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FSV Frankfurt : Reisigs Doppelrolle: Insider am Verhandlungstisch

Bernd Reisig hat noch viele Freude beim FSV Frankfurt - hier grüßt er während der jüngsten Jahreshauptversammlung des Vereins Bild: Wonge Bergmann

Bernd Reisig mischt bei den Bornheimern in der Zweiten Liga wieder mit - allerdings nicht an vorderster Front: Der ehemalige Geschäftsführer des FSV Frankfurt tritt nun als Berater von Torhüter Klandt auf.

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          An diesem Freitag fliegt der FSV Frankfurt in den Süden. Unter der Sonne Mallorcas will Trainer Benno Möhlmann seine Mannschaft auf den Abstiegskampf in der Zweiten Fußball-Bundesliga vorbereiten. Schon zum dritten Mal nacheinander bezieht der Verein auf der spanischen Insel sein Trainingslager, was vor allem mit einem Mann zusammenhängt: Bernd Reisig. Der ehemalige Geschäftsführer und starke Mann des Vereins lebt nur einen Fußmarsch von den Rasenplätzen in Camp de Mar entfernt. Der Achtundvierzigjährige hat seinerzeit die entsprechenden Kontakte geknüpft und ist noch immer aktiv: „Natürlich bin ich dem FSV aufgrund meiner guten Kontakte in Mallorca behilflich und helfe gerne und stets, wenn der Verein mich braucht. Mein Herz hat nicht aufgehört für den FSV zu schlagen, nur weil ich jetzt kein Geschäftsführer mehr bin.“

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mehr als ein Jahr nach dem Rücktritt von Reisig kreuzen sich seine Wege und die des Vereins noch immer. Der Austausch wird sogar wieder intensiver. Kurz vor Weihnachten hat sich Uwe Stöver (Geschäftsführer Sport) zum ersten Mal mit Reisig getroffen, um mit ihm über eine Vertragsverlängerung von Patric Klandt zu verhandeln, dessen Kontrakt am Ende der Saison ausläuft. Reisig tritt seit einiger Zeit als Berater des Torhüters auf. „Früher war er mein Vorgesetzter, nun sitze ich ihm bei Verhandlungen gegenüber - das ist schon ungewöhnlich“, sagt Stöver. „Aber für meine Arbeit spielt es keine Rolle. Es waren angenehme Gespräche“, sagt Stöver. Trotzdem haben Reisig und Klandt das erste Angebot abgelehnt. Stöver kennt inzwischen die Bedingungen für einen Verbleib des Achtundzwanzigjährigen in Frankfurt: „Wir werden für den Patric eine gewisse Ligazugehörigkeit herstellen müssen.“ Mit anderen Worten: Spielt der FSV Frankfurt im kommenden Jahr nicht in der zweiten Liga, dann wird sich Klandt vermutlich einen neuen Arbeitgeber suchen.

          Zurückhaltender DFB

          Das sind die Fakten. Dabei hätte Reisig nach den Regularien des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) und des Deutschen Fußball-Verbandes (DFB) derartige Gespräche gar nicht führen dürfen. Reisig hat weder die notwendige Lizenz erworben, noch ist er ein Familienangehöriger von Klandt. Stattdessen müsste ein Rechtsanwalt über einen neuen Vertrag verhandeln, und Reisig dürfte dabei lediglich anwesend sein. Auch der FSV Frankfurt dürfte seine Verhandlungen nicht allein mit Reisig führen und einen Vertragsabschluss erzielen. Konsequenzen müssen die Verantwortlichen offenbar nicht fürchten.

          Der DFB hat sich bei der Aufklärungsarbeit derartiger Fälle in der Vergangenheit stets zurück gehalten. Doch die Arbeit ohne Lizenz ist nicht der einzige Kritikpunkt. Reisig verfügt über zu viel Insider-Kenntnisse über den FSV, als dass er einfach so an der anderen Seite des Verhandlungstisches Platz nehmen sollte. „Ich profitiere von meinem Wissen, das hat aber nichts mit Insider-Wissen zu tun“, behauptet Reisig. Und Geschäftsführer Stöver sagt: „Es ist nur einmal so, dass er sehr lange verantwortlich war für diesen Verein und deshalb auch bestimmte Dinge weiß. Aber ich sehe darin kein Problem.“

          Rückkehrer Mike Wunderlich

          Probleme hatte der FSV in der Winterpause bisher auf dem Transfermarkt. Nur Chadli Amri (auf Leihbasis vom 1. FC Kaiserslautern) und Rückkehrer Mike Wunderlich verstärken bisher den Kader. Ein Verteidiger und ein Stürmer sollen folgen, allerdings gestalten sich die Verhandlungen schwieriger als gedacht. Michael Thurk (FC Augsburg) schloss sich dem 1. FC Heidenheim an, Tomoaki Makino (1. FC Köln) spielt auf Leihbasis lieber für Urawa Red Diamonds, und der finnische Angreifer Timo Furuholm (FC Inter Turku) zog einen Wechsel zu Fortuna Düsseldorf vor. „Ihm lagen mehrere unterschriftsreife Verträge vor, wir wollten ihn aber erst einmal im Probetraining beobachten“, sagt Stöver. „Wir kaufen nicht die Katze im Sack.“ Nun waren andere schneller. Am Mittwoch schaute sich Möhlmann im Training Philipp Heithölter an, den er noch aus seiner Zeit bei Arminia Bielefeld kennt. Der Neunundzwanzigjährige ist seit Beginn dieser Saison vertragslos. Im Trainingslager sollen zwei weitere Verteidiger vorspielen.

          Möglicherweise hat der FSV künftig noch öfter mit Reisig zu tun. Nach Informationen dieser Zeitung will er sich bald mit einer Spielerberater-Agentur selbständig machen. Reisig selbst möchte sich dazu noch nicht äußern, er sagt lediglich: „Ich werde baldmöglichst offiziell mitteilen, was ich zukünftig tun werde. Ich bitte noch bis dahin um etwas Geduld.“ Womöglich hat er dann schon bald endgültig die Seite gewechselt.

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