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Fußball : FSV Frankfurt in Sorge: Rückfall bei Wunderlich

Da war er noch fit : Mike Wunderlich gegen die Herren des Karlsruher SC im Stadion am Bornheimer Hang in Frankfurt. Bild: Wonge Bergmann

Einer fehlte, als die Mannschaft des FSV Frankfurt am Freitag ins Trainingslager nach Mallorca flog: Mike Wunderlich. Ohn hat seine Burnout-Erkrankung wieder eingeholt. Die Mannschaft ist betroffen, Ersatz muss rasch her.

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           „Ich wollte gerne wieder für den FSV Frankfurt auflaufen und habe es probiert, aber ich sehe mich momentan leider den Anforderungen des Profifußballs nicht gewachsen“, wird Wunderlich in einer Pressemitteilung des Vereins zitiert. „Ich fühle mich nicht stark genug, diesem Druck standzuhalten.“ Diese Entscheidung hat der Fünfundzwanzigjährige den Verantwortlichen des Vereins am Mittwochabend mitgeteilt. „Der Mike ist tieftraurig“, sagt Uwe Stöver, der Geschäftsführer Sport. „Die Situation ist wieder genauso, wie sie schon einmal war.“

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mitte April des vergangenen Jahres, vor dem Heimspiel des FSV gegen 1860 München, rief Wunderlich seinen Vater Franz an und sagte ihm, dass er keine Kraft mehr habe, dass er sich müde und antriebslos fühle. Seitdem ist einer der besten Spieler des Vereins nicht mehr für die Frankfurter aufgelaufen. Wunderlich wurde zu Beginn dieser Saison zu seinem Heimatverein Viktoria Köln in die fünfte Liga ausgeliehen. Sein Vater ist dort als Sportlicher Leiter für die Geschicke des Vereins verantwortlich. Eigentlich sollte Wunderlich bis zum Ende dieser Spielzeit in Köln bleiben, doch im November fühlte er sich offenbar wieder bereit für eine Rückkehr zum FSV und sagte zu seinem Berater: „Ich will es noch einmal probieren.“ Das tat er.

          Über den Enthusiasmus siegte die Müdigkeit doch wieder

          Nach acht Trainingstagen, zwei Testspielen und seinem Auftritt beim Hallenturnier vor einer Woche erhielt er viel Lob für seine Leistungen. Er selbst wusste da jedoch schon, dass es nicht mehr weitergeht. Wie groß die Skepsis vielleicht schon von Anfang an war, zeigt, dass Wunderlich täglich aus Köln zum Training hin- und herpendeln, manchmal bei einem Mitspieler übernachtete, seinen Lebensmittelpunkt aber nicht wieder nach Frankfurt verlagern wollte. „Wir haben ihm alle Möglichkeiten gegeben, die er sich gewünscht hat“, sagt Stöver.

          Der Geschäftsführer Sport hat am Mittwochabend lange mit Wunderlich und dessen Vater telefoniert. Er suchte nach einer Möglichkeit, den Profi doch noch zum Weitermachen zu bewegen. Noch immer fällt es Stöver schwer, einen Grund für den gesundheitlichen Rückfall zu benennen: „Ich glaube, dass es die Gesamtsituation war, die ihm wieder Probleme bereitet hat.“ Mit einem Psychologen hat der FSV seit der Rückkehr Wunderlichs nicht zusammengearbeitet, weil es der Spieler selbst offenbar auch nicht wünschte. Kurz vor Weihnachten war dieser noch bei einer Kontrolluntersuchung, im vergangenen Sommer hatte er sich für zwei Monate in ärztliche Behandlung begeben.

          „Ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass Mike es schafft“

          Zu Beginn dieses Jahres, nach den ersten Trainingseinheiten, sagte er: „Ich bin durch das Tal durchgekommen.“ Doch die Realität war eine andere: „Wir haben versucht, ihm das Umfeld zu bieten, in dem er sich wohl fühlt und zu seiner Leistungsstärke zurückfinden kann“, sagt Stöver. „Diesen Eindruck hat er auch in den ersten Tagen hinterlassen, doch leider war seine Krankheit stärker.“

          Bis zum Ende der Saison wird Wunderlich nun wieder an Viktoria Köln ausgeliehen. Wie außergewöhnlich sein Talent als Fußballspieler ist, hat er dort in der Hinrunde demonstriert, als ihm fünfzehn Tore gelangen. Diese Qualität hätte auch dem FSV weitergeholfen. „Seine persönliche Situation hat natürlich Auswirkungen auf uns“, sagt Stöver. Am Freitagabend wollte er deshalb mit Trainer Benno Möhlmann neue Pläne schmieden. Fakt ist, dass der Verein weiterhin einen Linksverteidiger und einen Stürmer verpflichten möchte. Ob nun auch noch ein Mann für das defensive Mittelfeld gesucht wird, sollen die kommenden Tage zeigen. Eine Rückkehr von Wunderlich an den Bornheimer Hang ist noch immer nicht ausgeschlossen. „Ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass Mike es schafft“, sagt Stöver. „Und wir haben die Option, ihn für das kommende Jahr vertraglich an uns zu binden.“ Vorerst aber kämpft Wunderlich seinen eigenen Kampf.

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