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FSV Frankfurt : Die Seuche am Fuß

Es wird eng für den FSV Frankfurt. Bild: dpa

Nach acht sieglosen Spielen stürzt der FSV Frankfurt immer tiefer in die Krise. Bei Union Berlin verlieren die Bornheimer 0:4.

          3 Min.

          Die Weihnachtsfeier des FSV Frankfurt am kommenden Samstag findet statt - „egal, was passiert“, sagt Clemens Krüger, der Geschäftsführer Finanzen. Aber wie wird dann die Stimmung beim Fußball-Zweitligaverein zum Jahresabschluss sein? Einige Stunden zuvor trifft der Abstiegskandidat im letzten Heimspiel 2011 auf den VfL Bochum. Gewinnt der FSV - es wäre der erste Erfolg vor eigenem Publikum in dieser Saison - oder spielt man unentschieden, könnte Trainer Hans-Jürgen Boysen die gesellige Zusammenkunft einigermaßen entspannt angehen. Doch im Fall einer neuerlichen Niederlage dürfte sich der Vierundfünfzigjährige nicht allzu wohl in seiner Haut fühlen. Er müsste darauf hoffen, dass die Klubführung Wort hält - und nicht doch die Nerven verliert.

          Jörg Daniels
          Redakteur in der Sportredaktion

          Mit dem 0:4 am Samstag zum Rückrundenauftakt bei Union Berlin sind die Frankfurter um eine Enttäuschung reicher. Wieder ließ die Mannschaft, die zum achten Mal nacheinander ohne Sieg blieb, beim höchsten Berliner Saisonerfolg vieles vermissen. Vor allem scheint sie für den Abstiegskampf nicht geeignet zu sein. „Wenn es nicht so läuft, lassen viele von uns die Köpfe hängen“, findet Spielmacher Zafer Yelen. Das Problem ist seit langem erkannt. Nur die Wende zum Guten bleibt aus. Das Aufeinandertreffen mit Berlin war eines von mehreren Spielen, in denen sich der FSV nicht gegen den Misserfolg stemmte. Trotzdem behielt Boysen in den zurückliegenden Wochen das Kommando - und das soll so bleiben. „Wir werden alles daran setzen, mit ihm in die Rückrunde zu gehen“, sagte Krüger am Sonntag dieser Zeitung. Bei einer Niederlage der heimschwächsten Mannschaft gegen Bochum könnte die dreiköpfige Geschäftsführung die Situation aber überdenken. Besonders dann, wenn der FSV nach dem letzten Durchgang dieses Jahres zum ersten Mal auf einen Abstiegsplatz zurückfallen sollte. Es wäre das falsche Signal im Sportlichen Überlebenskampf. Hielten Uwe Stöver (Geschäftsführer Sport), Jens-Uwe Münker (Organisation) sowie Krüger an Boysen fest, würden sie ihr Schicksal in die Hände des Fußballlehrers legen. Gelänge zum vierten Mal der Klassenverbleib, könnten sich die drei ihrer Ruhe und Besonnenheit in schwieriger Zeit rühmen. Anderenfalls müssten sie die Konsequenzen ziehen - dafür, dass sie nicht gehandelt haben. Ohnehin könnte sich der FSV in der dritten Profiliga vermutlich nicht drei Geschäftsführer leisten. „Organisatorisch kann ich es mir vorstellen“, sagt Krüger: „Aber die Frage stellt sich für mich nicht.“ Er ist davon überzeugt, dass Frankfurt in der Klasse verbleibt. Konsequenzen aus der schwachen Halbserie haben die Bornheimer bereits gezogen. So ist dem „einen oder anderen Spieler“ (Krüger) nahegelegt worden, sich in der Winterpause einen neuen Verein zu suchen. Noch haben die Verantwortlichen aber nicht alle Kandidaten informiert. Drei bis vier sollen es am Ende sein. Namen nannte Krüger keine, doch Defensivspieler Andreas Dahlén und Offensivspieler Babacar Gueye könnten dazugehören. Finden die Betroffenen keine neue Aufgabe, müssten sie mit einem Platz in der zweiten Vereinsmannschaft vorlieb nehmen. „Der Schnitt wird kommen“, sagte Krüger. „Dafür hatten manche zu viele Chancen.“ Im Gegenzug will sich der FSV neben Rückkehrer Mike Wunderlich mit zwei gestandenen Profis verstärken. Einer davon soll ein Führungsspieler sein.

          nnoch scheint das Vertrauen in Boysen ungebrochen

          Er wird im Januar auf ein Team treffen, dem die Siegermentalität in den vergangenen Wochen abhanden gekommen ist. Und das die Fähigkeit, im Abstiegskampf zu bestehen, offenbar nicht besitzt. Zum einen, weil es kaum Spieler gibt, die sich durchbeißen, geschweige denn ihre Kollegen mitreißen können. In Berlin bekam Wjatscheslaw Hleb eine Chance. Der weißrussische Nationalspieler zeigte, dass er nicht gewillt war, sie zu nutzen. „Bei einem Rückschlag musst du dich anders präsentieren“, fordert Krüger. „Die Mannschaft muss den Kampf mehr annehmen.“ Torhüter Patric Klandt sagte am Sonntag: „Die ersten 20 Minuten haben wir ordentlich gespielt. Nach dem 0:1 sind wir wieder komplett eingebrochen.“ Außerdem verfügen zu viele FSV-Profis im Augenblick nicht über Zweitliga-Niveau. Dazu gehört auch, sein Leistungsvermögen über mehrere Spieltage hinweg abzurufen.

          Dennoch scheint das Vertrauen in Boysen ungebrochen. „Er versucht alles, um Erfolg mit dem Verein zu haben“, sagte Krüger. Bisher langte das nicht. Deswegen bleibt vor allem der Wunsch nach besseren Zeiten: „2011 hatten wir die Seuche am Fuß. Im kommenden Jahr werden und müssen wir mehr Glück haben“, sagt der Geschäftsführer. Eine vage Hoffnung.

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