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Ausbau-Kritiker im Aufsichtsrat : Freund und Feind bei Fraport

Zielscheibe: Der Unmut von Ausbaukritikern trifft nun den Grünen-Politiker Frank Kaufmann - denn er sitzt fortan im Aufsichtsrat Bild: Röth, Frank

Vor der Hauptversammlung des Flughafenbetreibers sucht sich der Protest neue Zielpersonen. Der Unmut trifft den Grünen-Politiker und Ausbaukritiker Frank Kaufmann - denn er sitzt nun im Aufsichtsrat.

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          Verkehrte Welt beim Aktionärstreffen der Fraport AG. Während Vorstandschef Stefan Schulte in der Höchster Jahrhunderthalle Rainer Rahn, Berthold Fuld und andere langjährige Ausbaukritiker unter den Kleinaktionären beinahe freundschaftlich begrüßt, muss sich der wohl versierteste Gegner der Flughafenerweiterung, Frank Kaufmann von den Grünen, vor der Halle beschimpfen lassen - von Ausbaugegnern. Der Grund: Kaufmann ist nicht länger kritischer Kleinaktionär mit Rederecht, sondern er gehört seit gestern dem Aufsichtsrat von Fraport an. Die schwarz-grüne Landesregierung hat ihn mit dieser Aufgabe betraut.

          Jochen Remmert
          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Einen erfahrenen Parlamentarier wie Kaufmann, noch dazu einen aus dem für seine Härte bisher berüchtigten Wiesbadener Landtag, können auch wüste Verbalattacken nicht schrecken. Recht sonderbar ist es für den Grünen-Politiker, der kaum eine der ausbaukritischen Montagsdemonstrationen am Flughafen versäumt hat, aber schon, nun von anderen Ausbaukritikern offen angefeindet zu werden.

          Dabei war er extra noch einmal vor die Halle zu den Protestierern gekommen, um sich der Diskussion zu stellen. Doch Argumente für seinen Eintritt in das Aufsichtsgremium durfte er dort gar nicht erst darlegen, wie er später berichtet. Schritt für Schritt Lärm mindern, statt die faktischen und rechtlichen Gegebenheiten zu ignorieren und Maximalforderungen zu stellen? Solchen Argumentationssträngen waren die Demonstranten an diesem Morgen offensichtlich nicht zugänglich. Man wolle gar nicht diskutieren, keine Argumente hören, habe man ihm aus den Reihen der vielleicht zwei Dutzend Ausbaugegner vor dem Einlass kurz und knapp zu verstehen gegeben.

          Kaufmann ist nicht der Einzige im Aufsichtsrat, der für weniger Lärm streitet, das Nachtflugverbot verschärfen und das Terminal 3 verhindern will. Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) äußert sich immer wieder in ähnlicher Weise. Feldmann ist zwar schon seit September 2012 Mitglied des Aufsichtsgremiums der Fraport AG, will sich aber am Dienstag bei einem Ortstermin einmal „über die wirtschaftliche Bedeutung des Airports für die Stadt und die Region informieren“, wie es in einer Ankündigung von Fraport heißt.

          Bei der Gelegenheit kann Schulte Feldmann dann auch ausführlich erläutern, weshalb die Forderung nach einer Ausweitung des Nachtflugverbotes auf die Zeit zwischen 22 Uhr und 6 Uhr, die Feldmann unterstützt, den Lebensnerv des Frankfurter Flughafens empfindlich treffen würde: Dadurch würden vor allem viele internationale Verbindungen und damit die Drehkreuzfunktionen des Flughafens erheblich eingeschränkt.

          Schulte beziffert in der Versammlung den Verlust durch eine solche über die Mediation hinausgehende Einschränkung von Starts und Landungen auf ein Drittel aller internationalen Flüge. Trifft das zu, wäre das bisherige Geschäftsmodell eines „globalen Hubs“ in Frankfurt tatsächlich so kaum noch zu halten.

          Auch beim Bau des dritten Terminals in Frankfurt liegt Vorstandschef Schulte gewissermaßen über Kreuz mit den beiden Aufsichtsräten Kaufmann und Feldmann. Beide wollen den Bau nicht, Schulte will ihn schon. Wenngleich seine Einlassung in dieser Sache Interpretationsspielraum lässt. „Wir werden den Bau des Terminals 3 weiterplanen“, sagt er am Freitag. „Wir bauen Terminal 3“ wäre eindeutiger gewesen. Gleichwohl geht Schulte davon aus, dass man das dritte Terminal brauchen wird, wenn auch später als ursprünglich einmal angenommen. Dass man schon heute mehr als die Hälfte aller Flieger in Frankfurt auf dem Vorfeld und nicht an Gebäudepositionen abfertigen müsse, sei im internationalen Vergleich „kein guter Wert“. Das dritte Terminal sei also auch für den Qualitätswettbewerb der Flughäfen wichtig.

          Schulte sagt den Aktionären schließlich noch eine Dividende von 1,25 Euro je Aktie und ein Wachstum der Passagier- und Frachtzahlen bei weniger Fluglärm zu, bevor er sie in den Rest des Brückentages entlässt.

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