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FSV Mainz : Wo ist hier die Zukunft? Kirchhoff ist zurück im Spiel

  • Aktualisiert am

Besitzt Teamgeist: Jan Kirchhoff. Bild: dapd

Der Musterschüler bei Mainz 05 sucht seinen Weg.

          2 Min.

          In jüngster Zeit musste Jan Kirchhoff recht oft zuschauen, wenn andere Fußballspieler ihrem Sport nachgingen. Zuletzt war am Dienstag eine Gelb-Sperre schuld, dass der Innenverteidiger von Mainz 05 nur in Zivil mitjubeln konnte, als seine Kameraden aus der U-21-Nationalmannschaft mit einem 3:1-Sieg in der Schweiz die Qualifikation für die Europameisterschaft im kommenden Jahr sicherten. Zuvor aber saß der 22 Jahre alte gebürtige Frankfurter bei seinem Bundesligaverein gleich viermal in Serie beim Anpfiff auf der Bank, ohne dass Kirchhoff eine Sperre oder eine Verletzung am Einsatz gehindert hätte. Das ist dem in der vergangenen Spielzeit so starken Defensivspieler seit fast zwei Jahren nicht mehr widerfahren. Stattdessen hatte sein Trainer Thomas Tuchel immer wieder betont, „dass wir Jan immer auf dem Feld haben wollen“.

          Gelegentlich richtete Tuchel, mit dem Kirchhoff schon 2009 als A-Jugendlicher die deutsche Meisterschaft gewonnen hat, für diesen Personalwunsch sogar sein Spielsystem nach den Fähigkeiten seines Musterschülers aus, der sowohl als Innenverteidiger wie auch als zentraler defensiver Mittelfeldspieler einsetzbar ist. In der neuen Spielzeit sollte Kirchhoff mit seiner Souveränität am Ball und seiner dominanten Zweikampfführung nun der zentrale Mann im Team werden. Deshalb lehnte Mainz 05 im Sommer auch-trotz des im kommenden Jahr auslaufenden Vertrags-kategorisch Angebote für den begehrten Akteur ab.

          „Im Training ist er immer voll da“

          Zuletzt hatte Kirchhoff hingegen im internen Wettstreit um die Stammplätze das Nachsehen gegenüber Konkurrenten wie Niko Bungert, Julian Baumgartlinger oder Eugen Polanski. „Im Training ist er immer voll da. Da gibt es nichts zu kritisieren“, sagt Tuchel. „Jan hat aber in den Spielen zuletzt einfach nicht das gebracht, was er zu leisten vermag.“ Tuchel vermutet, dass sich Kirchhoff selbst zu sehr unter Druck setzt. Der 1,95 Meter große Spieler sieht die aktuelle Spielzeit als ein ganz entscheidendes Jahr für den weiteren Verlauf seiner Karriere an. Entsprechend akribisch arbeitete er in der Vorbereitung, in der er auf dem Weg zum wichtigsten Spieler im Mainzer Team zu sein schien. Vor Saisonbeginn hat er dann auch offiziell den Anspruch an sich selbst formuliert, zum Führungsspieler zu reifen. Dann stünden ihm vermutlich die Türen zu einigen der besten Klubs in Deutschland oder gar Europa offen, zumal sein Vertrag in Mainz mit Saisonende ausläuft.

          Angeblich soll sich neben Dortmund oder Schalke auch Juventus Turin bei seinem Berater gemeldet haben. In Mainz vermuten deshalb einige, dass Kirchhoff derzeit mit der Situation zwischen den Verlockungen der Zukunft und dem Ehrgeiz im Mainzer Alltag mental nicht ganz zurechtkomme und sich womöglich zu sehr unter Druck setze. „Ich will gar nicht viel über meine Befindlichkeit sprechen. Ich werde mich beizeiten entscheiden und bis dahin überlegen, ob es für meine Karriereplanung am besten ist, noch ein oder zwei Jahre in Mainz zu bleiben oder woanders ein neues Niveau zu erreichen“, sagt Kirchhoff. „Wichtig ist derzeit, dass wir als Team wieder die Kurve bekommen haben.“ In den vier Spielen, in denen Kirchhoff nur als Ersatzmann zum Einsatz kam, holte sein Team neun Punkte. Die schlechten drei Auftaktspiele, in denen er noch zum Stammpersonal zählte, sind rund ums Trainingsgelände am Bruchweg vergessen. Am Samstag kehrt Kirchhoff im Spiel bei Bayer Leverkusen, um 15.30 Uhr, nun wahrscheinlich ins Team zurück. Weil Niko Bungert beim 1:0-Heimsieg gegen Düsseldorf ein Kreuzband im Knie gerissen ist und er jetzt ein halbes Jahr ausfällt, dürfte Kirchhoff an der Seite von Nikolce Noveski in der Innenverteidigung spielen.

          Sein Berater Roger Wittmann ist derweil überzeugt, dass die Negativerfahrungen in der jüngsten Vergangenheit seinen Spieler voranbringen. „Ich sage meinen Spielern immer, dass sie weder den Hype nach Erfolgen noch die Kritik nach Fehlern zu sehr an sich ranlassen sollen“, sagt Wittmann. „Jan soll es einfach in jedem Training rauchen lassen, dann wird er von den Negativerfahrungen der vergangenen Wochen langfristig profitieren.“ Was das für die Zeit nach dem Saisonende und einem möglichen Abschied vom Bruchweg bedeuten würde, sagt freilich auch Wittmann nicht.

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