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Für junges Publikum : Kindertheater schon 2020

Verschieben? Das Zoogesellschaftshaus soll zu einem Kindertheater umgebaut werden. Bild: Francois Klein

Ein „Dreiklang“ im Frankfurter Zoogesellschaftshaus soll Perspektiven für den künftigen Betrieb aufzeigen. Entwickelt werden soll das Angebot gemeinsam mit der freien Szene.

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          „Das Theater kommt“ lautet der Slogan, mit dem von jetzt an ein tanzender Löwe in einer Schubkarre für das geplante städtische Kinder- und Jugendtheater wirbt. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) nannte den Slogan am Freitag, 22. November, „Werbung und Schlachtruf“ zugleich. Das neue Logo, das von der städtischen Projektgruppe für das Theater im Zoogesellschaftshaus vorgestellt worden ist, wirbt nicht nur für das Vorhaben selbst, das vorsichtigen Schätzungen zufolge in sechs bis sieben Jahren fertiggestellt sein könnte. Ein Architektenwettbewerb wird nun der nächste Schritt sein, dann eine konkrete Bau- und Finanzierungsvorlage. Unterdessen aber solle das Haus schon als neuer Theaterort bekannt werden, so Hartwig. Die Debatte über Form, Inhalt, Konzept des neuen Kindertheaters solle mit allen Akteuren der freien Theaterszene und der ganzen Stadtgesellschaft geführt werden.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Theatergastspiele und Debatten sollen von Frühjahr nächsten Jahres an im Zoogesellschaftshaus stattfinden. Ein „Dreiklang“ aus einer großen Mehrgenerationen-Performance beim nächsten Festival „Starke Stücke“ im März, einem Festival der freien Szene im Juni und einem Tanzgastspiel anlässlich des nächsten Tanzfestivals Rhein-Main im Herbst 2020 soll Kinder und Jugendliche sowie Interessierte aus Frankfurt und der Region an den neuen Standort gewöhnen. Finanziell getragen werden soll der „Dreiklang“, der fortgeführt werden soll, auf „mehreren Schultern“, hieß es am Freitag.

          Schwache finanzielle Ausstattung

          Eine solche Interimsbespielung war im Magistratsbeschluss für das Theater enthalten. Die geforderten „beispielgebenden künstlerischen Bespielungen“ kommen unter anderem von der renommierten belgischen Tanzcompagnie Ultima Vez, die meisten aber von der hiesigen freien Szene für junges Publikum. Diese hat sich kürzlich unter dem Namen „Paradiesvogel – Frankfurter Modell der eigenständigen Theater für junges Publikum“ zu einem Verein zusammengeschlossen. „Paradiesvogel“ wird Ende Juni 2020 an vier Tagen das gesamte Haus sowie das Stadtviertel mit Arbeiten der Mitglieder bespielen, um darzustellen, welche zeitgenössischen Theater es in Frankfurt schon gibt und welche Ansätze in das neue Angebot fließen könnten. Wiederholt wurde darauf aufmerksam gemacht, dass nicht nur ein Raummangel, sondern auch die schwache finanzielle Ausstattung der bestehenden Kindertheater eine Unterversorgung entstehen ließen.

          Hartwig versicherte, weder an bestehenden Orten noch der Theaterförderung für junges Publikum solle gespart werden, das neue Haus werde eine Ergänzung. Ziel der als „Paradiesvogel“ organisierten freien Szene ist es, ihre Arbeit in die Planung des neuen Theaters einzubringen. Außerdem erhoffen sich die Beteiligten, das Haus später auch nutzen zu können. Es soll laut Hartwig ein eigenes Ensemble mit Neuproduktionen, Repertoire und ganzjährigem Betrieb haben, aber zugleich internationalen Gastspielen und der hiesigen freien Szene Raum bieten. Mit einer Diskussion darüber, wie Leitungsstrukturen an Kinder- und Jugendtheatern generell und künftig in Frankfurt aussehen können, werden sich der Jugendtheaterverband Assitej und das Kinder- und Jugendtheaterzentrum, beide in Frankfurt ansässig, an dem „Dreiklang“ beteiligen. Hartwig und ihr Planungsteam beteuerten gestern mehrfach, dass ihnen die Einbeziehung aller Beteiligten, deren Expertise und auch Beiträge der Region ein Anliegen seien.

          Der Leiter des Kinder- und Jugendtheaterzentrums, Gerd Taube, kritisierte Kämmerer Uwe Becker (CDU), der in einem Interview gesagt hatte, die Städtischen Bühnen seien wichtiger als ein Kindertheater. Gleichzeitig äußerte er den Wunsch, das Zentrum, das Förderinstrumente, Archiv, Evaluierung und Diskurs bündele, solle ebenfalls in das Theatergebäude ziehen. So könne die erste Verbindung von Praxis und fachlicher Expertise entstehen.

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