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FSV Mainz 05 : Kanone auf der Außenbahn

  • -Aktualisiert am

Sturm und Drang: Levin Öztunali (rechts) ist von Augsburger Dong-Won Ji nur schwer zu halten. Bild: Imago

Levin Öztunali erlebt in den kommenden Tagen Wiedersehen mit gleich zwei ehemaligen Klubs. In Bremen hofft der Mainzer Stürmer auf eine Offensivtaktik von Trainer Schmidt.

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          Auf sonderliches Unverständnis wären die Verantwortlichen des SV Werder Bremen wohl nicht gestoßen, hätten sie sich am Ende der vorigen Bundesligasaison von Viktor Skripnik getrennt. Die Bilanz des Cheftrainers, der den Verein in der vorangegangenen Spielzeit noch vor dem Abstieg gerettet hatte, war trübe, und woher die Werder-Führung die Überzeugung nahm, dies werde sich nach der Sommerpause grundlegend ändern, erschloss sich zumindest Außenstehenden nicht. Insofern kam es nicht überraschend, dass Skripnik am Samstagabend nach dem 1:4 in Mönchengladbach noch auf der Rückfahrt von seiner Entlassung erfuhr.

          Vielleicht aber hätten sie den Mann noch ein Spiel länger im Amt lassen sollen. Denn an diesem Mittwochabend (20 Uhr/ live in Sky und F.A.Z.-Liveticker) kommt der FSV Mainz 05 ins Weserstadion, und gegen die Rheinhessen hat Skripnik in seiner Zeit überzeugende Resultate erzielt. Sein erstes Bundesligaspiel an der Seitenlinie gewann er im November 2014 in Mainz mit 2:1, knapp ein Jahr später folgte an gleicher Stelle ein 3:1, im Frühjahr zu Hause immerhin ein 1:1. Einen Versuch wäre es sicher wert gewesen.

          Die Bremer Zeit als Lehrstunde

          Für Levin Öztunali bedeutet dies, dass er bei der Rückkehr an die alte Wirkungsstätte zumindest nicht gegen seinen ehemaligen Trainer, sondern nur gegen sein ehemaliges, nun aber von Alexander Nouri betreutes Team, spielen muss. Der Mainzer Neuzugang erlebt in dieser Woche die kuriose Situation, gleich auf seine beiden vorherigen Klubs zu treffen.

          Bei Bayer Leverkusen unter Vertrag, war er in den vergangenen anderthalb Jahren nach Bremen ausgeliehen und kehrte im Sommer (vorübergehend) zu den Leverkusenern zurück - die am Samstag bei den 05ern spielen werden. Zusätzliche Motivation verspüre er vor diesen Duellen nicht, sagt der Außenstürmer, schließlich hat er weder mit Werder noch mit Bayer offene Rechnungen zu begleichen.

          Hier wie dort habe er eine „erlebnisreiche Zeit verbracht, aus der ich als junger Spieler viel mitnehmen konnte“. Gerade in der Bremer Zeit mit dem erfolgreichen Endspurt hin zum Klassenverbleib habe er eine Menge gelernt, sagt der 20-Jährige, der als Jugendlicher schon deshalb bundesweites Medieninteresse auf sich gezogen hatte, weil er der Enkel von HSV-Legende Uwe Seeler ist. Offenbar keine Belastung für den jungen Mann, der in seiner Karriere einen Schritt nach dem anderen gehen will - die nächste Stufe der Weiterentwicklung soll nun eben in Mainz folgen.

          „Uwe Seeler seiner Tochter ihr’n Sohn“

          Die Saisonvorbereitung hatte der Angreifer in Leverkusen absolviert, dem gesteigerten Interesse der 05-Verantwortlichen mochte er sich allerdings nicht verschließen. „In unseren Gesprächen waren wir sofort auf einer Wellenlänge“, erzählt er, Trainer Martin Schmidt und Sportdirektor Rouven Schröder hätten ihn „direkt gepackt“. Und die Mainzer Spielweise, „vorne draufzugehen, passt sehr gut zu meiner Spielanlage. Deshalb habe ich gleich gemerkt, dass ich in die Mannschaft passe.“

          In der Tat: Als Öztunali seinen bis zum 30. Juni 2021 laufenden Vertrag am Bruchweg unterschrieb, blickte er auf 56 Bundesligaeinsätze zurück. Eigentlich als „perspektivische Verstärkung“ gedacht, wie Sportdirektor Rouven Schröder damals sagte, sind es inzwischen 59 Spiele. Sprich: „Uwe Seeler seiner Tochter ihr’n Sohn“ war in allen Meisterschaftsspielen dieser Saison dabei, erzielte bei seinem Heimdebüt, dem 4:4 gegen die TSG Hoffenheim ein Tor, bereitete einen Treffer für Pablo De Blasis vor und war am Sonntag beim 3:1 in Augsburg maßgeblich an der Entstehung des dritten Treffers durch Yoshinori Muto beteiligt. Damit lieferte Öztunali quasi die Bestätigung für Martin Schmidts Begründung, warum die Mainzer den Spieler unbedingt wollten: „Levin ist eine Kanone auf der Außenbahn.“

          Auflaufen Öztunalis ist eine Frage der Taktik

          Für das schnelle Umschaltspiel des Vorjahressechsten sind solche Stürmer unabdingbar. Pablo De Blasis, Christian Clemens, Jairo, Yoshinori Muto, Karim Onisiwo und Gerrit Holtmann, die für diese Positionen ebenfalls in Frage kommen, standen bereits im Mainzer Kader, als Öztunali kam, doch diese Konkurrenzsituation habe ihn nicht geschreckt, sagt er. „In Bundesliga und Europa League haben wir viele Spiele vor uns, keiner kann alle Partien bestreiten, und der Trainer muss einen guten Mix finden, um immer wieder frische Leute zu bringen.“ Abgesehen davon, dass der Spanier Jairo verletzungsbedingt noch eine Weile ausfällt, ergäben sich schon durch das stramme Programm in den kommenden Monaten genügend Einsatzmöglichkeiten für alle. „Und ich will versuchen, es dem Trainer so schwer wie möglich zu machen, mich nicht aufzustellen.“

          Ob Öztunali gegen seine beiden ehemaligen Klubs auf dem Platz stehen wird, hängt von der Taktik ab, die Schmidt wählt. Setzt der Trainer mehr auf Absicherung, hat Christian Clemens bessere Karten, „weil der defensiver denkt“. Bläst Schmidt jedoch zur Attacke, dürfte der Mann aus Norderstedt in der Anfangsformation stehen. Von Sentimentalität wird Levin Öztunali in diesen Fällen ebenso wenig übermannt werden, wie er irgendwelche Revanchegelüste hegen könnte. „Ich freue mich auf das Wiedersehen mit den alten Kollegen“, sagt er, „aber im Vordergrund steht, dass wir gewinnen wollen.“

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