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Junge Leute und Umweltschutz : Generation Klimaprotest?

  • -Aktualisiert am

Blockade: Am diesjährigen Black Friday demonstrierten viele Jugendliche für Fridays for Future. Bild: dpa

Sie sind jung, sie sind politisch, und sie machen sich Sorgen um das Klima. Einer Meinung sind sie trotzdem nicht. Acht junge Menschen aus Rhein-Main sprechen über Fridays for Future.

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          Dominik Rauth ist nicht der Typ, der auf der Straße gegen den Kapitalismus brüllt. „Demonstrationen sind nicht so mein Ding“, sagt er. Im Prinzip hat er gegen solche Proteste aber nichts einzuwenden. Der Politikstudent kann verstehen, dass nicht jeder Lust hat, in eine Partei einzutreten. Auch Fridays for Future findet er gut, viele Kommilitonen liefen regelmäßig bei den Demos mit. Er persönlich habe freitags aber anderes zu tun und glaube, dass er an anderer Stelle mehr beitragen könne – bei den Jungen Liberalen zum Beispiel. Da habe man als Mitglied direkten Einfluss auf die Politik der FDP, mit deren Klimapolitik er sich nicht wirklich identifizieren könne.

          „Mutig, optimistisch und empathisch“ wolle die FDP laut ihrem Leitbild sein. „Bei aller Liebe“, sagt Rauth, „aber Empathie ist bei der FDP nicht immer vorhanden.“ Christian Lindners Kommentar zu Fridays for Future, man solle das Thema doch den Profis überlassen, sei das beste Beispiel. „Da sollte man anders herangehen“, findet Rauth. Das Klima habe nun mal für junge Leute Priorität.

          Eigentlich sollte Klimaschutz allen am Herzen liegen, fordert Rauth. Es gebe aber unterschiedliche Wege zu diesem Ziel. Er hält die Proteste von Fridays for Future nicht für übertrieben. Aber was nutze ein Verbot von Inlandsflügen in Deutschland, wenn China neue Kohlekraftwerke baue? „Man muss mehr fördern und weniger verbieten“, meint Rauth. „Ich glaube nicht, dass uns andere Kontinente in die Verzichtsgesellschaft folgen werden.“

          Die Industrie einbinden

          Viele ihrer Kollegen bei Volkswagen haben Angst, dass Fridays for Future ihnen den Arbeitsplatz wegnehme. Das sei ein gefährliches Gedankenspiel, sagt Annika Helten, das sie sogar selbst unterbewusst manchmal mitspiele. Bei Umstrukturierungen mache man dann schnell die Schüler verantwortlich, die freitags auf die Straße gingen – obwohl die ja eigentlich nichts dafür könnten. „VW steckt in einer Krise“, sagt die Einundzwanzigjährige. „Und die Schüler von Fridays for Future haben ebenso wie wir keine Antworten parat – sondern stellen nur die Fragen.“

          Dominik Rauth: Er läuft bei den Demos nicht mit.

          Helten hat mit 16 Jahren ihre Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik bei VW im nordhessischen Baunatal begonnen. Gleich zu Beginn trat sie in die IG Metall ein – heute ist sie dort Jugendvertreterin. Sowohl die IG-Metall-Jugend als auch die Auszubildenden sprächen das Klimathema regelmäßig an, erzählt sie. Bei der jüngsten Jugendversammlung luden sie die Ortsgruppe Kassel von Fridays for Future ein und solidarisierten sich mit der Bewegung. „Wir können unsere Interessen sehr gut gemeinsam vertreten“, sagt Helten. Es gehe den Aktivisten offenbar nicht darum, mit dem Finger auf VW zu zeigen, sondern ihr gemeinsames Ziel sei es, die Regierung zum Handeln zu zwingen und zu benennen, was schieflaufe.

          Annika Helten: „Auf einem toten Planeten gibt es nun einmal keine Arbeitsplätze.“

          „Auf einem toten Planeten gibt es nun einmal keine Arbeitsplätze“, sagt Helten, deren Eltern und Bruder ebenfalls bei VW arbeiten. Klimaschutz habe für sie Priorität, und wenn das bedeute, dass der Konzern Arbeitsplätze streiche, dann sei das eben so. „Ich arbeite bei VW nur, weil ich Geld verdienen muss“, sagt sie. In ihrem Heimatort Naumburg (Kreis Kassel) machten sich viele über Fridays for Future lustig. „Was würde Greta wohl sagen?“ witzele man dort. Sie vermutet, dass sich die meisten der jungen Leute persönlich in ihrer Klimabilanz angegriffen fühlten. Dann kämen schnell sarkastische Fragen auf wie: „Soll ich jetzt meinen SUV verkaufen, oder was?“

          Solche Beispiele zeigten: „Wir führen zum Teil eine Debatte, die Fridays for Future gar nicht im Sinn hatte.“ Stattdessen sollte man nach Ansicht von Helten überlegen, was Politik und Industrie gemeinsam tun könnten, um die Klimaziele zu erreichen.

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