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FSV Frankfurt : Die Zähmung des widerspenstigen Kapllani

  • -Aktualisiert am

Voller Einsatz: Frankfurts Nils Teixeira gegen Marco Stiepermann von Energie Cottbus. Bild: dpa

Der Strafstoßdrängler vom FSV muss mit einer Geldstrafe rechnen – sein Handeln findet aber auch Zustimmung.

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          Edmond Kapllani, der für einen Moment so egoistisch wirkende Fußballstürmer, hat dem FSV Frankfurt mit seiner Launenhaftigkeit trotzdem einen Gefallen getan – mit dieser Sichtweise der Dinge bereicherte Clemens Krüger am Sonntag überraschend die Diskussion um das Vorkommnis in den Schlussminuten in Cottbus. „Wenn ich höre, dass wir super, super langweilig und zu nett sind, dann können Ecken und Kanten auch mal ganz gut sein“, sagte der Finanzchef des Zweitligaklubs im Bewusstsein, es „ein bisschen populistisch“ formuliert zu haben. Im Stadion der Freundschaft in Cottbus hatte sich Kapllani am vergangenen Freitag trotz gegenteiliger Anweisung von Trainer Benno Möhlmann und heftiger Proteste von Kapitän Björn Schlicke nicht davon abbringen lassen, den Elfmeter zum 4:1-Endstand für den FSV zu verwandeln. „Beim Stand von 3:1 kann man das verkraften“, meint Krüger. Ihm ist aber bewusst, dass man den internen Ringkampf um den Ball auch anders sehen kann. Zum Beispiel so wie der verletzte FSV-Torhüter Patric Klandt, der aus der Perspektive des Fernsehzuschauers urteilte: „Von draußen sieht das ein bisschen blöd aus.“

          Einfach zur Tagesordnung sind die Bornheimer jedenfalls nicht übergegangen. Zurück in Frankfurt, gab es am Samstag eine Sitzung, in der vor allem der Trainer redete. In der dann aber auch einige Spieler ihre Meinung kundtaten. Über die Gesprächsatmosphäre wurde nichts bekannt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass das eine oder andere ernste Wort fiel. So oder so: Möhlmann, der vor der Begegnung Denis Epstein zum Elfmeterschützen bestimmt hatte, wird sich das eigenmächtige Handeln von Kapllani nicht bieten lassen können.

          Auch die sportliche Leitung ist jetzt gefragt

          Dem mit elf Treffern erfolgreichsten FSV-Torjäger der Vorsaison, der in dieser Runde in 15 Partien siebenmal getroffen hat, droht deshalb nach Informationen dieser Zeitung eine Geldstrafe. Neue Freunde scheint sich die Reizfigur Kapllani in Cottbus ohnehin nicht gemacht zu haben. Denn der Trainer hätte den Angreifer angesichts der Personalnot beim Tabellenneunten gerne von Beginn an eingesetzt. Das soll Kapllani aber abgelehnt haben, weil ihn in den Tagen vor dem Spiel eine Magendarminfektion geplagt hatte. Am Donnerstag war er dann zusammen mit Sportchef Uwe Stöver nach Cottbus gefahren. Dort kam der Stürmer schließlich zu einem denkwürdigen Einsatz über knapp zehn Minuten.

          Gefragt ist jetzt aber auch die sportliche Leitung. Sie muss die Kommunikation verbessern. Als Ersatzspieler soll Kapllani nämlich nicht dabei gewesen sein, als Möhlmann sich auf Epstein festlegte. Kapllani, dem nachgesagt wird, sich bisweilen wie eine kleine Diva zu verhalten, wiederum ist der erfolgreichste Elfmeterschütze der Frankfurter. Auch deswegen beanspruchte er wohl den finalen Schuss für sich. Durch die Dissonanzen werde der Zusammenhalt der Mannschaft aber nicht getrübt, meint Klandt. „Die Sache wird keine Narben hinterlassen.“ Nach einem Tag Trainingspause kommt das Thema an diesem Montag noch einmal auf den Tisch. „Wenn Edi den Elfer verschossen und wir das Spiel verloren hätten, dann wäre es tragisch“, sagt der Torhüter. In diesem Fall wäre es beim FSV bestimmt nicht langweilig geworden.

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