dem Anpfiff Feuerwerkskörper am 07.05.2011 in der Commerzbank Arena. Innenminister Beuth fordert die Vereine auf, „gewaltbereiten Chaoten“ keine Bühne zu bieten. Bild: dpa

Bei Polizeieinsätzen rund um Fußballspiele in Hessen kommt es zu weniger Verletzten. Die Anzahl der Strafverfahren ist jedoch unverändert geblieben. Dabei spielen vor allem Delikte im Zusammenhang mit Eintracht-Spielen eine Rolle.

          Weniger Verletzte, aber in etwa gleich viele Strafverfahren - so lautet die Bilanz der Polizeieinsätze rund um Fußballspiele in Hessen in der vergangenen Saison. Insgesamt wurden in der Saison 2018/2019 bei 157 Fußballspielen 37 Menschen verletzt, wie das Innenministerium in Wiesbaden mitteilte. In der Vorsaison registrierten die Behörden bei etwas mehr Spielen (167) 48 Verletzte. „Gewalt hat in den Stadien nichts verloren und darf von niemandem verharmlost werden“, erklärte Innenminister Peter Beuth (CDU) auf dpa-Anfrage in Wiesbaden.

          Wie das hessische Innenministerium auf F.A.Z.-Anfrage mitteilte, verzeichnete die Polizei bei den genannten 157 erfassten Spielen 253 Straftaten. 157 Delikte davon seien „im Zusammenhang mit der Spielen von Eintracht Frankfurt begangen worden“.

          „Chaoten“ machen den Sport kaputt

          Unter den Verletzten der zurückliegenden Saison waren vier Polizisten. In der Vorsaison waren es noch sechs Beamte gewesen. „Es freut mich, dass die Anzahl von verletzten Fußballfans und Polizeibeamten im vergangenen Jahr zurückgegangen ist“, sagte Beuth. „Und ich hoffe, dass es in der kommenden Saison noch friedlicher zugeht und nur die eigentlichen Fußballspiele im Vordergrund stehen.“

          Auch wenn die sinkende Zahl der Verletzungen im Zusammenhang mit Polizeieinsätzen bei Fußballspielen zunächst positiv auffällt, ist die Situation noch nicht zufriedenstellend. „Es gibt nach wie vor Gewalt“, sagte eine Sprecher des hessischen Innenministeriums dieser Zeitung. Die hessische Polizei werde nicht nachlassen und weiterhin im Einsatz sein. Jeder Angriff auf Polizisten werde außerdem nicht toleriert.

          Der Innenminister forderte die Vereine auf, „gewaltbereiten Chaoten“ keine Bühne zu bieten. Sie machten den Sport kaputt. Die Zahl der eingeleiteten Strafverfahren blieb in etwa gleich. Der Sprecher des Innenministeriums erklärte im Kontext dieser „Chaoten“, dass es grundsätzlich Personen gebe, die immer wieder negativ auffallen würden. Wobei die Polizei, die in ihrer modernen Körperschutzausstattung gut geschützt sei, zunächst auf Deeskalation setzen würde.

          Sowohl in der abgelaufenen als auch in der vorletzten Saison leitete die Polizei mehr als 250 Strafverfahren ein. Dabei ging es zuletzt vor allem um Körperverletzungen, Beleidigungen und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. Zu den vom Ministerium erfassten Begegnungen zählen Spiele Bundesliga, 2. Bundesliga, 3. Liga, Regionalliga Südwest, Relegation 2. Bundesliga, UEFA Euro League, DFB-Pokal sowie Test- und Freundschaftsspiele.

          Von den insgesamt bei Fußballspielen in Hessen 37 verletzten Personen wurden fallen allein 32 Personen unter die Heimspiele der Eintracht. Drei Verletzte gab es bei Spielen des SV Darmstadt 98 (2. Bundesliga) und zwei bei Heimspielen des SV Wehen Wiesbaden in der dritten Liga.

          Kategorie A, B oder C

          Die Fans würden zur Einschätzung in drei Kategorien eingeteilt, je nachdem, wie stark die Neigung zu Gewalt sei. Hier zeige sich laut dem Sprecher des Innenministeriums, dass es sich bei den Tätern zum Teil immer wieder um dieselben „Chaoten„ handle. Die Kategorie A bezieht sich auf die friedlichen Fans. Bei der Kategorie B handelt es sich um gewaltbereite bzw. gewaltgeneigte Fans und bei Kategorie C schließlich um den gewaltsuchenden Fan. Diese Einteilung wird schon seit den achtziger Jahren vorgenommen.

          Diese Kategorien sind auch für den Jahresbericht der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) relevant. Die ZIS registriert und beobachtet bundesweit Gewalttaten im Zusammenhang mit Fußball. Hier wird auch die Bilanz der hessischen Polizeieinsätze eine Rolle spielen. In der Saison 2017/2018 wurden laut dem vergangenen ZIS-Jahresbericht bundesweit mehr als 1200 Menschen bei Fußballspielen durch Gewalt verletzt. Der Bericht wies außerdem auf das gewaltbereite Potential innerhalb der Ultraszenen hin, die sich immer stärker organisieren würden. Der nächste Bericht soll im Herbst 2019 erscheinen.

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