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Frankfurter Flughafen : Freiwillig zum Iris-Scan

  • -Aktualisiert am

Die Sicherheit im Auge: Älteres Programm zum Scannen der Iris, das bereits 2007 am Flughafen in San Francisco genutzt wurde. Bild: AFP

Fingerabdrücke oder Augen-Scan? Die Bundespolizei testet am Flughafen in einem Programm für „intelligente Grenzen“, welche Daten sich für eine Identifizierung besonders eignen. Doch noch ist offen, ob die Datenspeicherung erlaubt ist.

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          Am Flughafen hat ein Projekt der Bundespolizei begonnen, das Grenzkontrollen in der Europäischen Union schneller und einfacher machen soll. Seit Ende 2013 plant die EU-Kommission das Smart-Borders-Programm, eine Initiative für „intelligente“ Grenzen, die vom Jahr 2020 an ein effizienteres Ein- und Ausreisesystem mit Hilfe von biometrischen Daten ermöglichen soll. Im Jahr 2014 haben 190 Millionen Reisende aus Nicht-EU-Ländern die Außengrenzen des Schengen-Raums passiert, in zehn Jahren werden es 300 Millionen sein, schätzt die Kommission. Gemeinsam mit dem Bundesverwaltungsamt und dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik testet die Bundespolizei nun an zwei Schaltern am Terminal 2 des Frankfurter Flughafens, welche biometrischen Daten tatsächlich helfen können, Zeit zu sparen.

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Alle Reisenden, die nicht aus der EU kommen, können jetzt freiwillig ihre Fingerabdrücke abgeben, ihr Gesicht fotografieren und ihre Iris scannen lassen. „Wir sind überrascht, wie viele das gleich am ersten Tag nutzen“, sagte Maik Rudolf, Hauptkommissar von der Bundespolizei Potsdam, der das Smart-Borders-Pilotprojekt in Deutschland leitet. Tatsächlich reihten sich einige Amerikaner ein, die meisten in der Hoffnung, in der Testschlange schneller durch die Passkontrolle zu gelangen. Dabei wurden sie jedoch enttäuscht, denn gerade die ersten Schritte dauern nun länger. Nach der Ausweiskontrolle werden die Abdrücke aller zehn Finger genommen und danach noch die Fotos geschossen. So sollen die Reisenden in Zukunft schneller identifiziert werden können, weil ihre Daten aus dem Pass mit den gespeicherten biometrischen Daten verglichen werden. Das Pilotprojekt läuft bis Dezember 2019, so lange werden die Daten der Freiwilligen auch gespeichert.

          Projekt kostet 791 Millionen Euro

          Die Testphase soll zeigen, welche Datenerhebung effizient ist: Die Iris-Aufnahme funktioniert beispielsweise ohne Körperkontakt, anders als bei Fingerabdrücken verschmiert und verschlechtert sich die Aufnahme daher nicht, wenn mehrere Reisende durch die Kontrolle geschleust werden. Offen ist auch noch, welche Erfassung und Datenspeicherung überhaupt erlaubt sein wird. Innerhalb der nächsten drei Monate soll der erste Zwischenbericht der Kommission fertig sein; bis die Vorschläge und Tests irgendwann in Gesetze oder Verordnungen einfließen, können noch Jahre vergehen.

          Die Europäische Kommission verspricht sich von dem Projekt indes auch sicherere Grenzen. Sie schätzt, dass sich in den 28Mitgliedstaaten bis zu 3,8 Millionen Personen mit abgelaufener Aufenthaltsbewilligung aus Drittstaaten aufhalten. Bisher zeigen nur die Stempel in den Pässen, wann die Aufenthaltserlaubnis abgelaufen ist. Zukünftig soll das Datum gespeichert werden, und bei den Behörden soll ein Warnhinweis aufblinken, wenn sich Personen weiterhin im Land aufhalten. Auch wenn die Bundespolizei beteuert, dass das Projekt allen nationalen Datenschutzrichtlinien entspreche, ist mit Kritik zu rechnen. Erste Gegenstimmen gibt es bereits jetzt aus dem EU-Parlament, etwa von der Grünen-Abgeordneten Ska Keller.

          Eine Analyse der Kommission aus dem vergangenen Jahr ergab, dass das Projekt 791 Millionen Euro kosten wird – darin eingerechnet sind noch nicht die Personalkosten und die technischen Geräte wie modernere Fingerabdruckscanner, die Abdrücke auch ohne Berührung erfassen können. Das Pilotprojekt kostet 3,5 Millionen Euro. Wie viel davon Deutschland zu zahlen hat, vermag Projektleiter Rudolf nicht zu sagen – die Verhandlungen mit der Europäischen Union liefen noch. Zu erwarten sei, dass 75 bis 80Prozent der Kosten von der EU und der Rest vom Bund gedeckt würden.

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