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Für Techno-Festival : Hanauer Mainwiesen sollen Schutzstatus verlieren

Partylaune: Zum Techno-Festival im Naturschutzgebiet „Hessische Mainauen“ kommen jedes Jahr rund 20.000 Besucher. Bild: Photo-Company

Die Hanauer Stadtverordneten befürworten die vom Magistrat angestrebte Dauerlösung für das Techno-Festival „Love Family Park“. Die Mainwiesen würden dadurch ihren Schutzstatus verlieren.

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          Die Stadt Hanau wird beim Regierungspräsidium in Darmstadt beantragen, die Veranstaltungsfläche des Techno-Festivals „Love Family Park“ auf den Mainwiesen von Großauheim aus dem Landschaftsschutzgebiet „Hessische Mainauen“ herauszunehmen. Mit großer Mehrheit stimmte die Stadtverordnetenversammlung nach ausführlicher Debatte für die Vorlage des Magistrats. Zu den Befürwortern zählten neben den Koalitionspartnern SPD und Bürger für Hanau auch die CDU und die FDP. Die Grünen, die Teil der Rathauskoalition sind, enthielten sich der Stimme. Damit folgten sie der Vorgabe des Koalitionsvertrags, die festlegt, dass ein Partner, der einen Beschluss der Koalitionsmehrheit nicht mittragen will, in der Abstimmung kein Votum abgibt. Erwartungsgemäß gegen die Vorlage sprachen sich die beiden - einst grünen - Mitglieder der Alternativen Fraktion sowie eine Vertreterin der Linken aus.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Der Antrag auf die „Herausnahme“ oder „Teillöschung“ soll dem Veranstalter auf Dauer die Planung des Festivals ermöglichen, das in jedem Sommer rund 20.000 Freunde der Techno-Szene nach Hanau führt. Bisher wurde die Großveranstaltung im Landschaftsschutzgebiet jährlich über eine Ausnahmegenehmigung der unteren Naturschutzbehörde geregelt. Das Ansinnen der Stadt, eine dauerhafte Ausnahmegenehmigung zu erwirken, lehnte das Umweltministerium ab. Als letzte Möglichkeit, die Jugendveranstaltung in Hanau zu halten, sieht der Magistrat nur die „Teillöschung“ aus dem Landschaftsschutzgebiet an, wie Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) den Stadtverordneten erläuterte.

          Schäden für Fauna und Flora

          Werde der Antrag genehmigt, werde sich für das Areal nichts ändern, denn weder eine Ausweitung der Besucherzahl noch weitere Veranstaltungen auf dem Gelände kämen in Frage, kündigte Kaminsky an. Er nimmt an, dass über den Antrag innerhalb von drei Monaten entschieden werden könne. Diesen nach Kaminskys Worten „ambitionierten“ Zeitplan relativierte Umweltdezernent Ralf-Rainer Piesold (FDP). Er glaubt, dass wegen des komplexen Verfahrens eine Entscheidung nicht vor dem nächsten Veranstaltungstermin im Sommer getroffen werden könne. Deshalb werde man sich parallel zu dem bevorstehenden Verfahren um eine weitere Ausnahmegenehmigung bemühen.

          Dies gehe nur in enger Abstimmung mit dem Regierungspräsidium, das diese von der unteren Naturschutzbehörde ausgestellte Genehmigung befürworten müsste. Dem steht allerdings ein Gutachten entgegen, das die Stadt selbst in Auftrag gegeben hat und das von möglichen dauerhaften Schäden für Fauna und Flora sowie von einer bereits eingetretenen Verdichtung des Bodens spricht. Piesold gab sich gleichwohl optimistisch, dass die Veranstaltung zumindest in diesem Sommer noch einmal in Hanau stattfinden kann. Einen alternativen Standort, so wurde in der Sitzung von allen Rednern festgestellt, gebe es in Hanau nicht. Die Mainwiesen seien der einzige Ort, an dem die Lärmbelästigung für die Bürger gering sei und die Sicherheit für die Besucher optimal gewährleistet werden könne. Dieser Meinung war auch Sascha Feldes von der Alternativen Fraktion als entschiedener Gegner der Aufgabe der Schutzwürdigkeit.

          Ureigene Interessen der Grünen

          Allerdings forderte er, den Rahmen der Veranstaltung so zu verkleinern, dass ein alternativer Ort möglich werde. Deutlicher wurde seine Fraktionskollegin Christa Martin, die von einem Skandal und skrupellosem Handeln sprach. Es sei nicht zu verstehen, warum dieses Stück geschützter Natur sehenden Auges niedergetrampelt werden dürfe. Mitten in der sommerlichen Blütezeit sollte eine Wiese, erst recht wenn sie unter Schutz gestellt sei, geschont statt der Vernichtung preisgegeben werden. Martin erwartet, dass das Regierungspräsidium angesichts des negativen Gutachtens den Antrag ablehnen werde. Kamil Kasalak, Vorsitzender der grünen Fraktion, brachte den Zwiespalt seiner Partei zum Ausdruck. Die Grünen seien nicht gegen die Veranstaltung und hätten auch schon oft bewiesen, dass sie in der Koalition wirtschaftsfreundlich handelten.

          Doch in diesem Fall gehe es um ureigene Interessen der Grünen, denn beim Landschaftsschutz handele es sich um eine elementare Grundlage. Keiner könne daher von ihnen verlangen, den Antrag mitzutragen. „Das ist für uns die rote Linie, und wir wollen keinen Meter weiter gehen“, äußerte Kasalak. Die Enthaltung der Grünen-Fraktion kam daher ebenso wenig überraschend wie die Zustimmung der CDU. Mit Bastian Zander befindet sich in ihren Reihen der Mitbegründer der Initiative „Save the park“. Er erinnerte an die Versuche von Gegnern, das Festival zu verhindern. Die Streichung eines Areals aus dem Landschaftsschutz sei im Übrigen kein ungewöhnliches Vorgehen, es sei auch in Hanau schon öfter praktiziert worden.

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