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Drogenabhängige machen Kunst : Schöner als Kiffen und Knast

  • -Aktualisiert am

Bezeichnend: Das Bahnhofsviertel ist Thema eines Trickfilms. Bild: Highlife Frankfurt

Frankfurter Studenten lassen Drogenabhängige Songs schreiben, Filme drehen und Sketche spielen. Ziel des Projekts „Highlife“ ist es ausdrücklich, den Abhängigen Erfolgserlebnisse zu ermöglichen.

          Wie es sich anfühlt, sich zum ersten Mal einen Schuss Heroin zu setzen, wissen nur die wenigsten. Seit Sonntagabend aber haben ein paar hundert Leute eine etwas genauere Vorstellung davon. Sie haben im Frankfurter Gallustheater einem kurzen Theaterstück gelauscht, in dem eine Drogenabhängige den Moment beschreibt. Man müsse zwar kotzen, aber es sei trotzdem wunderbar. „Es ist wie ein Orgasmus durch den Hals.“

          Die Sequenz ist einer der denkwürdigsten Momente eines eindrücklichen Abends im vollbesetzten Theatersaal. Zu verdanken ist er Studenten der Frankfurt University of Applied Sciences und vor allem den Süchtigen und ehemaligen Süchtigen, mit denen sie ein halbes Jahr lang zusammengearbeitet haben. „Highlife“ heißt das Projekt, das deutlich größer geworden ist, als die Macher anfangs gedacht hatten. Nach guten Erfahrungen mit Inhaftierten sei die Idee entstanden, mit Drogenabhängigen zu arbeiten, sagt Ulrike Pfeifer, Professorin für Musik in der Sozialen Arbeit. Davon waren mehrere ihrer Kollegen so begeistert, dass ein Programm mit Musik, Theater, Malerei, Fotografie und Film entstanden ist. 30 Studenten haben mit 100 Klienten der Drogenhilfe zusammengearbeitet.

          Filme sind echte Hingucker

          Den Kontakt haben die Hochschüler über die Vereine gefunden, die mit den Drogensüchtigen zusammenarbeiten. Die neuen Künstler leben in betreuten Wohngemeinschaften, sie nutzen die Tagestreffs und die Beratungsangebote.

          Die Studenten haben mit „Highlife“ wichtige Praxiserfahrungen gesammelt. Sie absolvieren an der früheren Fachhochschule das Bachelor-Programm Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Kultur und Medien. „Wir waren am Anfang ein wenig verunsichert“, berichtet Lea Karge. Schließlich sei das Projekt für viele der erste praktische Kontakt mit dem späteren Berufsfeld gewesen. Aber die Workshops hätten prima funktioniert. Immer vier Studenten haben die Kurse für bis zu zehn Klienten geleitet. Von der Idee bis zum fertigen Kunstwerk haben es die Teams gemeinsam geschafft. Dass etwa an den Mischpulten erfahrene Produzenten saßen, ist der Musik anzuhören. Vom Dudelsack-Solo bis zum Electro-Tanzsong ist so ziemlich jede Stilrichtung vertreten. Hingucker sind die Filme, die die Klienten gedreht haben. Oft geht es darin um ihre Geschichte, um ihr eigenes Umfeld. Ein lustiges Beispiel ist der Sketch, der den gescheiterten Versuch zeigt, eine Urinprobe zu fälschen. „Herr Müller, Ihr Urin muss doch warm sein!“, sagt die Sprechstundenhilfe mit piepsiger Männerstimme. Das Publikum lacht sich kaputt.

          Drogenabhängige kaum noch bemerkt

          Solche Erfolgserlebnisse für die Drogennutzer sind das ausdrückliche Ziel von „Highlife“. Auch wenn sich nicht alle getraut haben, ihre Songs persönlich auf der Bühne vorzustellen, dürften die meisten von ihnen stolz sein auf das Ergebnis ihrer Arbeit. „Ich hätte nicht gedacht, dass das am Ende so geil klingt“, sagt einer von ihnen, der einen Rapsong geschrieben hat.

          Bernhard Kayser überrascht das nicht. Kunst sei nun einmal eine Sprache, in der sich jeder ausdrücken könne, sagt der Professor, der die angehenden Sozialarbeiter ausbildet. Mit den Drogenabhängigen hätten die Studenten eine Zielgruppe erreicht, die weitgehend aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden sei. Nur an wenigen Orten wie im Bahnhofsviertel seien sie zu sehen. Das, obwohl die Stadt mit ihrem „Frankfurter Weg“ erfolgreiche und anerkannte Drogenhilfe leiste.

          Die hat nicht immer das Ziel, die Leute komplett vom Rauschgift zu lösen. Aber das, was viele denken mögen, hat einer der Klienten in seinem Rap auf den Punkt gebracht: „Es gibt was Besseres als Kiffen und Knast.“ Darüber einen Song zu schreiben zum Beispiel.

          Die CD mit den Songs der Klienten kann unter der E-Mail-Adresse info@highlife-frankfurt.de bestellt werden. Sie kostet zwölf Euro; die Einnahmen kommen dem Projekt zugute.

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