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Flüchtlinge in Frankfurt : Flüchtlinge auf den Cricket-Platz

Haus im Grünen: Die Arbeiten an den Modulbauten am Alten Flugplatz Bonames laufen auf vollen Touren. An dem beliebten Frankfurter Auflugsziel sollen 350 Flüchtlinge eine Bleibe finden. Bild: Helmut Fricke

Die Stadt Frankfurt sucht weiterhin fieberhaft nach Grundstücken für die Flüchtlingsunterbringung, auch auf Grünflächen entstehen Häuser. Sie sollen aber die „absolute Ausnahme“ sein.

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          Der Alte Flugplatz in Bonames soll nicht der einzige Standort im Frankfurter Grüngürtel sein, der als Flüchtlingsunterkunft genutzt wird. Die Stadt hofft, auch eine Wiese in Bockenheim, die Teil des Universitätssportgeländes ist und in der Nähe des Niddaparks und der Autobahn 66 liegt, für die Unterbringung von Flüchtlingen zu nutzen. Einen Teil des Areals nutzt derzeit der Frankfurter Cricket Club, nach Angaben des Vereins der einzige seiner Art im Rhein-Main-Gebiet. Dem Vernehmen nach sucht die Stadt derzeit nach einer Ersatzfläche für die Sportler.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ginge es nach den Wünschen der Stadt, würden auf der Bockenheimer Wiese Wohneinheiten in vergleichbarer Größe wie in Bonames errichtet, und zwar ebenfalls in modularer Holzbauweise. Ein Teil der Flüchtlinge könnte aus

          der Turnhalle der Sportuniversität in die Container umziehen. Dort sind noch 230 Flüchtlinge untergebracht, die nach dem Willen der Stadt so schnell wie möglich aus der Sammelunterkunft in eigene vier Wände umziehen sollen.

          Sorge um Naturschutzgebiet

          Der Naturschutzbeirat der Stadt Frankfurt ist vor Wochen über diese mögliche Unterkunft informiert worden und hat gegen die Nutzung der Wiese, anders als am Alten Flugplatz in Bonames, keine Einwände. Zwar liege das Gelände im Landschaftsschutzgebiet, allerdings in der Zone1, in der etwa auch Kleingärten und Sportanlagen erlaubt sind.

          „Wir sind nicht grundsätzlich gegen Flüchtlingsunterkünfte im Landschaftsschutzgebiet“, sagt Fritz Küsters für den Beirat. Der Eingriff in Natur und Landschaft müsse aber zeitlich begrenzt sein und dürfe keine gravierenden Folgen haben. Im Fall der Unterkunft am Alten Flugplatz fürchten Beirat und Naturschützer jedoch Konsequenzen für die Natur und lehnen deshalb die Container auf dem Hangar-Vorplatz grundsätzlich ab. Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) hatte die temporäre Nutzung dagegen als vertretbar bezeichnet, es handele sich um humanitäre Hilfe.

          Große Unterkunft im Gutleutviertel

          Am Alten Flugplatz sollen rund 350 Flüchtlinge wohnen. Gut 200 von ihnen, darunter mehr als 100 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, sind derzeit in Wohnungen der ABG an der Cordierstraße im Gallus untergebracht. Die Wohnungen sollten schon im September abgerissen werden.

          Gleichzeitig entsteht im Gutleutviertel eine vergleichsweise große Flüchtlingsunterkunft. Noch im April sollen die ersten Asylbewerber in das umgebaute Haus einziehen. Insgesamt soll dort Platz für mehrere hundert Menschen sein. Die Stadt und der Träger des Heims, die Arbeiterwohlfahrt, wollen die Bürger heute in einer Versammlung über das Projekt informieren. Auch weitere Unterkünfte stehen schon fest, zum Beispiel eine in Fechenheim mit 160 Plätzen, die im Juni bezogen werden soll.

          Insgesamt sind die Frankfurt zugewiesenen Flüchtlinge – derzeit sind es rund 4400 – an 140 Standorten im ganzen Stadtgebiet untergebracht. Dabei handelt es sich etwa um Wohnungen, Pensionen und Notunterkünfte. Derzeit prüft das Sozialdezernat für 50 Standorte, ob sie zur Unterbringung geeignet sind. Zu den 4400 Zuwanderern kommen rund 500 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, von denen 380 dauerhaft in Frankfurt bleiben werden. Hinzu kommen 890 Flüchtlinge in der Erstaufnahme-Einrichtung des Landes auf dem Neckermann-Areal.

          Frankfurt sucht Immobilienbesitzer

          Auch wenn derzeit weniger Flüchtlinge in Hessen ankommen, muss die Stadt die Suche nach Unterkünften fortsetzen, weil Notunterkünfte wie Turnhallen und Schulcontainer nur vorübergehend belegt werden sollen. Dasselbe gilt für Hotels und Pensionen.

          So hatte das Sozialdezernat den Bürgern bei der Informationsveranstaltung in Bonames deutlich gemacht, dass in Frankfurt derzeit 1600 Flüchtlinge in Sammelunterkünften untergebracht sind. Darunter sind vier Schulturnhallen und der Labsaal auf dem früheren Universitätsgelände in Bockenheim, in dem aus Brandschutz- und logistischen Gründen nur eine Gemeinschaftsversorgung möglich sei. „Wir brauchen insbesondere für Familien so schnell wie möglich Unterkünfte, in denen sie sich selbst versorgen können, so wie es in Bonames vorgesehen ist“, teilte Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) mit.

          Der Sprecher der Stabsstelle Flüchtlingsmanagement sagte, der Bau temporärer Unterkünfte auf Grünflächen solle die „absolute Ausnahme“ bleiben. Die Stadt suche weiterhin nach Büro-, Industrie- und Brachflächen, die umgewidmet oder bebaut werden können. Oft hätten deren Eigentümer aber falsche Vorstellungen hinsichtlich der Eignung ihrer Gebäude. „Leider kommen die Angebote oft nicht in Frage“, sagte der Sprecher. Viele leerstehende Bürohäuser eigneten sich nicht, weil Duschen, Toiletten und Küchen eingebaut werden müssten, oder sie seien zu klein.

          Die Stadt rechnet mit zirka neun Quadratmetern je Person, zuzüglich Bewegungsfläche. Beim Mietpreis orientiert sich die Stadt an der üblichen Marktmiete für Gewerbeflächen. Wer eine Immobilie als Unterkunft anbieten möchte, kann ein Formular auf der Internetseite www.fluechtlinge-frankfurt.de ausfüllen.

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