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Freiwasserschwimmerin Angela Maurer : Eine Medaille bei Olympia fehlt noch

Eine EM-Medaille hat sie schon. Nun will Angela Maurer auch bei den Olympischen Spielen auf dem Treppchen stehen. Bild: dpa

Es sieht nach einer gelungenen Generalprobe für Freiwasserschwimmerin Angela Maurer aus. In London will sie angreifen.

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          Es sollte ihr Tag werden, doch am Ende kam es anders. Samstagabend, halb acht, Angela Maurer sitzt auf dem Steg des Sees Freigericht West in Großkrotzenburg. Ihre Haare sind noch nass von dem Fünfkilometerrennen, im Hintergrund läuft „We are the Champions“ von Queen. Als Champion, als Gewinnerin, fühlt sich die Mainzerin aber nicht. Zwar schlug sie bei den internationalen deutschen Meisterschaften im Freiwasserschwimmen nach vier Runden als Erste an, wurde dann aber wegen Behinderung beim Zieleinlauf disqualifiziert. „Ich muss die Entscheidung akzeptieren“, sagt sie, „nachvollziehen kann ich sie aber nicht.“

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Die Meisterschaften in Großkrotzenburg sind Angela Maurers letzter Test vor den Olympischen Spielen in London, und bisher sah es nach einer gelungenen Generalprobe aus. Über die olympische und daher für sie besonders wichtige Zehnkilometerstrecke wurde sie schon am Donnerstag souverän Erste vor der für Elmshorn startenden Polin Natalie Carlos und Titelverteidigerin Nadine Reichert. Angela Maurer schwamm ein taktisches Rennen mit einer schnellen ersten Runde, leistete viel Führungsarbeit, zog dann in der letzten Runde noch einmal an. „Ich wollte auf Tempo gehen, ich weiß, auch in London muss ich hart schwimmen“, sagte sie hinterher.

          Platz unter den ersten Drei durchaus möglich

          Eine Medaille in London, das ist ihr großer Traum. Und der Grund, warum die heute Sechsunddreißigjährige nach ihrem vierten Platz in Peking 2008 - der olympischen Premiere der Freiwasserschwimmer - ihren Rücktritt von ihrer aktiven Laufbahn noch einmal verschob. Denn Angela Maurer hat eigentlich alles erreicht, was man im Freiwasserschwimmen erreichen kann, ist zweimalige Weltmeisterin über 25 Kilometer, Europameisterin über 10 und 25 Kilometer, und fünfmalige Weltcupsiegerin. Nur eine olympische Medaille fehlt ihr noch.

          Dass ein Platz unter den ersten Drei im „Serpentine Lake“ im Londoner Hyde Park am 9. August für sie tatsächlich drin ist, hält die Polizeibeamtin durchaus für möglich. Als Favoritin sieht Angela Maurer sich zwar nicht. Doch Olympia habe „seine eigenen Gesetze“, sagte sie. „Da ist alles möglich, und ich bin eine Kämpferin.“ Seit vier Jahren bereitet sie sich auf die Spiele vor. „Ich hatte Olympia immer im Hinterkopf, hab mich von Jahr zu Jahr vorgetastet, mir meine Wettkämpfe genau ausgesucht.“ Bis zu 35 Stunden trainiert sie aktuell in der Woche, verbringt davon bis zu 28 im Wasser. Noch zwei bis drei Wochen will sie so intensiv trainieren, dann beginnt die Regenerationsphase. „Ich bin fit und fühle mich gut.“

          Außer an diesem Abend, nach der Disqualifikation über die Fünfkilometerstrecke, die Angela Maurer eigentlich mehr als Test unter Wettkampfbedingungen gesehen hat. Die Meisterschaften im See an der Grenze zwischen Hessen und Bayern seien wegen der ähnlichen Bedingungen dafür gut geeignet, sagt sie, auch wenn die Runden in London mit 1,6 Kilometern ein bisschen größer seien und das Wasser ein bisschen kühler. Gegen die Disqualifikation legte Angela Maurers Trainer und Lebensgefährte Nikolai Evseev Protest ein, der von den Schiedsrichtern aber abgewiesen wurden. Damit konnte Isabelle Härle nach 1:00:48,08 Stunden nach dem Triumph im Vorjahr über ihren zweiten Freiwassertitel jubeln. Den zweiten Platz teilten sich die für Würzburg startende Schweizerin Swann Oberson und Junioren Europameisterin Svenja Zihsler (Schwabmüngen-Nördlingen). Angela Maurer war über diese Entscheidung so erbost, dass sie sich bei der am Samstag nachgeholten Siegerehrung über die Zehnkilometerentscheidung ihre Auszeichnung nicht abholte. „Man muss auch mal zeigen, dass man manche Dinge im Leben nicht akzeptiert“, sagte sie. „Ich schwimme seit 16 Jahren international, und ich weiß genau, was fair ist und was nicht.“ Doch so sehr sich Angela Maurer am Samstag ärgerte, sie wusste auch, dass sie das Rennen schnell abhaken und nach vorne blicken muss - auf ihr großes Ziel, eine olympische Medaille. „Wenn ich morgen aufwache, ist der Ärger wieder vergessen.“

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