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Tierschutz : Sicheres Geleit für Erdkröten und Molche

  • -Aktualisiert am

Kein Durchkommen: Die Kröten kommen an der Babenhäuser Straße nicht weiter und fallen in die sicheren Eimer. Bild: Sandra Schildwächter

Damit die Laichwanderung kein böses Ende nimmt: Freiwillige bauen einen Hunderte Meter langen Krötenschutzzaun, um die Tiere vor Autos zu schützen.

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          Die Hauptakteure lassen sich nicht blicken: Bei Temperaturen knapp über null Grad ist es Erdkröten und anderen Amphibien im Wald zwischen Mainhausen und Seligenstadt zu kalt, um zur jährlichen Laichwanderung zum Königsee aufzubrechen. Die nachtaktiven Tiere bleiben unsichtbar und warten auf angenehmere Wärmegrade. Hartmut Müller, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Fledermaus- und Amphibienschutz Seligenstadt und Mainhausen, wirkt dennoch zufrieden: „Der Zaun sollte stehen, bevor die Tiere loslaufen.“

          Den Amphibienzaun stellen knapp 20 Aktive der Arbeitsgemeinschaft gemeinsam mit der Jugend des Technischen Hilfswerks Seligenstadt (THW) auf einer rund 500 Meter langen Strecke beiderseits der Babenhäuser Straße zwischen Mainhausen-Zellhausen und dem Waldweg vor der Seligenstädter Umgehungsstraße auf. Seit 2011 sorgt die Arbeitsgemeinschaft dafür, dass die Barriere die Tiere aufhält, bevor sie die Fahrbahn erreichen. Mit drei blauen THW-Fahrzeugen kommen Kinder und Jugendliche mit gelben Helmen und Warnwesten zum Einsatzort, um Hand anzulegen.

          Wenn es etwas wärmer wird, dürfte es im Waldgebiet westlich des Königsees von Amphibien wimmeln. Vor allem Erdkröten, manchmal auch Grasfrösche und vereinzelt Molche machen sich schon im Herbst in Richtung Zaun auf den Weg und graben sich bis zum Frühjahr ein. „Wenn das Wetter günstig ist, ziehen sie dann alle meist in einem Schwung zum Laichgewässer“, erläutert Müller.

          Für den Krötennachwuchs: Aufstellung eines Schutzzauns in Mainhausen durch die Arbeitsgemeinschaft Fledermaus- und Amphibienschutz Seligenstadt und Mainhausen (AGFA) sowie dem Technischen Hilfswerk (THW)
          Für den Krötennachwuchs: Aufstellung eines Schutzzauns in Mainhausen durch die Arbeitsgemeinschaft Fledermaus- und Amphibienschutz Seligenstadt und Mainhausen (AGFA) sowie dem Technischen Hilfswerk (THW) : Bild: Sandra Schildwächter

          Drei bis vier Wochen dauere die Amphibienwanderung. Auf ihrem Ziel droht den durchgefrorenen und deshalb langsam kriechenden Tieren Gefahr: Wenn sie die Straße überqueren, reichen neun Autos je Stunde, um mehr als 80 Prozent der Amphibien zu überfahren.

          Wenn die Tiere zu früh aufbrechen, werden sie plattgefahren

          Am Nordufer des Königsees haben Angler Reisig ausgebracht, um den die Erdkröten ihre Laichschnüre wickeln können. Anfang Juni ziehen sich die Tiere vom Laichgewässer wieder zurück. Dann sind die Kleinkröten so weit, dass sie das Wasser verlassen können. Müller erinnert sich, dass 2021 viele Jungkröten zur Käthe-Paulus-Grundschule am Ortseingang von Zellhausen wanderten und durch die offenen Türen in das Gebäude gelangten.

          Wie es aussieht, wenn Amphibien früher als erwartet aufbrechen und der Zaun noch nicht steht, hat Ute in einem früheren Jahr fotografiert: lauter plattgefahrene Tiere. Die Verwaltungsbeamtin, die anonym bleiben will, möchte den Erdkröten ein solches Schicksal ersparen und engagiert sich für den Naturschutz. Sie habe ein Herz für Tiere. Seit gut zehn Jahren macht sie bei Aktivitäten der Arbeitsgemeinschaft mit – „auch schon bei Kontrollen der Fledermauskästen im Wald“.

          An diesem Vormittag befestigt sie den grünen Amphibienzaun an Metallstäben, die Tiere weichen beim Kontakt mit dem Hindernis zur Seite aus. Alle 15 bis 20 Meter befindet sich im Boden ein Eimer, in den sie fallen. Zweimal am Tag, jeweils bis 9 Uhr und gegen 22 Uhr, werden Freiwillige in den nächsten Wochen den Zaun ablaufen, die männlichen und weiblichen Tiere in den Eimern zählen und auf die andere Seite der Straße tragen. In den vergangenen Jahren habe man stets 1000 bis 1500 Tiere gefunden, berichtet Müller. Etwa 300 bis 400 Amphibien wanderten im gleichen Jahr zurück; der Rest vergrabe sich erst einmal.

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