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FSV Frankfurt : Star in der Hölle von Phnom Penh

  • -Aktualisiert am

Ganz schön dynamisch: Beim FSV kann sich Pagenburg nur selten so in Szene setzen. Bild: picture alliance / dpa

Beim FSV Frankfurt ist Chhunly Pagenburg nur Ergänzungsspieler. Aber bei seinen ersten beiden Einsätzen für die kambodschanische Nationalmannschaft genießt er die große Aufmerksamkeit.

          Den Mann, der Chhunly Pagenburg den Weg in die kambodschanische Fußball-Nationalmannschaft ebnete, hat der Stürmer des FSV Frankfurt jetzt zum ersten Mal gesehen. Es ist ein Sportreporter der „Phnom Penh Post“, der größten Zeitung des Landes in Südostasien. „Es ist sein Verdienst. Er war total stolz“, sagt Pagenburg, der seit Mittwoch wieder in Deutschland ist und in den Tagen davor die ersten zwei Länderspiele für das Heimatland seiner Mutter bestritt. Vor bald drei Jahren hatte der Journalist Pagenburg, der damals noch in Erfurt in der dritten Liga spielte, angerufen, weil er eine Geschichte über den Angreifer schreiben wollte. Und der war damit einverstanden, dass der Reporter seine Telefonnummer an den kambodschanischen Fußball-Verband weitergab. Schon wenige Tage später kam es zum ersten Kontakt. Doch beide Seiten brauchten Geduld: Zum einen war Pagenburg lange verletzt. Und als er in den vergangenen beiden Jahren für Eintracht Trier stürmte, kam er nicht zum Zug, weil die Regionalliga an Länderspielterminen nicht pausiert.

          Beim FSV, bei dem die Klubführung in der kommenden Woche ein erstes Gespräch mit Trainer Benno Möhlmann über die Verlängerung seines Vertrags führen wird, ist der Sechsundzwanzigjährige seit dieser Saison nur Ergänzungsspieler. Viermal wurde er in der zweiten Liga eingewechselt, fünfmal saß er auf der Bank und einmal gehörte er gar nicht zum Kader - zu wenig für den gebürtigen Nürnberger, der 2007 mit dem „Club“ DFB-Pokalsieger geworden war und in der abgelaufenen Regionalliga-Runde immerhin 18 Tore in 24 Partien erzielt hatte. Trotzdem ist Pagenburg in Phnom Penh wie ein Star empfangen worden. Einen Nationalspieler aus Europa kennen sie dort nicht. Ein Kollege von ihm ist zwar in Paris geboren, aber er spielt schon seit einiger Zeit in der höchsten kambodschanischen Liga. So musste Pagenburg, dessen Vorname Chhunly übersetzt „Glück im Frühling“ heißt, einen Interviewmarathon bewältigen. Am zurückliegenden Sonntagabend war er sogar im Fernsehen in einer Livesendung zu sehen. Am Tag davor hatte er nach dem 1:2 vor knapp 10000 Zuschauern gegen „Phnom Penh Crown FC“, einen Klub mit guten finanziellen Möglichkeiten, fast drei Stunden lang Autogramme geschrieben. „Es war die Hölle los.“ Den Rummel genoss Pagenburg, er bewertete ihn jedoch nicht über. Eine schöne Abwechslung und Erfahrung war es allemal.

          Erst am Spieltag erfahren, gegen wen man spielt

          Über das Niveau der Nationalmannschaft hatte er einiges gehört, richtig einschätzen kann er es allerdings erst jetzt. „Zäh, klein und quirlig. Die Spieler können viel und schnell laufen.“ Das sind für Pagenburg die Stärken des Teams, das von einem ehemaligen südkoreanischen Nationalspieler betreut wird. Was hingegen die Taktik angeht, hat der Zweitligaprofi Defizite ausgemacht. Nur am Trainingspensum kann das nicht liegen; die Einheiten waren frühestens nach zweieinhalb Stunden beendet. 7 Uhr morgens - ungewöhnlich war für Pagenburg vor allem der frühe Arbeitsbeginn, der dem Klima geschuldet ist. Momentan liegen die Höchsttemperaturen bei 35 Grad. Training in aller Hergottsfrühe kennt der Offensivspieler sonst nur aus den Trainingslagern mit seinen Profiklubs. Die kambodschanische Nationalmannschaft, mit der er das erste Spiel gegen den Landesmeister Svay Rieng 4:1 gewonnen hatte, wäre in Deutschland von der Spielstärke her wohl am besten in der Regionalliga untergebracht, das ist seine Einschätzung. An Thaiboxen und Volleyball, den populärsten Sportarten in Kombodscha, führt noch kein Weg vorbei. „Aber der Fußball ist im Kommen. Es ist viel westlicher geworden.“

          Vor zehn Jahren hatte er mit seinen Eltern Urlaub in Kambodscha gemacht, wo noch entfernte Verwandte von ihm leben. Nun will Pagenburg, der die Landessprache nur leidlich beherrscht, aber alles versteht, öfters in das Land am Golf von Thailand zurückkehren. Vermutlich aber nur für die wichtigeren Spiele, wie zum Beispiel die Qualifikation für die Asienmeisterschaft. Am vergangenen Freitag erfuhren die Nationalspieler erst am Spieltag, auf wen sie treffen würden. Auch das erlebte Pagenburg zum ersten Mal.

          Beim FSV möchte er näher an die Stammformation rücken. In Nürnberg galt der ehemalige Juniorennationalspieler als ewiges Talent. Eines mit nur wenigen Höhepunkten wie die fünf Minuten Einsatzzeit im Uefa-Cup gegen Everton und dem Treffer zum 4:0 im Pokal-Halbfinale gegen Eintracht Frankfurt. Für Kambodscha bereichern vorerst zwei Torvorlagen die Bilanz.

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