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Fußball : Die Eintracht wird der zweiten Liga guttun wie Mainz 05 der ersten

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Die erste Klasse ist flußabwärts gezogen, von Frankfurt nach Mainz. Das schmerzt am Main und erfreut am Rhein. Der überraschende Last-minute-Aufstieg des FSV Mainz 05 in die Fußball-Bundesliga im Wonnemonat ...

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          Die erste Klasse ist flußabwärts gezogen, von Frankfurt nach Mainz. Das schmerzt am Main und erfreut am Rhein. Der überraschende Last-minute-Aufstieg des FSV Mainz 05 in die Fußball-Bundesliga im Wonnemonat Mai und der weniger überraschende Abstieg der Frankfurter Eintracht aus derselben hat die Kräfteverhältnisse in der Rhein-Main-Region eindeutig verschoben - was den Fußball angeht. Das wollen die eingefleischten Fans der Eintracht so nicht unbedingt wahrhaben. Wann waren die Mainzer denn zum letzten Mal in der Bundesliga? Noch nie, aber ein paarmal hautnah dran, werden deren Fans zugeben müssen. Eben. Sollen die doch mal erleben, was für ein Wind da oben weht, der einen so fürchterlich zerzausen kann.

          Dabei haben die Mainzer alles getan, um sich ja nicht aus der Ecke der Außenseiter herausbewegen zu müssen. Sie haben einen kleinen Etat, mit einer Kapazität von 22000 Zuschauern ein verhältnismäßig kleines (aber schickes) Stadion am Bruchweg, haben noch nicht einmal einen "Hochkaräter" verpflichtet, um das "Wir-Gefühl" des im Aufstiegskampf eingespielten Elferrates atmosphärisch nicht zu stören. Aber sie haben alle mächtig Spaß und das einstige Schimpfwort vom beklagenswerten Karnevalsverein zum Motto ihres Strebens erkoren. Mit Jürgen Klopp haben sie den wohl bizarrsten Trainer auf der Bank. Der sagt immer viel - und sagt immer die Wahrheit. Oder zumindest meistens. Das ist nicht das einzige, was ihn von seinen Kollegen unterscheidet. In Mainz haben sie dem langen Blonden längst Kultstatus verliehen; was noch fehlt, ist neben dem Gutenberg-Denkmal das Klopp-Denkmal. Der Mann wird mit seiner Mannschaft der Liga guttun. Wie die Fans auch. Versprochen.

          So, wie die Eintracht der zweiten Liga guttun wird. In Stadien wie in Trier, Ahlen, Unterhaching oder Burghausen reiben sich die Kassierer schon jetzt die Hände. Frankfurt zieht - und mit der Eintracht zieht stets ein Troß von Fans. In die Tausende geht die Reisegesellschaft, die sich regelmäßig in die Fremde aufmacht und nicht selten aus einem Auswärtsspiel ein Heimspiel macht.

          Der Erstligastatus ist zwar mainabwärts gezogen, aber der Fußball Marke Eintracht ist noch längst nicht den Bach runter. Dafür garantiert der neue Trainer Friedhelm Funkel. Die im Jecken-Karneval nicht unerfahrene fünfzig Jahre alte niederrheinische Frohnatur mit Hang zum Schützenverein in Neuss hat schließlich schon viermal geschafft, was in Frankfurt nach dem immerhin schon dritten Abstieg sehnsüchtig ein fünftes Mal von ihm erwartet wird, nämlich eine Mannschaft aus der zweiten in die erste Liga zu führen. Der Wunsch ist um so nachdrücklicher, als im nächsten Jahr der Eintracht eine erstklassige Plattform für ihre Fußball-Vorführungen bereitgestellt wird: das für die Weltmeisterschaft 2006 taugliche neue Waldstadion. Schon im halbfertigen Zustand läßt sich erahnen, welch ein Schmuckstück aus Beton, Glas und Stahl da mitten im Wald stehen wird. Gibt es etwas Schöneres als eine Aufstiegsfeier mit 50000 Leuten in einem solchen Stadion mit einer erstklassigen Einstimmung auf die WM? Eben. In Mainz bemühen sie sich, wenigstens Trainingsstätte einer WM-Mannschaft werden zu können. So viel zum Unterschied des Anspruchs.

          In Mainz definieren sie ihren Fußball über den Spaß, in Frankfurt von sofort an über die Jugend. Es wimmelt von Teens und Twens in Funkels überschaubarem Aufgebot, von vielen talentierten jungen Leuten. Einigen von ihnen will er schon zum Start der Liga am Montag in Aachen eine Chance geben. Die Eintracht arbeitet an ihrer Zukunft. Da macht die zweite Liga sogar in Frankfurt Spaß. RICHARD BECKER

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