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Fulda/Frankfurt : Lange Haft für brutalen Obdachlosen-Mord

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Die Angeklagten im Fuldaer Prozess um einen Mord an einem Obdachlosen müssen jeweils mehr als zehn Jahre hinter Gitter, wie das Landgericht meint Bild: dpa

Weil sie einen Obdachlosen in Bad Hersfeld ermordet haben, müssen zwei junge Männer mehr als zehn Jahre in Haft. In Frankfurt ahndete ein Gericht eine Attacke auf einen Obdachlosen mit kürzerer Haft.

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          Wegen Mordes an einem Obdachlosen hat das Landgericht Fulda zwei junge Männer zu 14 Jahren und zu elf Jahren und zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Außerdem wurden der 22 Jahre alte Angeklagte und ein 23 Jahre alter Mann in eine Entziehungsanstalt eingewiesen. Im Februar hatten sie in der Bad Hersfelder Bahnhofshalle einen Landstreicher zu Tode geprügelt. Der Mann war nach massiven Verletzungen noch am Tatort am eigenen Blut erstickt.

          Die beiden Verurteilten sind ebenfalls obdachlos. Sie waren zur Tatzeit erheblich betrunken und galten deshalb vor Gericht als vermindert schuldfähig.

          „Zutiefst verachtenswerte Gesinnung“

          Die Angeklagten nahmen das Urteil äußerlich unbewegt zur Kenntnis. Vor Gericht hatten sie Teilgeständnisse abgelegt und sich in ihren Schlussworten bei dem Vater des Opfers entschuldigt. Beide hatten gesagt, sie hätten ihr Opfer nur verletzen, aber nicht töten wollen. Das sah das Gericht anders. Der Richter sprach von einer zutiefst verachtenswerten Gesinnung der beiden jungen Männer. Er sagte, sie hätten aus Lust am Streit und Lust, andere leiden zu sehen, brutal auf den Mann eingeprügelt.

          Spätestens in dem Moment, als das Opfer röchelnd und vollkommen wehrlos am Boden lag, hätten die Angeklagten seinen Tod billigend in Kauf genommen. Doch sie hätten einfach weitergemacht und seinen Kopf wie einen Fußball benutzt. Die Angeklagten hätten aus niedrigen Beweggründen gehandelt, mit erschreckender Gefühlskälte.

          Aggressiv auftretender Obdachloser

          Wegen schwerer Misshandlung eines Obdachlosen mit  Messerstichen, Tritten und Schlägen ist ein 25 Jahre alter ehemaliger Zeitsoldat zu drei Jahren und acht  Monaten Haft verurteilt worden. Das Landgericht Frankfurt verurteilte den geständigen Mann wegen gefährlicher  Körperverletzung. Drei seiner Bekannten, die an der Attacke auf den 45 Jahre alten Mann ebenfalls beteiligt waren, kamen mit Bewährungsstrafen von bis zu zwei Jahren davon.

          Die vier Männer hatten im Februar einen feucht-fröhlichen  Abend im Frankfurter Bahnhofsviertel verlebt und waren am Ende mit dem offenbar aggressiv auftretenden Obdachlosen aneinandergeraten. Ursprünglich hielt die Staatsanwaltschaft den Vorfall für einen versuchten Totschlag. Weil die Männer jedoch stark angetrunken waren, sah das Gericht trotz der schwerem Verletzungen keinen bedingten Tötungsvorsatz mehr. Die Männer hatten zwischenzeitlich auch Geldentschädigungen von bis zu 5000 Euro an das Opfer gezahlt und sich bei ihm entschuldigt.

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