https://www.faz.net/-gzg-9cgmj

Bunte Wildtiergehege : Ein Dschungel wie von Dürer, Dali und Disney

  • -Aktualisiert am

Grünstrich: Wilfried Brzinsky sorgt für das passende Ambiente in der Voliere. Bild: Ly, Martin

Wenn Wilfried Brzinsky malt, ist die Kunst alter Meister Vorbild. Ob die Bewohner der Räume, die er gestaltet, das zu schätzen wissen, ist fraglich: Brzinsky verschönert Zoogehege.

          2 Min.

          Wilfried Brzinsky setzt den Pinsel an. Ein letzter Strich, dann ist sein Werk vollendet. Ein Regenwald mit Farnen, Baumstämmen und Hunderten Blättern bedeckt jetzt den Beton in einem der Gehege im Grzimek-Haus des Zoos. Seit siebzehn Jahren ist Brzinsky im Zoo als Maler tätig. In dieser Zeit hat er einigen Gehegen, Schautafeln und Figuren seinen künstlerischen Stempel aufgedrückt. Gelernt hat der Dreiundsechzigjährige die Malerei allerdings nie.

          Brzinskys eigentlicher Beruf ist Tierpfleger, den hat er nach der Schulzeit im Wuppertaler Zoo erlernt. Und als Tierpfleger kam er später auch zum Frankfurter Zoo. Allerdings dauerte es einige Jahre, bis es so weit war. Zwischendurch führte er fünf Jahre lang eine Kneipe in Dietzenbach, wo er heute noch lebt. „Man muss das Leben nehmen, wie es kommt, und darf nicht verzweifeln,“ sagt Brzinsky. Die Leidenschaft zur Malerei gehörte immer zu seinem Leben. Während er als Tierpfleger arbeitete, kopierte er Kirchner, Macke und Renoir, die Maler, die er am meisten verehrt. Als Autodidakt versuchte er, von den Meistern zu lernen. Und so hat er auch für seine Arbeit im Zoo große Vorbilder. „Drei D – Dürer, Dali, Disney“, sagt Brzinsky.

          Für die Voliere, an der er gerade arbeitet, benötigt er ungefähr zwei Wochen. Die Trompetervögel, die hier bald einziehen sollen, kommen ursprünglich aus dem tropischen Regenwald. Da es Laufvögel sind, brauchen sie viel Platz auf dem Boden. Die Gärtner haben schon ein paar Äste drapiert, und die Techniker haben Wärme und Beleuchtungsanlagen installiert. Der Rest der Arbeit obliegt dem Maler. Er hat im Internet recherchiert und sich ein Foto ausgedruckt. Natürlich wisse er dank seiner vorherigen Arbeit mit Tieren schon ungefähr, worauf er bei der Gestaltung achten müsse, das Bild gebe ihm aber eine kleine Orientierung.

          „Irgendetwas gibt es immer zu tun oder zu lernen.“

          Wenn die Voliere fertig ist, zieht Brzinsky weiter. „Irgendetwas gibt es immer zu tun oder zu lernen.“ Mit den Augen zu stehlen, das sei von jeher seine Methode, sagt er. Dabei bleibt seine Arbeit nicht auf die Kulissenmalerei in den Gehegen beschränkt. Von Brzinsky stammt auch die große Fledermaus über dem Eingang zum Grzimek-Haus, ebenso wie der menschengroße Pinguin vor dem Biergarten und der Löwe, der sich an einer Außenwand befindet und in den eine Karte

          Auf dem Weg zum nächsten Gehege: Wilfried Brzinsky ausgestattet mit Fahrrad und Farbe Bilderstrecke

          des Zoos eingezeichnet ist. Regelmäßige Besucher des Zoos kennen Brzinskys Arbeit seit langem. Angefangen hat alles mit der Bearbeitung der Informationstafeln im Exotarium. Die zeigen die unterschiedlichen Bewohner der Unterwasserwelt. Die Texte haben Kuratoren geschrieben, Brzinsky hat dazu die Zeichnungen gemacht und die Schrift angeordnet. Dort, wo die Fische untergebracht sind, riecht es ein wenig wie am Meer. Für den Maler ein Sehnsuchtsort. „Der Blick aufs Meer, ein Glas Rotwein und ein Schälchen Oliven, das ist meine Vorstellung von Glück“, sagt Brzinsky.

          Wüstenlandschaft für die Fenneks

          Warm ist es auch vor dem Gehege der Wüstenfüchse. Mit seinen Kollegen aus der Zoowerkstatt hat Brzinsky eine Höhle als Unterschlupf für die Fenneks gebaut. An die Wand hat er eine Wüstenlandschaft gemalt, passend für die Tiere aus Nordafrika. Zu Hause malt Brzinsky kaum noch, seine kreative Energie setzt er gänzlich im Zoo um. Er ist froh, dass er die Stelle als Maler im Jahr 2001 bekommen hat. Wegen seines Rückens konnte er nicht mehr als Tierpfleger weiterarbeiten. Also bewarb er sich in der Werkstatt. Als er noch als Tierpfleger arbeitete, habe es ihn immer zu den Affen gezogen. „Das erhabenste Gefühl war aber, als ich einen Elefanten anfassen durfte, das werde ich nie vergessen,“ sagt Brzinsky.

          Auch Zu Hause wartet viel Arbeit auf ihn. Er hat einen großen Garten, züchtet Schildkröten und kümmert sich um sie. Ob da noch Raum für das Kopieren alter Meister bleibt, weiß er nicht. Seine Arbeiten im Zoo werden noch lange an diesen besonderen Maler erinnern.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Japans Ministerpräsident Shinzo Abe

          Notstand in Japan : Abes steile Lernkurve

          Vor kurzem wollte er noch Olympische Spiele in Tokio veranstalten. Jetzt hat Ministerpräsident Abe dort den Notstand ausgerufen. Er ist in der Wirklichkeit gelandet.

          Dominic Raab : Kühle Strenge statt fröhlichen Elans

          Dominic Raab ist Boris Johnsons Wunsch-Vertretung. Der Außenminister bezeichnet sich als „neuer Konservativer“ und war früh für den Brexit. Sein Stil unterscheidet sich fundamental von dem des Premierministers.

          F.A.Z. exklusiv : Industrie erhöht den Druck für Exit-Strategie

          „Die Unternehmen müssen wissen, woran sie sind“, fordert DIHK-Chef Eric Schweitzer im Gespräch mit der F.A.Z. Auch die Autoindustrie warnt: „Der Hochlauf wird anspruchsvoll und Zeit benötigen“, meint VDA-Chefin Müller.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.