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FSV Frankfurt : Stürmer zwischen zwei Stühlen

  • -Aktualisiert am

Wohin des Weges? Leihspieler Verhoek steht noch bei Stade Rennes unter Vertrag. Bild: Heiko Rhode

John Verhoek tritt mit dem FSV auf der Stelle und gibt nach dem 1:1 gegen Duisburg seine Verunsicherung zu - weil er nicht weiß, ob er überhaupt in Frankfurt bleiben darf.

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          John Verhoek war durch nichts und niemanden aufzumuntern. Auch nicht durch den Zuspruch einiger FSV-Anhänger, den der Frankfurter Fußballstürmer nach dem 1:1 zu Hause gegen Duisburg im Treppenhaus der neuen Haupttribüne bekam. Für den 24 Jahre alten Holländer schienen die Stufen nach oben eine große Last zu sein, so zögerlich waren seine Schritte. Ihm machte nicht nur das unnötige Unentschieden am Samstag in der zweiten Bundesliga zu schaffen, sondern auch seine persönliche Situation. Sie sei „Mist“, sagte er. „Und sie belastet mich.“ Bis zum 30. Juni ist Verhoek von Stade Rennes an den FSV ausgeliehen. Danach hat er beim französischen Pokalfinalteilnehmer einen Zweijahresvertrag. Aber plant dieser noch mit ihm? Der traurig dreinblickende Torjäger will so schnell wie möglich Klarheit haben.

          Sein Frust wäre womöglich nicht ganz so groß gewesen, wenn sein Kopfballtreffer in der 38. Minute zum möglichen 2:1 gezählt hätte. Mit seinem neunten Saisontreffer hätte Verhoek im vereinsinternen Duell zu Edmond Kapllani aufgeschlossen. Doch Schiedsrichter Marcel Unger erkannte den Treffer nicht an, weil Mathew Leckie den Duisburger Torhüter Felix Wiedwald nach dem Eckball behindert haben soll. Aus Sicht der Bornheimer war das eine von vielen umstrittenen Entscheidungen, zu denen sie besonders die Rote Karte (86. Minute) für Marcel Gaus aufgrund groben Foulspiels zählten. Der Flügelflitzer auf der linken Außenbahn, der das 1:1 (23.) erzielt hatte, war dem Torschützen zum 1:0 (13.), Daniel Brosinski, von der Seite ungestüm in die Parade gefahren. Für den Übeltäter war das dennoch nur eine „ganz klare Gelbe Karte“. Unterstützung erhielt Gaus von Finanzchef Clemens Krüger, der die Schiedsrichterleistung mit den Worten „indiskutabel hoch zehn“ bewertete. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) müsse sich mal hinterfragen, warum er die „ganzen Azubis“ zum FSV schicke - das war die erboste Reaktion von Organisationschef Jens-Uwe Münker auf Ungers Leistung, der dem FSV einen an Gaus begangenen Foulelfmeter verweigert hatte. Dem droht nun eine Sperre von mehreren Spielen, wurde er doch schon zum zweiten Mal in dieser Saison mit einer Roten Karte sanktioniert. Ob der Tabellenfünfte Einspruch einlegen wird, hängt vom Strafmaß für Gaus ab. Sportchef Uwe Stöver kündigte am Sonntag an, dass der FSV die Fernsehbilder „durchstudieren“ werde.

          FSV könnte keine Ablösesumme bezahlen

          „Bitter“ - so kommentierte Gaus den ausgebliebenen Elfmeterpfiff und die Rote Karte. Gelegentlich fehlt ihm einfach das Feingefühl in den Zweikämpfen. „Ein Gang weniger hätte auch gereicht“, sagte Stöver. Trotzdem: Dem Sportchef ist ein „williger und engagierter“ Spieler wie Gaus immer noch lieber. Der Dreiundzwanzigjährige lebt von seiner Unbekümmertheit, und mit starken Auftritten zeigte der flinke Profi zuletzt, wie wertvoll er ist - und das, obwohl ihn eine Schambeinentzündung in dieser Runde für mehrere Monate außer Gefecht gesetzt hatte. Auch Gaus, dessen Vertrag ausläuft, weiß noch nicht, wo er seine Karriere fortsetzt, nur lähmt ihn das nicht - ebenso wenig wie Yannick Stark, der mit Fortuna Düsseldorf und dem FC Augsburg, zwei Vereinen aus der ersten Liga also, in Verbindung gebracht wird.

          John Verhoek, so scheint es dagegen, ist nicht abgeneigt, in Frankfurt zu bleiben. Allerdings könnte der FSV keine Ablösesumme für ihn bezahlen. Der Angreifer, der „vielleicht neun Mal“ den Pfosten in diesem Spieljahr traf, müsste also den Vertrag mit Rennes auflösen. Wie groß diese Hürde ist, wird sich zeigen. Stöver sagte am Sonntag, dass die Frankfurter keinen Kontakt zu Rennes hätten. Verhoek hofft, schon in einigen Tagen schlauer zu sein. Der FSV weiß immerhin seit Samstag, dass seine Chancen im Kampf um den Relegationsplatz drei gesunken sind. „Die Wahrscheinlichkeit tendiert gegen Null“, meint Stöver. Und Trainer Benno Möhlmann flüchtete sich in Humor. „Wenn Kaiserslautern und Köln alle Spiele verlieren, dann reichen uns auch fünf Unentschieden.“

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