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FSV Frankfurt bleibt Zweitklassig : Der große Traum platzt

Am Boden: Der FSV und Verhoek. Bild: dpa

1:4 in Kaiserslautern - auch im kommenden Jahr spielt der FSV Frankfurt in der Zweitklassigkeit.

          2 Min.

          In der 79. Minute war es Benno Möhlmann zu viel. Edmond Kapllani spielte einmal mehr einen Pass allzu lasch auf die Außenbahn, sodass Matthew Leckie trotz seiner Schnelligkeit gegen den Kaiserslauterer Verteidiger Florian Dick das Nachsehen hatte. Dessen Befreiungsschlag rollte über die Seitenauslinie genau in den Fuß von Möhlmann. Der 58 Jahre alte Trainer des FSV Frankfurt bewies dann bei einem kurzen Zornesausbruch, dass er noch einen kräftigen Schuss hat. Wütend drosch er den Ball per Vollspannstoß weg und verhinderte auf diese Weise einen schnellen Einwurf seines Teams. Doch zu jenem Zeitpunkt war die Auseinandersetzung um Relegationsrang drei in der Zweiten Bundesliga lange entschieden. Schon zur Halbzeit hatte der FSV Frankfurt 0:4 zurückgelegen. „Ich habe mich aus der Situation reaktiv abreagiert. Der Pass war aber technisch nicht sauber“, scherzte Möhlmann nach dem Spiel, als er die größte Enttäuschung über die 1:4-Niederlage bereits verarbeitet hatte.

          Die Tabellenkonstellation war für die Überraschungsmannschaft der Zweitligasaison bis zum Anpfiff am frühen Sonntagnachmittag verheißungsvoller denn je geworden. Am Samstag hatte der Tabellenvierte Köln in Bochum 1:2 verloren, weshalb es der FSV bei zwei Punkten Rückstand auf den FCK selbst in der Hand respektive im Fuß hatte, mit einem Erfolg vor 39 000 Zuschauern auf dem Kaiserslauterer Betzenberg Rang drei zu erobern. In den ersten 20 bis 25 Spielminuten schienen die Spieler aus dem Stadtteil Bornheim ihre Ambitionen auch in die rechten Bahnen zu lenken. Defensiv standen sie gut geordnet und kompakt, beim Umschalten auf Offensive deuteten sie zumindest eine gewisse Gefährlichkeit an. Zudem begann der große Favorit aus Kaiserslautern sichtlich nervös nach einer turbulenten Woche mit internen Problemen, einer Suspendierung für Innenverteidiger Jan Simunek und DFB-Ermittlungen gegen Stürmer Mohamadou Idrissou nach dessen möglicherweise als homophob zu bewertenden Äußerungen.

          „Dann kriegt man eben die Hucke voll“

          Der FSV schlug daraus aber kein Kapital, womöglich auch wegen des Fehlens des nach einer Fußprellung erst in der 74. Minute eingewechselten Zafer Yelen und des rotgesperrten Marcel Gaus. So endeten verheißungsvolle Angriffe meist beim etwas ungeschickt agierenden Stürmer John Verhoek. Verhoek war es dann auch, der mit einem Fehlpass den Kaiserslauterer Konter einleitete, der zum 1:0 führte. Der eingewechselte Benjamin Köhler, im Winter von der Eintracht nach Kaiserslautern gewechselt, spielte den Ball klug hinter die FSV-Abwehr, Idrissou legte mustergültig zum einschussbereiten Albert Bunjaku quer (27.). „Lautern war verunsichert, aber wir haben sie ins Spiel kommen lassen mit unseren Fehlern“, sagte Mittelfeldspieler Manuel Konrad. „Und anschließend haben wir die einfachsten Dinge falsch gemacht, dann kriegt man eben die Hucke voll.“ Beim zweiten und vierten Gegentreffer gestattete die Frankfurter Abwehr den Kaiserslauterer Torschützen Torrejon (40.) und Bunjaku (45+2.) nach Standards allzu viele Freiheiten, beim 3:0 hatte Idrissou alle Zeit der Welt, um Köhler zu bedienen.

          „Es ist ein großer Traum geplatzt“, sagte Clemens Krüger, Geschäftsführer Finanzen beim FSV Frankfurt. „Natürlich haben wir nach der Kölner Niederlage am Samstag gehofft auf Rang drei. Das ist nun vorbei.“ Uwe Stöver ging in seiner Bewertung etwas mehr ins Detail. „Man muss akzeptieren, dass wir vier Teams in der Tabelle vor uns haben, gegen die wir in sieben Spielen nur sieben Punkte geholt haben“, sagte der Geschäftsführer Sport des FSV. „Also reicht es eben nicht für ganz vorne.“ Benno Möhlmann sah das auch nach dem Spiel noch anders. Der Trainer traut seiner Mannschaft grundsätzlich einen Sieg auf dem Betzenberg zu. „Vielleicht haben sich meine Jungs aber ein bisschen zu sehr damit beschäftigt, dass es heute schon um Platz drei geht. Deshalb fehlte womöglich ein wenig die Lockerheit“, sagte Möhlmann. Er hätte auch jene Entschlossenheit als Mangel anführen können, die er bei seinem nervlichen Befreiungsschlag in der 79. Minute an den Tag legte.

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