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Hof-Apotheke „Zum Mohren“ : Der Name bleibt

  • -Aktualisiert am

Auch Inhaber anderer Mohren Apotheken haben mit Diskussionen um ihren Namen zu tun gehabt. Bild: dpa

Die Friedberger Hof-Apotheke „Zum Mohren“ soll ihren Namen behalten. Apotheken, die diesen Namen tragen, stehen wegen Rassismusvorwürfen immer wieder in der Kritik.

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          Die Hof-Apotheke „Zum Mohren“ behält ihren Namen. Das stellt Apothekerin Kerstin Podszus klar. Warum sie das jetzt verkündet? Eine Gruppe von Aktivisten hat am Samstag vor ihrer Apotheke friedlich demonstriert, um eine Namensänderung gegen die ihrer Meinung nach rassistische Bezeichnung „Mohr“ durchzusetzen.

          Podszus stellt dagegen fest, der Name sei mitnichten rassistisch zu verstehen. Vielmehr leite er sich von den Mauren ab, die vor Jahrhunderten die moderne Pharmazie nach Mitteleuropa gebracht hätten. „Er ist somit Ausdruck von Hochachtung gegenüber der morgenländischen Heilkunst“, sagt Podszus. Sichtbar werde dies auch im Logo der Apotheke, auf dem ein Maure mit Äskulapstab und einem Arzneimittelfläschchen abgebildet sei.

          Schon 100 Jahre im Familienbesitz

          Schon 2018 hatte es Diskussionen um den Namen gegeben. Damals hatten laut Podszus 24.000 Unterstützer eine Online-Petition unterzeichnet. Sie nehme die Diskussion um Rassismus ernst, habe damals ihr Umfeld befragt, Freunde und Nachbarn, auch Politiker und Geschäftsleute. Der Tenor sei nahezu einhellig gewesen: Sie möge den Namen behalten. Zudem führt sie sehr persönliche Gründe an: „Mein Herzblut steckt in dieser Apotheke, und deshalb möchte ich den Namen aus traditionellen und emotionalen Gründen keinesfalls ändern.“

          Die Hof-Apotheke zum Mohren trägt nach Podszus’ Angaben seit 1621 den Namen und ist seit 100 Jahren im Familienbesitz. Wie groß die Unterstützung für ihre Entscheidung sei, macht die Apothekerin auch an 3000 Unterschriften fest, die mittlerweile bei ihr hinterlegt worden seien.

          Auch andere Apotheken, die den Mohren im Namen führen, sehen sich immer wieder mit dem Vorwurf des Rassismus konfrontiert. Vor zwei Jahren waren zwei Apotheken in Frankfurt aus diesem Grund in die Kritik geraten. In Mainz hatte die Mohren-Apotheke ihr Logo geändert. Statt einer dunkelhäutigen Frau mit Kopftuch ziert nun die benachbarte Christophskirche den Apotheken-Briefkopf. Den Namen führen alle Apotheken weiterhin.

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