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Gärten in Rhein-Main : Für Augen und Magen

Pausen-Ort: der Palmengarten in Frankfurt Bild: Wonge Bergmann

Pflanzen und Beete sind schön, aber ihre Erträge können auch sehr schmackhaft sein. Einige dieser neuen Grün-Projekt stehen im Mittelpunkt von Garten Rhein-Main 2017.

          Nicht jedes der zwei Dutzend von Mietern, Interessierten, Initiativen und Institutionen betreuten Beete in der „essbaren Siedlung“ in Hattersheim löst bei Passanten Begeisterungsrufe aus. Nicht einmal die Hobbygärtner untereinander sind sich immer grün. „Geben Sie mir doch die Fläche, ich würde sie wirklich pflegen“, sind Bemerkungen, die Heike Bülter vom Stadtteilbüro Hattersheim immer mal wieder zu hören bekommt. Doch Bülter hat in den fünf Jahren, in denen sie gemeinsam mit anderen die „essbare Siedlung“ betreut, längst gelernt, dass jeder andere Vorstellung davon hat, was ein schöner Garten ist.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ihr ist wichtig, dass durch das Gärtnern, Pflanzen, Jäten und Ernten auf einer früher kaum genutzten Rasenfläche der aus den fünfziger Jahren stammenden Mehrfamilienhaus-Siedlung etwas ganz Neues entstanden ist – so etwas wie eine Gemeinschaft. „Die Menschen kommen ins Gespräch“, sagt sie. Dass die Hobbygärtner auch noch selbstgezogene Tomaten, Kartoffeln und Salate nach Hause tragen, sich schöne Blumensträuße binden können, ist für Bülter und die Stadt Hattersheim, die das Projekt gemeinsam mit der Hattersheimer Wohnungsbaugesellschaft unterstützt, ein schöner Nebeneffekt. Das eigentlich Ziel, die Stadt auch in diesem Teil schöner und lebenswerter zu gestalten, ist nach Ansicht der Initiatoren in jedem Fall erreicht worden.

          Hochbeete in Patenschaft

          Das Projekt in Hattersheim ist nicht das einzige dieser Art im Rhein-Main-Gebiet. Im Burggarten in Friedberg werden seit drei Jahren ein Dutzend Hochbeete in Patenschaft an Hobbygärtner, Schulen und Gruppen vergeben. Anfang Mai beginnt man gemeinsam das Gärtnern. Im September, in diesem Jahr am 10. von 12 bis 16 Uhr, wird unter dem Motto „Friedberg zum Anbeißen“ ein Erntefest mit den Gärtnern und allen, die daran teilnehmen wollen, gefeiert und Angebautes verzehrt. In Hattersheim wird der Gartenauftakt am 21. April begangen, ein Frühlingsfest findet am 6. Mai statt.

          Vor fünf Jahren ist auch in Frankfurt das bis heute größte Urban-Gardening Projekt am Danziger Platz vor dem Ostbahnhof gestartet worden: Der „Frankfurter Garten“. Dort wird gemeinsam in Hochbeeten, Kübeln, Kisten und Säcken Gemüse angebaut. Ein Verein betreut das Vorhaben und organisiert einen Mittagstisch sowie Musikveranstaltungen am Abend.

          In Südhessen ist vor einem Jahr die Initiative „Essbares Darmstadt“ ausgerufen worden. Zum 1. Mai soll als Auftakt das „ökologische, kulinarische und künstlerische Zentrum“ in einem denkmalgeschützten Rundbau am Hauptbahnhof eröffnet werden. Die Initiatoren hoffen, bis zum Jahr 2022, wenn die Universitätsstadt die Landesgartenschau ausrichtet, möglichst viele ansonsten unattraktive Grünflächen in der Stadt in Kartoffelfelder und Kräuterbeete verwandelt zu haben.

          „Grüne Kunst für Alle“

          Die regionale Veranstaltungsreihe Garten Rhein-Main, ein Projekt der Kulturregion, hat die Entwicklung in den vergangenen Jahren beobachtet und deshalb in diesem Jahr das Veranstaltungsprogramm unter das Motto „Grüne Kunst für Alle“ gestellt. Insgesamt 600 Veranstaltungen wie Garten- und Parkspaziergänge, Vorträge, Workshops, Gartenfeste, Wanderungen und Fahrradtouren werden in diesem Jahr angeboten. Nur einige befassen sich mit den in den vergangenen Jahren entstandenen neuen, urbanen Formen des Grüns, die allesamt den Aspekt des „essbaren Grüns“ hervorheben.

          Für Garten Rhein-Main Projektleiterin Barbara Vogt, eine studierte Gartendenkmalpflegerin, hat der Trend zu den Gärten für alle spätestens zu Beginn des 20. Jahrhunderts eingesetzt. Damals, als die Städte schneller denn je wuchsen und der dicht an dicht wohnenden Bevölkerung mehr Bewegung an der frischen Luft ermöglicht werden sollte, entstanden schon die Volksparks, in denen man toben durfte, und gleichzeitig die Klein- und Schrebergärten, in denen vor allem Obst und Gemüse angebaut wurde.

          Längst sind natürlich alle Grünanlagen, auch solche, die seinerzeit nur für und von einer wohlhabende Schicht angelegt wurden, zur „grünen Kunst für Alle“ geworden. Jede Umfrage zeigt, dass sich Bürger insbesondere in den Städten nichts sehnlicher wünschen als Gärten und Parks. Die einen wollen zusammen mit anderen ihre freie Zeit unter Bäumen, auf Wiesen, lesend, spielend oder picknickend verbringen. Andere suchen Grünanlagen auf, um den Wandel der Vegetation im Laufe der Jahreszeiten zu beobachten oder ein wenig Ruhe zu finden.

          In Frankfurt waren in den vergangenen zwei Jahren die Bürger aufgerufen, sich an der Planung eines neuen Bürgerparks auf dem Areal der Galopp-Rennbahn zu beteiligen. Das Votum der Frankfurter war eindeutig: Sie wünschten sich alles, nur keine Zustände wie am Mainufer oder an warmen Sommertagen im Lohrpark, wo dichte Grillschwaden den Blick auf die Skyline unmöglich machen. „Keine „Party Area“ und, wenn möglich, ein absolutes Grillverbot stand an erster Stelle der Wunschliste. Stattdessen wünschte sich die Bürger einen „ruhigen Park“ mit Wildblumenwiesen, einigen Sportangeboten und einer kleinen Farm, in der Stadtkinder Tiere und Pflanzen kennenlernen sollen. Damit die „Grüne Kunst“ nicht zur kurz kommt, soll es auch bei diesem modernen Bürgerpark Aussichtspunkte und kleine Refugien geben, nur eben keine Blumenrabatten oder pflegeintensive Buchshecken wie einst. Wann es diesen Park geben wird, das ist noch offen, um die Zukunft wird derzeit noch heftig vor Gericht gestritten.

          Davon unabhängig ist die Zahl der Gärten, Parks und grünen Initiativen in der Rhein-Main-Region groß genug, wie das jetzt überall erhältliche 200 Seitenstarke Programm von Garten Rhein-Main zeigt. Das Programm liegt in Rathäusern, Bürgerbüros und Tourist-Informationen aus. Es ist auch in der Geschäftsstelle der Kulturregion, Poststraße 16, am Frankfurter Hauptbahnhof erhältlich oder kann auch im Internet heruntergeladen werden: www.krfrm.de

          F.A.Z.-Leser-Führungen

          Samstag, 22. April 2017, Tulpenpracht im Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof in Weinheim, Babostraße 5

          Der Park, hervorgegangen aus dem Garten der Industriellenfamilie Freudenberg, wurde 1983 zum Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof. Die Einrichtung ist bekannt für ihre botanische Expertise zu Stauden.

          Treffpunkt: am Gärtnerhaus bei der Myrte Führungen: 11 und 15 Uhr

          Sonntag, 7. Mai, Radtour zur KZ-Gedenkstätte Walldorf in Mörfelden-Walldorf

          Die mittelschwere 25 Kilometer lange Radtour beginnt und endet am Bahnhof Walldorf. Stationen sind die KZ-Gedenkstätte, der Langener Waldsee und Zeppelinheim. Einkehr ist im Gundhof. Es führt Landschaftsarchitekt Albrecht Schaal.

          Treffpunkt: 11 Uhr am Bahnhof Walldorf

          Sonntag, 21. Mai, Der Palmengarten: Spaziergang mit Direktor Matthias Jenny

          Im Palmengarten wird derzeit viel gebaut. Sanierungen sind notwendig, aber auch Neues wie das Maria-Sybilla-Merian-Schmetterlingshaus entsteht.

          Treffpunkt: Eingang Siesmayerstraße Der Eintritt kostet pro Person sechs Euro. Führungen: 11 und 14 Uhr

          Sonntag, 11. Juni, Radtour westliche Regionalpark-Rundroute

          Die 50 Kilometer lange Radtour, die aufgrund des geplanten Tempos als schwer eingestuft wird, führt von Hattersheim über die Mainspitze und Mönchbruch zurück nach Hattersheim. Geplant sind nur drei Stopps: Am Eisenbaum, an der Mainspitze und im Mönchbruch.

          Treffpunkt: 11 Uhr am Bahnhof Hattersheim

          Sonntag, 25. Juni, Spaziergang Rosenhöhe Darmstadt, Gartenschaugelände 2022

          Die Stadt Darmstadt bereitet sich auf die Ausrichtung der Landesgartenschau 2022 vor und rückt dabei auch die Rosenhöhe mit dem Rosengarten in den Mittelpunkt.

          Treffpunkt: Am Löwentor, Seitersweg 13 Führungen: 11 und 14 Uhr

          Sonntag, 20. August, Spaziergang durch den Schlossgraben in Darmstadt

          Die Technische Universität Darmstadt richtet seit einigen Jahren den Schlossgraben, die alte Wehranlage, zu einem Park her. Der östliche Teil ist schon ebenso fertig wie die Bastion. Jetzt soll der westliche Teil folgen.

          Treffpunkt: Marktbrücke, Marktplatz 15 Führungen: 11 und 14 Uhr

          Sonntag, 27. August, Führung durch den Park der Villa Monrepos in Geisenheim

          Professor Alexander von Birgelen führt durch die beiden Parks der Hochschule Geisenheim: der Park der Villa Monrepos und der Park an der Verwaltung.

          Treffpunkt: Verwaltung, Von-Lade-Straße 1 Führungen: 11 und 14 Uhr

          Sonntag, 3. September, Führung über das Gelände vom Kloster Lorsch

          Karl Weber, Direktor der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, lädt zu einem Spaziergang über das Gelände und berichtet über die nun abgeschlossene Sanierung von Kirchenfragment, Klostermauer, Karolingerplatz und Gesamtanlage.

          Treffpunkt: Vor der Tor- oder Königshalle Führungen: 11 und 14 Uhr

          Sonntag, 24. September, Streuobstwiesenwanderung, Frankfurt-Sossenheim

          Landschaftsarchitekt Albrecht Schaal führt von Frankfurt-Höchst zu Streuobstwiesen in Sossenheim und lädt zur Bestimmung von Apfelsorten ein. Die Wanderung endet nach rund sechs Kilometern am Bahnhof Höchst.

          Treffpunkt: 11 Uhr am Bahnhof Höchst

          Sonntag, 8. Oktober, Wanderung in einem großen Bogen rund um Bad Vilbel

          Die 15 Kilometer lange, anspruchsvolle Wanderung führt von Bad Vilbel entlang der Nidda nach Berkersheim, zu Lohrpark und Berger Warte zurück nach Bad Vilbel.

          Treffpunkt: 11 Uhr Bahnhof Bad Vilbel-Süd

          Sonntag, 12. November, und Sonntag, 19. November, Spaziergang Frankfurter Wallanlagen – der Osten

          Stadtführer Christian Setzepfandt schließt seinen Führungszyklus durch die Wallanlagen ab. Dieses Mal geht es vom Weiher an der Friedberger Anlage bis zum neuen Literaturhaus, Schöne Aussicht 2.

          Treffpunkt: Am Odeon, Seilerstraße 34 Führungen: jeweils 11 Uhr

          Die Führungen werden jeweils eine Woche vorher in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung angekündigt. Eine Anmeldung ist anschließend unter der Rufnummer 069/75 91 20 50 möglich.

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