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Früherer Minister : Hoff wegen Geldwäsche verurteilt

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          Der frühere hessische Europaminister Volker Hoff (CDU) ist zusammen mit seinem ehemaligen Geschäftspartner Reinhard Zoffel wegen „leichtfertiger Geldwäsche“ zu einem Schadenersatz von 2,5 Millionen Euro plus Zinsen verurteilt worden. Die 2. Zivilkammer des Landgerichts Wiesbaden folgte damit der Klage der Firma Carat, eines Tochterunternehmens des Werbekonzerns Aegis Media. Über die inzwischen aufgelöste Werbeagentur Hoffs und seines Partners hatte der frühere Vorstandsvorsitzende des deutschen Ablegers von Aegis Media, Aleksander Ruzicka, einen Teilbetrag von rund 35 Millionen Euro an Rabatten für Fernseh-Werbespots geschleust, die seinem Arbeitgeber zustanden. Dafür war der Medienmanager im Mai 2009 wegen schwerer Untreue zu einer Haftstrafe von mehr als elf Jahren verurteilt worden.

          Thomas Holl
          Redakteur in der Politik.

          Hoff hatte die Vorwürfe gegen ihn stets mit dem Hinweis zurückgewiesen, dass er als vielbeschäftigter Politiker und nicht mehr aktiv tätiger Gesellschafter seiner Werbeagentur von den dubiosen Geldflüssen Ruzickas über das Agenturkonto nichts gewusst habe. Dieser Argumentation sei das Gericht nicht gefolgt, sagte ein Gerichtssprecher. Nach seinen Angaben ist das Urteil trotz der angekündigten Berufung Hoffs vorläufig vollstreckbar. Davon betroffen sein dürften die Pensionsansprüche und Übergangsgelder Hoffs aus seiner Zeit als Landtagsabgeordneter und Minister. Auch auf eine mögliche Abfindung aus seiner letzten Anstellung als Lobbyist bei der Adam Opel AG könnte der Kläger womöglich Anspruch erheben. Während gegen Zoffel auch strafrechtlich ermittelt wird, wurde Hoff in dem Verfahren gegen Ruzicka nur als Zeuge vernommen. Ob nun auch gegen ihn ermittelt werde, sei Sache der Staatsanwaltschaft, hieß es aus dem Gericht.

          Der 55 Jahre alte Hoff gehörte zu den engen Vertrauten des ehemaligen Ministerpräsidenten Roland Koch und dessen Nachfolgers Volker Bouffier. Mit Bouffier, Koch und anderen damals jungen CDU-Politikern hatte Hoff in den achtziger Jahren einen Freundeskreis namens „Tankstelle“ zur gegenseitigen Unterstützung und Karriereförderung gegründet. Sein Ministeramt, das er drei Jahre lang ausübte, hatte Hoff nach der Bildung der schwarz-gelben Koalition im Frühjahr 2009 verloren. Nicht zuletzt wegen der schon damals gegen ihn erhobenen Vorwürfe fand sich in Kochs Kabinett kein Platz mehr für ihn. Sein Landtagsmandat wollte Hoff trotz seines Wechsels zum Autokonzern Opel behalten, obwohl er dort im Vorstand für Regierungskontakte zuständig war. Erst nach öffentlichem und auch politischem Druck des Koalitionspartners FDP legte Hoff sein Mandat nieder.

          Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion Günter Rudolph wertete die Verurteilung als „Ende der Legende von Hoffs Ahnungslosigkeit“. Bei dem Fall dürfe nicht vergessen werden, dass die hessische CDU „ihrem Ruf als Schwarzgeldpartei mehr als gerecht geworden ist und quälend lange ihre schützende Hand über Herrn Hoff gehalten hat, als er schon längst untragbar geworden war“.

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