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FSV Frankfurt : Fehlerkette ohne Ende

  • -Aktualisiert am

Kann es nicht fassen: Vincenzo Grifo hadert mit sich und der Leistung des FSV Frankfurt. Bild: dpa

Der FSV Frankfurt vergibt beim 1:1 gegen Aue die große Chance, endlich einen Heimsieg zu erzielen. „Wir müssen damit leben, unten zu stehen“, sagt Trainer Möhlmann.

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          Rücklings ließ sich Vincenzo Grifo am Sonntag auf den Rasen im Stadion am Bornheimer Hang fallen. Das unbefriedigende 1:1 gegen Erzgebirge Aue zog den FSV-Offensivspieler nach dem Abpfiff so runter, dass er sich dann im Liegen vor Ärger mit beiden Armen an den Kopf fasste, ihn ein paar Mal heftig schüttelte, um schließlich laut mit dem Schimpfen zu beginnen. Teilzeitarbeiter gewinnen kein Spiel. Oder wer zwischenzeitlich den Siegeswillen verliert, der bleibt eben weiter sieglos vor eigenem Publikum – das war die bittere Erkenntnis für die Frankfurter, die sich trotz der Punkteteilung in der zweiten Fußball-Bundesliga einmal mehr wie Verlierer im eigenen Haus fühlten.

          Das 1:0 (23. Minute) zur Pause durch den Treffer von Joan Oumari war aller Ehren wert, weil die Mannschaft von Trainer Benno Möhlmann den Abstiegskampf annahm. Mit viel Lauffreude, aggressivem Zweikampfverhalten und dem nötigen Zug zum Auer Tor bearbeitete sie hartnäckig den ziemlich überforderten Gegner. Doch eine fünfzehnminütige Pause reichte, damit sich die Kräfteverhältnisse zur Überraschung der 4060 Zuschauer in der zweiten Hälfte umdrehten.

          Jetzt hatten sich die viel couragierter auftretenden Sachsen den 1:1-Ausgleichstreffer (70.) von Stipe Vucur verdient. Der FSV aber nahm nur in der Schlussphase noch einmal Fahrt auf; zu spät für den angestrebten ersten Heimsieg im sechsten Anlauf. So beklagten sich die Frankfurter abermals über ihre Unfertigkeit im sportlichen Überlebenskampf und eine verpasste Chance. Sportchef Uwe Stöver sagte: „Es wird lange nicht mehr so einfach, einen Dreier einzufahren. Und weiter: „Nach der Pause haben wir Aue das Spiel übergeben und es dem Gegner leicht gemacht. Das war ein Fehler.“ In den eigenen vier Wänden will die Fehlerkette kein Ende nehmen.

          Trainer schrie, schimpfte und gestikulierte

          Die FSV-Profis konnten wohl von Glück sagen, dass Möhlmann seinen Emotionen in den zweiten 45 Minuten freien Lauf gelassen hatte. Der Trainer schrie, schimpfte und gestikulierte wild mit den Armen. Alles, um das Spiel seiner Mannschaft wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Ein paar Mal rannte der Sechzigjährige auch vor Aufgebrachtheit hektisch in der Coachingzone hin und her. Er gab am Spielfeldrand alles im Gegensatz zu seiner Mannschaft, die sich gedanklich viel zu früh aus dem Spiel verabschiedet zu haben schien.

          Trotzdem verzichtete Möhlmann dann auf ein öffentliches Donnerwetter. Das unterscheidet ihn durchaus von den zurückliegenden Spielzeiten, in denen er ab und an mit seiner Wut und Enttäuschung nicht mehr hinter dem Berg halten konnte. Diesmal flüchtete er sich sogar für einen Moment in Galgenhumor, als die Rede auf den 13. Tabellenplatz der schlechtesten Heimannschaft der Liga kam. „Dann ist die Welt noch in Ordnung hier“, sagte er.

          Keine Rede mehr vom Kampf gegen den Abstiegsplatz

          Die Plazierung ist allerdings trügerisch, da von den Frankfurtern über den Fünfzehnten Aue bis zum Vorletzten St. Pauli alle fünf Klubs lediglich 12 Punkte haben. „Wir müssen damit leben, unten zu stehen.“ Auch diese Aussage war neu von Möhlmann. Am Sonntag war jedenfalls keine Rede mehr davon, dass sich der FSV bis Weihnachten von den Abstiegsplätzen absetzen will. Es handelt sich wohl um die Anpassung an die neue Faktenlage. Seinen Kampfgeist hat Möhlmann aber noch nicht verloren, er sagte: „Ich werde den Kopf nicht in den Sand stecken, wenn wir bis zum letzten Spieltag die Chance auf den Klassenverbleib haben.“

          Das Abstiegsduell mit Aue macht nur wenig Hoffnung auf ein achtes Jahr in der zweiten Liga, denn den Hessen fehlen die Konstanz und trotz vieler erfahrener Spieler auch die taktische Reife. „Nach der Pause haben wir uns auf Defensivarbeit beschränkt“, sagte Möhlmann. „Das war so nicht abgesprochen.“ Diese auch für den Trainer erstaunliche Passivität hätte vermutlich nur dann keine Folgen gehabt, wenn der FSV mit zwei Toren Vorsprung geführt hätte. Die Möglichkeiten dazu boten sich den Frankfurtern in den ersten 45 Minuten. Doch nur der Defensivspieler Oumari brachte es zum Überraschungstorschützen, da er umsetzte, was ihm Möhlmann mit auf den Weg gegeben hatte.

          „Wenn die Möglichkeit dazu besteht, sollte ich nach vorne gehen“, sagte Oumari. Er verwertete eine Flanke von Mario Engels. Kurz vor dem Abpfiff hatte dann Grifo zweimal die Möglichkeit, das 2:1 zu erzielen. Der FSV, der in den stürmischen Schlussminuten auch Chancen durch Edmond Kapllani und André Schembri vergab, wäre doch noch obenauf gewesen – und das, obwohl er weite Strecken der zweiten Halbzeit zum Unverständnis der FSV-Verantwortlichen verschlafen hatte.

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