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Kaufhof und Karstadt : „Die Zeil ist stark genug für zwei Warenhäuser“

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Kaufhof und Karstadt: Passt das zusammen? Bild: dpa

Eine mögliche Fusion der beiden Handelsketten Kaufhof und Karstadt könnte vor allem kleinere Standorte stark treffen. Die Gewerkschaft Verdi warnt vor Einschnitten.

          Es ist nicht der erste Anlauf. Doch neue Gespräche über ein Zusammengehen der beiden Warenhausketten Kaufhof und Karstadt scheinen die Fusion jetzt näher rücken zu lassen. Sie werfen auch für Frankfurt und andere Standorte im Rhein-Main-Gebiet die Frage auf, welche Konsequenzen eine Zusammenlegung der beiden Häuser hätte, deren Geschäfte seit Jahren unter der Billigkonkurrenz und dem Online-Handel leiden.

          Den Bedeutungsverlust macht Michael Kullmann, Geschäftsführer des Handelsverbands Hessen, an den Umsatzzahlen fest. Keine drei Prozent der für dieses Jahr für den deutschen Einzelhandel prognostizierten 521 Milliarden Euro tragen die rund 180 Filialen der beiden Unternehmen bei. Gleichwohl steht für den Verbandschef fest: „Es wäre ein großer Verlust für unsere Städte, wenn die Warenhäuser aus den Citylagen verschwänden.“

          Eine Schließungswelle wie andere Einzelhandelsexperten erwartet Kullmann jedoch nicht. Er verweist auf die vielen Filialen, die im Zuge von Sanierungsprogrammen schon geschlossen wurden. Jeder Standort müsse einzeln betrachtet werden. Doppelstandorte im Rhein-Main-Gebiet gibt außer an der Zeil etwa auch in Darmstadt und Wiesbaden. In der Landeshauptstadt sei Karstadt das Flaggschiff, und unter Umständen habe Kaufhof das Nachsehen, meint Kullmann. Die Lage sei wie in den meisten anderen Standorten so attraktiv, dass keine größeren Leerstände zu erwarten seien. Zwei Etagen Einzelhandel und darüber Wohnungen – „so etwas könnte ich mir durchaus vorstellen“, sagt Kullmann.

          „Beide Häuser funktionieren“

          Für die beiden Warenhäuser an der Zeil in Frankfurt sehen die meisten Branchenvertreter keine Gefahr. „Beide Häuser funktionieren“, sagt etwa Aniko Korsos von Jones Lang Lasalle, die den Markt in Frankfurt gut kennt. Und auch nach Ansicht von Joachim Stoll, dem Sprecher des Frankfurter Einzelhandels, ist die Zeil „stark genug für zwei Häuser“. Er verweist auf die Unterschiede: „Karstadt hat nicht die Top-Marken, die Kaufhof hat.“ Korsos erwartet Veränderungen, so es sie denn geben sollte, aus diesem Grund eher bei Karstadt. Zumal Kaufhof, da sind sich alle einig, eindeutig den besseren Standort hat.

          Nicht nur deswegen blickt Karstadt-Betriebsratschef Norbert Sachs neidisch Richtung Hauptwache. Auch die Entlohnung bei Galeria Kaufhof, die nach Tarif zahlt, ist besser. Gut 300 Euro hat ein Verkäufer, der bei Kaufhof arbeitet, im Monat mehr auf dem Konto als seine Kollegen bei Karstadt; das Unternehmen ist noch im Flächentarifvertrag.

          Karstadt baut Personal ab

          Für die Karstadt-Mitarbeiter gilt bis 2021 ein Sanierungstarifvertrag, der knapp zwölf Prozent unter dem Flächentarif liegt. Ohnehin hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren kräftig Personal abgebaut. 250 Köpfe zählt das Haus an der Zeil noch, das sind laut Sachs keine 200 Vollzeitkräfte. Zum Vergleich: Die Galeria Kaufhof, die deutlich weniger Fläche bespielt, hat 300 Mitarbeiter. Betriebswirtschaftlich ist die Rechnung für Karstadt freilich aufgegangen. Während Kaufhof Verluste macht und die Muttergesellschaft HBC daher von Seiten ihrer Investoren mächtig unter Druck steht, hat Karstadt im Geschäftsjahr 2016/17 einen kleinen Gewinn erwirtschaftet.

          HBC will die Kosten bei Kaufhof drücken. Das Kaufhof-Management verhandelt mit der Gewerkschaft Verdi schon seit längerem über ein Sanierungspaket, etwa den Verzicht auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Dass jetzt wieder Gespräche über eine Fusion geführt werden, kommt für Bernhard Schiederig von Verdi Hessen überraschend, wie er sagt. Bisher habe es immer geheißen, der Verkauf sei keine Option. Der Verdi-Mann mutmaßt: „Soll da womöglich eine Braut hübsch gemacht werden für den Verkauf?“ Er sagt: „Bevor nicht klar ist, auf welchen Pfad sich das Unternehmen begibt, wird es keinen Beitrag der Arbeitnehmer geben.“ Ohnehin könne das Warenhaus nur überleben, wenn es seine Stärken wie Beratung, Bedienung und Service ausspiele. „Dazu braucht man Mitarbeiter.“

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