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FSV Frankfurt : Die Operation Möhlmann läuft

  • -Aktualisiert am

Einsame Spitze: Benno Möhlmann macht aus den bescheidenen Voraussetzungen beim FSV gerade das Bestmögliche. Bild: Wonge Bergmann

Der verblüffende FSV Frankfurt erlebt nicht erst seit dem Erfolg in Ingolstadt ein Hoch - und macht sich schon intensive Gedanken, wie der Erfolgstrainer länger zu halten ist.

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          Zwei Siege in drei Spielen der Zweiten Fußball-Bundesliga, sieben von neun möglichen Punkten geholt, dazu das gewonnene DFB-Pokal-Spiel in Großaspach - der gelungene Saisonstart des FSV Frankfurt mit Platz drei in der Tabelle ist eigentlich keine Überraschung. Vielmehr ist es die Fortsetzung dessen, was Trainer Benno Möhlmann seit Januar dieses Jahres am Bornheimer Hang aufgebaut hat. Aus den 15 Spielen in der Vorsaison unter seiner Leistung holte der FSV schon 21 Punkte, insgesamt stehen in der Amtszeit des Achtundfünfzigjährigen nur vier Niederlagen in 19 Pflichtspielen zu Buche. Für FSV-Verhältnisse ist das eine stolze Bilanz. Mit Möhlmann, dessen Mannschaft am Sonntag 2:0 in Ingolstadt siegte, ist Stabilität auf hohem Niveau eingekehrt. Daran änderten auch der Weggang von Torjäger Ilian Micanski vor dieser Spielzeit und das große Verletzungspech in den Wochen der Vorbereitung nichts. Aber solche Rückschläge oder auch Ergebnisse aus der abgelaufenen Runde interessieren Möhlmann nicht mehr. Er sagte am Montag: „Das, was war, ist vorbei. Wir haben noch Sachen zu verbessern. Und diese beschäftigen mich.“

          Eifer, Disziplin, taktische Cleverness, Unaufgeregtheit auch in schwierigen Situationen - es ist eine breite Palette an Qualitäten, die die Klubführung an dem ehemaligen Bundesliga-Profi schätzt. Dementsprechend macht sie sich schon jetzt Gedanken, Möhlmanns Vertrag, der bis Ende Juni 2013 gültig ist, vorzeitig zu verlängern. „Wir schätzen ihn außerordentlich. Zu gegebener Zeit werden wir die Gespräche aufnehmen“, kündigte Finanzchef Clemens Krüger an. „Wir haben die Dinge mehr als im Auge.“ Das sind die Worte von Uwe Stöver, dem Geschäftsführer Sport, der mit der Arbeit des Trainers ebenfalls „sehr zufrieden“ ist. Nur eins will die dreiköpfige Geschäftsführung, zu der auch Jens-Uwe Münker gehört, vermeiden: Sie will sich nicht unter Druck setzen lassen. Den bekommt sie von Möhlmann nicht, ganz im Gegenteil. „Wenn ich fünfmal nacheinander verliere und anschließend ein Angebot bekomme, dann mache ich mir Gedanken darüber“, sagte der Trainer - und grinste. Er fühlt sich wohl beim FSV. Und er sagt: „Ich denke, dass ein Verein immer gut damit fährt, wenn er mittelfristig denkt.“ Alles andere lässt Möhlmann auf sich zukommen. Gut möglich aber, dass der FSV in Sachen Vertragsverlängerung schon bald einen Vorstoß unternimmt.

          Nicht gegen den Abstieg spielen

          Was die aktuelle sportliche Lage betrifft, hat er an seiner Mannschaft wenig auszusetzen - allerdings sieht er beim Kombinationsspiel durchaus Verbesserungsbedarf, sein Team spielt ihm nicht mutig genug nach vorne. Derzeit lebt der FSV, der in den drei Ligaspielen sechs Treffer erzielte, von seiner Effizienz beim Abschluss. Im Duell mit den Ingolstädtern entschieden zwei Tore von Edmond Kapllani die Partie. Von dem Stürmer hatte Möhlmann in der Vorbereitung verlangt, mehr nach hinten mitzuarbeiten. Für den Albaner war das eine „kleine Umstellung“. Denn in seiner Zeit in Paderborn etwa sei die Mannschaft offensiver ausgerichtet gewesen, sagt er. Nun spürt Kapllani, der kurz nach dem 2:0 in der 82. Minute ausgewechselt wurde, den Kräfteverschleiß durch die zusätzliche Laufarbeit. Trotzdem war er zweimal zur Stelle. „Ich will wichtig für die Mannschaft sein“, sagt er. Deswegen war er mit seinem Wechsel aus der Bundesliga von Augsburg zum FSV bereit, „einen kleinen Schritt nach hinten zu machen“.

          Die Bornheimer hingegen sieht der Angreifer im Aufwärtstrend. Von Anfang an war er der Auffassung, dass die Hessen nicht gegen den Abstieg spielen werden. „Wir sind eine gute Zweitliga-Mannschaft“, findet er. Eine, die aber erst am Anfang ihres Weges steht. Und die noch beweisen muss, die Reife für gehobene Ansprüche zu besitzen. „Wir müssen anständig sein und dürfen nicht denken, eine Spitzenmannschaft zu sein“, fordert Kapllani. Mit einem Erfolg am Sonntag zu Hause gegen Aue, bei dem Angreifer Matthew Leckie wegen einer Verletzung aus dem Ingolstadt-Spiel (Einblutung an der Hüfte) auszufallen droht, könnte der FSV dennoch zum ersten Mal die Tabellenspitze übernehmen. Doch damit beschäftigt sich im Moment keiner. Entscheidend ist die Tagesarbeit, nicht das Morgen. „Herr Möhlmann ist ein Motivator, der von uns fordert, Woche für Woche hundert Prozent zu geben“, sagt Kapllani. Und das ist ein guter Grund, warum die Geschäftsführung noch lange mit ihrem Trainer zusammenarbeiten möchte.

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