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FSV Frankfurt : Möhlmann baut um

  • -Aktualisiert am

Anwärter für den zweiten Platz im Sturm: Macauley Chrisantus (rechts). Bild: Wonge Bergmann

Benno Möhlmann hat nicht vor, den Fußball neu zu erfinden. Und doch haben sich schon in den ersten Wochen viele Dinge unter dem neuen leitenden Angestellten bei FSV Frankfurt geändert.

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          Benno Möhlmann hat nicht vor, den Fußball neu zu erfinden. Und doch haben sich schon in den ersten Wochen viele Dinge unter dem neuen leitenden Angestellten bei FSV Frankfurt geändert. Ganz behutsam geht der neue Trainer beim Umbau der Mannschaft vor. Der Nachfolger des kurz vor Weihnachten beurlaubten Hans-Jürgen Boysen nutzt das Trainingslager auf Mallorca für viele Gespräche mit den Spielern, unter vier Augen, aber auch im Kreis der gesamten Mannschaft. Die Ansprache ist etwas förmlicher als unter Boysen, Möhlmann spricht die Spieler mit Vornamen und Sie an. Beim Training gibt es nicht selten Unterbrechungen, die der erfahrene Fußballlehrer dazu nutzt, den Spielern seine Ideen zu erklären. Die augenfälligste Änderung betrifft in diesen Tagen das Spielsystem. „Ich bevorzuge ein 4-4-2“, hat Möhlmann gleich zum Amtsantritt gesagt.

          Mit zwei Stürmern will er angreifen lassen, ganz anders als sein Vorgänger, der dieses System als nicht kompatibel mit den personellen Möglichkeiten der Bornheimer angesehen hatte. Möhlmann will es anders und arbeitet daran, seine Ideen umzusetzen. Er hat auf einen neuen Stürmer gedrängt und ihn mit Ilian Micanski vom 1. FC Kaiserslautern bekommen. Der 27 Jahre alte Bulgare wird der eine Teil der zukünftigen Doppelspitze sein, Macauly Chrisantus oder Karim Benyamina der andere.

          Enttäuschende neunzig Minuten

          Wer zu wem am besten passt, muss Möhlmann noch herausfinden. Das kann freilich noch ein paar Tage dauern, denn Micanski ist erst am Mittwoch auf Mallorca angekommen, ausgestattet mit wenig Spielpraxis, aber viel Lust auf Fußball. „Ich habe in Kaiserslautern nur wenig Chancen bekommen“, sagt er. „Jetzt will ich einfach nur spielen.“ Als Rückschritt empfinde er den Wechsel in die Zweite Liga nicht, sagt er. Dies ist auch objektiv richtig, hat er doch in Kaiserslautern meist nur in der Regionalliga spielen dürfen, also in der vierten Klasse. Beim Testspiel des FSV am Mittwochabend gegen die zweite Mannschaft von RCD Mallorca hat Micanski erst in der letzten halben Stunde mitgespielt. Zuvor hatten Benyamina und Chrisantus den Angriff gebildet, ganz so wie es Möhlmann in den Übungseinheiten hatte üben lassen. Wirklichen Angriffsdruck aber konnten die Frankfurter nicht ausüben und verloren gegen die technisch durchaus überlegenen Mallorquiner 0:1. Die beste Chance hatte Benyamina in der 31. Minute vergeben, als er den Ball nach einem an ihm selbst verursachten Foulelfmeter neben das Tor schoss.

          Die enttäuschenden neunzig Minuten haben gezeigt, dass der Trainer noch einige Zeit brauchen wird, um eine Formation zu finden, die seinen Vorstellungen entspricht. Das liegt zum einen auch an den noch nicht abgeschlossenen personellen Umbauarbeiten, sollen doch ein Mittelfeldspieler und vor allem noch ein linker Verteidiger dazugeholt werden. Gegen die Mallorca-Reserve durften die aktuellen Trainingsgäste Dennis Cagara 75 Minuten und Lovre Vulin eine Viertelstunde vorspielen. Keiner hat sich dabei so nach vorne gespielt, dass er sicher sein könnte, den erhofften Vertrag zu ergattern. Zum anderen muss Möhlmann aber auch im Mittelfeld noch improvisieren. Zafer Yelen, fest eingeplant als Taktgeber, hat sich eine Knöchelverletzung zugezogen und muss einige Tage pausieren. So war es keine große Überraschung, dass das Spiel des FSV noch nicht wirklich flüssig lief. Gerade deshalb ist es aus Sicht des neuen Chefs wichtig, dass die abwehrende Abteilung schnell zu mehr Stabilität findet als im ersten halben Jahr. Dabei setzt Möhlmann ganz auf Björn Schlicke und Gledson. Schlicke, nach seinem freiwilligen Rücktritt vom Amt des Spielführers ein paar Wochen in der inneren Immigration, scheint wieder ganz der Alte. Beim Training sind seine lautstarken Anweisungen nicht zu überhören. Da versucht sich einer ganz im Sinne des Trainers als Abwehrchef zu profilieren. Auch wieder als Spielführer? „Der Trainer will drei, vier Leute, die Verantwortung übernehmen“, sagt Schlicke. „Für ihn und für mich ist es nicht wichtig, wer die Binde trägt.“ Ganz im Gegensatz zum ehemaligen gehört der aktuelle Kapitän Samil Cinaz eher zu den leisen Typen auf dem Platz und daneben. Auch da muss Möhlmann noch eine Lösung finden.

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