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Friedenspreis : Widersprüche in der Paulskirche

Ehrengäste: Friedenpreisträgerin Tsitsi Dangarembga und Ehemann Olaf Koschke in der Frankfurter Paulskirche Bild: Imago

Die Schriftstellerin Tsitsi Dangarembga erhält den Friedenspreis. Vertreter der Stadt werfen der Buchmesse mangelnden Einsatz gegen rechte Verlage vor.

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          Nachdem Cecil Rhodes die zukünftige Heimat von Tsitsi Dangarembga für das britische Empire annektiert hatte, wurden Schwarze mit hohen Steuern belegt, mussten für Nahrungsmittel höhere Preise zahlen als Weiße, waren Polizeigewalt und rechtlicher Benachteiligung ausgesetzt. Als Rhodesien, der weiße Siedlerstaat, 1965 seine Unabhängigkeit von Großbritannien erklärte, um der Gleichstellung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit mit der kleinen weißen Herrscherschicht zu entgehen, war Dangarembga sechs Jahre alt. Der in den folgenden 15 Jahren betriebenen Sterilisation gebärfähiger schwarzer Frauen gegen ihren Willen entging die Künstlerin, die am Sonntag in der Paulskirche mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde und auf die bis heute von Gewalt bestimmte Geschichte ihrer Heimat zurückblickte.

          Furcht vor Rassismus auf der Messe

          Florian Balke
          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Es gibt viele Unterschiede zwischen kolonialer Gewalt und Rassismus im heutigen Deutschland. Und dennoch ist es eine Tatsache, dass sich schwarze deutsche Autorinnen auf der mit der Preisverleihung zu Ende gegangenen Buchmesse nicht sicher genug für einen Auftritt fühlten. Die Twitter-Aktivistin Jasmina Kuhnke, im Internet steter Hetze ausgesetzt und nach eigenen Angaben Empfängerin von Drohschreiben, hatte mit der Absage eines Auftritts zur Vorstellung ihres Debütromans einen Boykott ausgelöst, dem sich andere Autoren anschlossen.

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