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Geplante Börsenfusion : Aktienhandel soll in Frankfurt bleiben

Selbstbewusst: Die Deutsche Börse AG plant die Fusion mit der London Stock Exchange. Bild: Reuters

Es herrscht weiter Unklarheit über den möglichen Sitz einer Dachgesellschaft der beiden Verhandlungspartner. Die Deutsche Börse AG geht dennoch sehr selbstbewusst in die Gespräche.

          Am Tag nach der Bekanntgabe der Fusionspläne der Deutschen Börse und der London Stock Exchange will Carsten Kengeter sich nur ungern zu Details äußern. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse AG steht am Mittwochvormittag mit Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) in einer Büroetage des Hauses Sandweg 94 in Frankfurt, um ein Fintech-Projekt des Konzerns vorzustellen. Doch kommt er um das aufsehenerregende Fusionsthema nicht herum. So wirbt er mit recht allgemeinen Worten um Unterstützung für die Pläne.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Die Verbindung sei im Entstehen, sagt Kengeter. Die Deutsche Börse würde sie nicht eingehen, wenn sie vom Nutzen „für die Volkswirtschaft, die wir zu verantworten haben“, nicht überzeugt wäre, führt der frühere Investmentbanker aus, der den Börsenbetreiber seit Juni vergangenen Jahres führt. Durch ihr Zusammengehen wollen beide Konzerne eine Art „Kapitalbrücke“ zwischen Deutschland und Großbritannien bauen, wie es heißt. Al-Wazir bekräftigt, wenn es etwas zu prüfen gebe, werde sein Ministerium als Börsenaufsicht dem nachkommen.

          Deutsche Börse soll die Mehrheit der Anteile halten

          Auf Nachfrage hebt Kengeter hervor, er wolle den Aktienhandel nicht zu Lasten Frankfurts in London konzentrieren. Der Minister wäre nicht glücklich, falls der Kassamarkt abwanderte. „Ich wäre nicht gut beraten, wenn ich das machen würde. Sie können davon ausgesehen, dass das nicht passieren wird“, sichert der Börsenchef prompt zu. Wie es in informierten Kreisen heißt, sieht die Deutsche Börse sich nicht nur wegen des geplanten eigenen Anteils von 54,4 Prozent gegenüber 45,6 Prozent für die Londoner auf dem „Fahrersitz“. Man habe auch das entsprechende Selbstbewusstsein. In den Gesprächen mit der New Yorker Börse hatte die Deutsche Börse am Finanzplatz und in der Politik etwa mit dem Plan, den Amerikanern den Vorstandsvorsitz zu überlassen und sich mit dem Aufsichtsratsvorsitz zu begnügen, für Irritationen gesorgt. Gleichwohl gibt es dem Vernehmen nach noch keine Übereinkunft, wo die geplante Dachgesellschaft von Deutscher und Londoner Börse sitzen und wer den Vorstandschef einerseits und den Aufsichtsratschef andererseits stellen solle.

          In Frankfurt schaut man derweil mit Spannung auf die Nachrichten aus Eschborn, wo die Deutsche Börse ihre Verwaltung hat. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) verlangt eine Zusammenarbeit mit London auf Augenhöhe; nach den Erfahrungen mit früheren Fusionsplänen sei er skeptisch. Feldmann war nach eigenen Worten von Kengeter telefonisch über die Fusionspläne informiert worden.

          Frankfurts Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) will das Gespräch mit dem Vorstand und dem Betriebsrat der Börse sowie den Bankern in Frankfurt suchen. Es gebe Chancen und Risiken gleichermaßen für den Finanzplatz. Der Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt, Mathias Müller, zeigt angesichts des harten Wettbewerbs unter den Börsenplätzen Verständnis für die Fusionspläne, mahnt allerdings ebenfalls: Entscheidend sei, dass Frankfurt ein starker Standort bleibe.

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