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FSV Frankfurt : Heilsames Erfolgserlebnis

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Glücklich: Amine Aoudia teilt seine Freude nach dem Spiel gegen Heidenheim mit jungen Fans des FSV Frankfurt. Bild: Huebner/Ulrich

Für Amine Aoudia bedeutet das 2:0 über Heidenheim mehr als drei Punkte. Mit dem Einsatz für den FSV endet seine lange Leidenszeit nach seinem Kreuzbandriss.

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          Benno Möhlmann ist sich all die Jahre treu geblieben. Für den Trainer des FSV Frankfurt ist es ganz klar: „Mich haben schon immer die schwierigen Fälle gereizt“ – so wie Anfang der neunziger Jahre, als er den „alkoholkranken“ Andreas Sassen, der 2004 gestorben ist, zum Hamburger SV gelotst hat. Sein damaliger Assistenztrainer Felix Magath habe ihm gesagt, „ich würde einen Fehler machen, weil ich immer die schwierigen Spieler hole“, erinnert sich Möhlmann.

          Sein jetziger Stürmer beim FSV, Amine Aoudia, hingegen leistet sich keine Eskapaden, er ist ja auch ein ehrgeiziger und disziplinierter Fußballprofi. Allerdings hatte der algerische Nationalspieler im Mai dieses Jahres ein großes Handicap mit nach Frankfurt gebracht: Der Siebenundzwanzigjährige laborierte an einem Kreuzbandriss, den er sich im Februar im Training bei Dynamo Dresden zugezogen hatte. Mitte März folgte die Operation bei einem Kniespezialisten in Augsburg. Und es dauerte schließlich bis zum zurückliegenden Dienstag, als Aoudia beim 2:0-Heimsieg über Heidenheim sein Debüt im FSV-Trikot gab – von der 87. Minute an sechs Minuten lang inklusive der Nachspielzeit.

          Seine Leidensgeschichte scheint nun endlich ein Ende gefunden zu haben. Der Kurzeinsatz und der Bornheimer Sieg seien sehr gut für seinen Kopf, sagte der Angreifer. Er brauchte das Erfolgserlebnis.

          Wäre Aoudia fit gewesen, hätte der FSV ihn nicht bezahlen können

          Mit seiner Verpflichtung ist der FSV ein Risiko eingegangen. Keiner konnte aufgrund der Schwere der Verletzung genau sagen, wann Aoudia zurückkommen würde. Der Klub hatte gehofft, dass das schon im September der Fall sein wird, doch dessen Genesung verzögerte sich nach einem Rückschlag in der Reha. Beiden Seiten wurde also viel Geduld abverlangt. Trotzdem zweifeln die Hessen nicht daran, mit dem Offensivspieler eine gute Investition in die Zukunft getätigt zu haben. Denn: „Wäre Amine fit gewesen, wäre er für uns nicht erschwinglich gewesen. Wir hätten ihn nicht bekommen“, sagt Finanzchef Clemens Krüger.

          Aoudia, der durch den Abstieg von Dresden in die dritte Liga ablösefrei war und einen Vertrag bis Juni 2016 hat, ist in seiner Heimat ein Star. Seine Popularität geht so weit, dass er sich einst in einer Fernsehshow dafür rechtfertigen musste, den algerischen Meister ES Sétif verlassen zu haben. Seinem Wechsel nach Dresden im August 2013 ging ein wochenlanges Hickhack mit seinem damaligen Verein voraus. Doch Aoudia wollte unbedingt nach Deutschland und sich auch in Europa einen Namen machen.

          Aoudia spricht mittlerweile gut Deutsch

          In Dresden kam er dann auf sechs Tore in 15 Zweitligaspielen – und das, obwohl er nur fünfmal zur Startelf gehört hatte. In dieser Zeit soll unter anderen Fenerbahce Istanbul auf ihn aufmerksam geworden sein. Gut möglich, dass er im Vollbesitz seiner Kräfte im Sommer 2014 zu einem Klub in der Champions League gewechselt wäre. Aoudia hätte auf jeden Fall auch an der Weltmeisterschaft in Brasilien, wo Algerien gegen Deutschland im Achtelfinale verloren hatte, teilgenommen. „Meine Landsleute verehren ihre Nationalmannschaft“, sagt er. In Brasilien hätte Aoudia seinen Marktwert weiter steigern können. Stattdessen erlebte er die Schattenseite des Profifußballs.

          Nach einer harten Zeit nimmt Aoudia jetzt einen neuen Anlauf. „Mit meinem Knie ist alles gut“, sagt er. „ Aber ich brauche noch ein bisschen Kraft.“ Aoudia ist ein zentraler Stürmer mit vielen Begabungen. Lauffreude, Kopfballstärke, eine gute Technik und das Auge für seine Mitspieler – das alles zeichnet das Spiel des 1,90 Meter großen Modellathleten aus. Anfangs war er überrascht, wie hoch das Niveau in der zweiten Liga ist – sowohl was die Struktur der Liga als auch die Arbeit der Vereine angeht. „Der gesamte Fußball ist hier viel professioneller organisiert. Mit welcher Konsequenz und Konzentration auf allen Ebenen für den Erfolg gearbeitet wird, ist einfach beeindruckend.“

          Aoudia spricht gut Deutsch. In Dresden nahm er zweimal in der Woche Unterricht. „Schließlich lebe ich hier“, sagt er. Das hört Möhlmann gerne. Vor der Verpflichtung des Profis, den er für einen „intelligenten Spieler“ hält, hatte der Trainer ihn zweimal in Dresden gesehen. Auch das bestärkte Möhlmann darin, Aoudia zu holen – trotz dessen Vorgeschichte mit dem gerissenen Kreuzband. Komplizierte Situationen schrecken den Trainer aber nicht ab.

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