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Früherer Uni-Turm in Frankfurt : 40.000 Schaulustige zu Sprengung erwartet

  • -Aktualisiert am

Tanks mit insgesamt 25.000 Litern Wasser

Der Mann, der am 2. Februar auf einer Terrasse im 23. Stock des nahen Marriott-Hochhauses auf den Knopf drückt, heißt Eduard Reisch. Der Sprengmeister hat schon viele Brücken und Schornsteine zu Fall gebracht, 2008 auch das Agfa-Hochhaus in München. Einzelne Pfeiler werden mit Vlies und Maschendraht ummantelt, damit keine Trümmer umherfliegen. In einigen Stockwerken und auf dem Dach werden zudem Tanks mit insgesamt 25.000 Litern Wasser aufgestellt, die bei der Sprengung einen Wassernebel bilden und die Staubwolke eindämmen sollen. Auch die keine 40 Meter entfernte U-Bahn-Trasse darf durch die Erschütterung oder das plötzliche Fehlen des Hochhaus-Gewichts nicht beschädigt werden. Damit sich die Bodenplatte des AfE-Turms nicht hebt, wird der Schutt nach der Sprengung auf die Platte geschoben.

Mitteilungsfreudig: Generationen von Studenten hatten im AfE-Turm ihre Spuren hinterlassen

Die Bauaufsicht hat mit der Prüfung von Spreng-Anträgen Erfahrung: „Früher waren Sprengungen üblich, dann sind sie aus der Mode gekommen“, sagt Amtsleiter Michael Kummer. Nicht in jedem Fall eigne sich diese Methode. Die Konstruktion des in Sachsenhausen mühsam mit Hilfe von Baggern abgebrochenen Henninger-Turms - ein Silogebäude mit Stahlgerüst - beispielsweise sei für eine Sprengung kaum geeignet. Kummer hält es für einen Vorteil, dass mit einer Sprengung monatelanger Baulärm vermieden wird. „Unsere Erfahrung sagt: lieber schnell und heftig als langsam und quälend.“

Die Bauaufsicht prüft, ob bei der Sprengung des AfE-Turms auch die öffentliche Sicherheit gewährleistet ist. Über etwaige Gebäudeschäden in der Nachbarschaft müssten sich die Betroffenen zivilrechtlich auseinandersetzen. In einem Umkreis von 135 Metern um den Turm darf sich während der Sprengung niemand aufhalten. Dass die Universitätsgebäude auf dem Campus am Sonntag ohnehin nicht belegt sind, erleichtert die Räumung. 200 Meter rund um den Turm wird das Gelände abgesperrt. Wer zwischen der Absperrung und der engeren Schutzzone wohnt, darf in seinem Haus bleiben, allerdings nur in geschützten Räumen und nicht direkt hinter der Fensterscheibe.

Regelrechte Abriss-Fans

Die Sprengung des Turms wird viele Schaulustige anlocken. Nach Schätzungen der Polizei werden rund 40.000 Zuschauer erwartet, sagt Felix Paschek, der als stellvertretender Leiter der Polizeidirektion Mitte den Einsatz koordiniert. Sie werden von der Friedrich-Ebert-Anlage und der Theodor-Heuss-Allee aus das Geschehen verfolgen können, dort werden „Zuschauer-Zonen“ eingerichtet. Es gebe regelrechte Abriss-Fans, die durch ganz Europa reisten, um sich solche Sprengungen anzusehen, berichtet Paschek. Der AfE-Turm werde von diesen Gruppen schon jetzt als „Highlight“ bezeichnet. Das ehemalige Uni-Gebäude sei eines der höchsten, das in Deutschland je gesprengt wurde.

Trübe: Auch die Nachbarschaft erschien schon einmal glänzender

„Das größte Unglück wäre, wenn wir jemanden übersähen, der sich vielleicht doch in letzter Minute noch in die Gefahrenzone begeben hat, um möglichst nahe am Geschehen zu sein“, sagt Paschek. Damit dies nicht geschieht, riegelt die Polizei das Areal ab. Auch die U-Bahn wird angehalten. Anschließend wird das Gelände akribisch abgesucht. „Das wird eine Herausforderung“, sagt Paschek. Das Abbruchunternehmen rechnet fest damit, dass die Bauaufsicht die Sprengung genehmigt.

Nur bei schlechter Sicht, also bei dichtem Schneefall oder Nebel, würde der Termin dann noch verschoben. Einen Ausweichtermin gibt es schon, den 16. Februar. „Aber ich habe noch nie erlebt, dass eine Sprengung wegen schlechten Wetters verschoben werden musste“, sagt Sprengplaner Melzer.

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