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Fußball : Alexander Schur: Spielerfan der Eintracht

  • -Aktualisiert am

Gibt alles, aber doch zu wenig: Alexander Schur. Bild: AP

Braucht ein Fußballspieler wie Alexander Schur Vorbilder? Ist Alexander Schur nicht selbst ein Vorbild? Wenn man in den Tagen vor dem Zweitligagipfel zwischen der Frankfurter Eintracht und Mainz 05 nach Typen Ausschau hält, bleibt man schnell bei Schur hängen.

          Braucht ein Fußballspieler wie Alexander Schur Vorbilder? Ist Alexander Schur nicht selbst ein Vorbild? Wenn man in den Tagen vor dem Zweitligagipfel zwischen der Frankfurter Eintracht und dem FSV Mainz 05 nach Typen Ausschau hält, bleibt man schnell bei Schur hängen. Einer mit Ausstrahlung. Einer mit Aussagekraft. Einer mit Ecken und Kanten. Einer wie geschaffen, um Identifikationsfigur bei der Eintracht zu sein.

          Wer nach Fußballprofis sucht, die so etwas wie die Seele des Eintracht-Spiels verkörpern, kommt an Schur nicht vorbei. Als was wird der Mann mit der Rückennummer 24 in den Medien nicht alles dargestellt: Vorkämpfer, Abräumer, Leitfigur. Alles Synonyme, die tatsächlich auf den 32 Jahre alten Frankfurter zutreffen. Kaum einer hat sich in all den Jahren so mit Verve und Herzblut in die Sache Eintracht reingehängt wie der Bockenheimer Junge Schur. Bankkaufmann ist Schur mal gewesen, doch das ist ebensolange her wie seine Anfangszeit als ambitionierter Fußballspieler des VfR Bockenheim von 1977 bis 1988. Bis 1994 war Schur bei Rot-Weiss Frankfurt am Ball, spielte kurzfristig um den Aufstieg in die zweite Liga.

          Mit der Zeit am Brentanobad läßt sich auch prima die Brücke zu Jürgen Klopp spannen. Bei den "Roten" machten Schur und Klopp gemeinsame Sache, durchlebten mit einer starken Mannschaft eine starke Zeit. Eine Zeit, die geprägt hat, denn noch heute erinnert sich Schur freudig an die alten Tage zurück. "Seit jenen Tagen sind wir Kumpels", sagt Schur. "Damals hat mich Kloppo immer zum Training abgeholt." Der auch heute noch in Frankfurt wohnende Klopp, mittlerweile Trainer des wieder vom Aufstieg in die Erstklassigkeit träumenden FSV Mainz 05, hat diesen Fahrdienst aber längst eingestellt.

          Nun also treffen sie sich wieder, die beiden Freunde vom Brentanobad. Und wenn Schur kein Profi, sondern nur Fan der Eintracht wäre, was er sowieso ist, würde er nicht mit dem Bus, sondern mit dem Schiff nach Mainz fahren. Alljährlich machen sich die wahren Fans der Eintracht einen Spaß, vom Eisernen Steg aus eine lustige Schifffahrt auf dem Main und dem Rhein nach Mainz zu machen, um abends die Spieler mit dem Adler auf der Brust anzufeuern. Schur aber wird fehlen. Schon am Sonntag nachmittag, nach dem Abschlußtraining am Waldstadion, bewegt sich der Eintracht-Troß mit dem Bus in Richtung Rheinland-Pfalz, wo so etwas wie ein Minitrainingslager bezogen wird. Trainer Willi Reimann will alle Kräfte für das eine Ziel bündeln, das da heißt: Sieg am Bruchweg.

          Ein Sieg gegen den unmittelbaren Tabellennachbarn als entscheidender Durchbruch auf dem Weg zurück in die Erstklassigkeit? Wenn Alexander Schur davon spricht, "daß wir die kämpferisch bessere Mannschaft sind und die Mainzer 2:1 schlagen", lobt er nicht nur die Qualitäten seiner Kollegen, sondern ein bißchen auch sich selbst. Schließlich ist es stets der defensive Mittelfeldspieler, der von seinem Trainer mit Spezialaufgaben betraut wird, um für Ruhe und Ordnung vor der Abwehr zu sorgen.

          Einer wie Alexander Schur ist wichtig für das Binnenklima bei der Eintracht. Sein Wort hat Gewicht, seine Meinung ist gefragt. Mit Uwe Bindewald, Jens Keller, Andree Wiedener und Henning Bürger versteht sich Schur zwar am besten, doch versteht es der Frankfurter Familienvater auch, auf die Nöte und Sorgen jüngerer Mitspieler einzugehen. Die Eintracht ohne Schur? Kaum vorstellbar. Die Eintracht mit Schur in der ersten Liga? Eine schöne Sache, "denn da will ich wieder hin", wie er sagt.

          Ein ordentlicher Auftritt an diesem Montag im Mainzer Stadion am Bruchweg wäre hilfreich, und selbst wenn es mit dem erhofften 2:1 nichts werden sollte, sieht Schur weiterhin beste Chancen auf eine nahende Klassenversetzung. Unvergessen ist und bleibt jenes legendäre 5:1 am 29. Mai 1999 gegen den 1. FC Kaiserslautern, mit dem sich die Eintracht in buchstäblich letzter Minute den Verbleib in der ersten Liga sicherte. Es war ein Jahrhundertspiel, und es ist wohl nicht zu erwarten, daß sich ähnliches am 25. Mai dieses Jahres wiederholt, wenn der SSV Reutlingen ins Waldstadion kommt. Schur und die Eintracht wollen schon früher für klare Verhältnisse sorgen. Zum Beispiel am Montag in Mainz.

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