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Frauenreferat in Frankfurt : „Der Wind weht den Frauen in die Segel“

Pionierin: Die Juristin Margarethe Nimsch ist im Juni 1989 zur ersten Frankfurter Frauendezernentin gewählt worden. Bild: Fricke, Helmut

Das Frauenreferat feiert am Samstag die Gründung vor 25 Jahren. Erste Frankfurter Frauendezernentin war Margarethe Nimsch. Sie erinnert sich: Am Anfang wurde viel gestritten.

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          Es war die Zeit, als Frauenpolitikerinnen als Emanzen galten, ein weibliches Regierungsmitglied als Frau Minister angesprochen wurde, es noch keine Frauenparkplätze, keinen Girls’ Day und ebenso wenig ein Recht auf einen Kindergartenplatz gab. Margarethe Nimsch, die vor gut 25 Jahren, im Juni 1989, für die Grünen als erste Frauendezernentin in den Römer einzog, blickt mit gemischten Gefühlen auf die Anfangsjahre zurück.

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Natürlich bin ich ein bisschen stolz, wenn ich daran denke, was seitdem erreicht wurde“, sagt Nimsch, die zum 1. September 1989 das Frauenreferat gründete. Doch sie erinnert sich auch noch sehr gut daran, wie ihr Bemühen, für alle Frankfurterinnen Politik zu machen, im Römer von vielen verlacht wurde. Es habe in weiten Teilen der Kommunalpolitik, und nicht nur auf Seiten der Opposition, ein „großes Unverständnis“ gegeben, warum man ein eigenes Referat für Frauen und Frauenpolitik brauche. Die Arbeit sei zäh gewesen, der Druck immens, erinnert sich Nimsch. Denn das. was nach Ansicht der Kommunalpolitiker schon zu viel an „Feminismus“ war, fanden die Vertreterinnen der starken Frankfurter Frauenbewegung, aus der Nimsch selbst stammte, noch immer zu wenig.

          Alleinerziehende sind Verliererinnen

          Heute, sagt Nimsch, sei ja wenigstens das Frauenreferat für alle eine Selbstverständlichkeit. Es ist ihrer Auffassung nach in Frankfurt „sehr gut etabliert“, auch dank Gabriele Wenner, die seit zwölf Jahren das Referat leitet. Die Notwendigkeit, dass es eine solche Institution gebe, werde nicht mehr hinterfragt, meint Nimsch. Dabei macht sie die Rechnung ohne die FDP, die erst in der vergangenen Woche wieder gefordert hat, das Frauenreferat in das Amt für multikulturelle Angelegenheiten einzugliedern.

          Den Hinweis auf die FDP lässt Nimsch unkommentiert. Sie weiß, dass die Liberalen seit Bestehen des Frauenreferats dessen Auflösung gefordert haben. Entscheidend ist für sie, dass die frauenpolitischen Themen und die Frauen selbst nach 25 Jahren mitten in der Gesellschaft angekommen sind. Der Wind habe sich gedreht, „er weht heute den Frauen in die Segel“, sagt Nimsch. Auch wenn sie, die heute wieder als Anwältin tätig ist, aus der täglichen Praxis weiß, dass es auch heute noch unter den Frauen Verliererinnen gibt wie beispielsweise die Alleinerziehenden und diejenigen, die in Minijobs und anderen schlechtbezahlten Arbeitsverhältnissen stecken. Dennoch: „Heute reden alle von Frauen-, von Familienpolitik, von der notwendigen Vereinbarkeit von Beruf und Familie“, sagt Nimsch. Das fange bei der Kanzlerin an und reiche bis in die Unternehmen.

          Vieles ist heute selbstverständlich

          „Die Frauen sind heute in der Gesellschaft viel sichtbarer geworden“, fasst es Nimsch zusammen. Dabei erinnert sich die frühere Frauendezernentin an eine der spektakulärsten Aktionen des Frauenreferats. „Frauen nehmen sich die Stadt“ lautete der Titel. 20 Institutionen wiesen 1992 auf Orte hin, die von Frauen als unsicher eingeschätzt wurden. So gab eine Frauenband ein Konzert an der Konstablerwache, die seinerzeit furchteinflößend gewesen sein muss, angeboten wurde ein Spaziergang durch das Bahnhofsviertel, „Moonlight-Touren“ mit dem Fahrrad, der Besuch von U-Bahn-Stationen. Schauspielerin Hannelore Elsner übernahm die Schirmherrschaft. Nach Angaben des Frauenreferats sind aus der Aktion 1996 die „buchstäblich wegweisenden Leitlinien zur frauengerechten Bauleitplanung“ entstanden, die bundesweit in Planungsämtern Beachtung fanden.

          Für Nimsch ist entscheidend, dass sie, wenn sie heute durch Frankfurt geht, ein nach ihrer Einschätzung viel selbstbewussteres und selbstverständlicheres Auftreten der Frauen in der Stadt beobachtet und zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit. Die Frauen bewegten sich heute wie die Männer in der Stadt. Das sei ein Erfolg.

          Dass nach wie vor über fehlende Gleichberechtigung diskutiert wird, mitunter die jungen Frauen die Erfolge etwa eines Frauenreferats nicht anerkennen wollen, nimmt Nimsch gelassen. „Jede Generation muss ihre eigenen Erfahrungen machen“, sagt sie; die jungen Frauen dürften „das, was wir erkämpft haben, als Selbstverständlichkeit ansehen“.

          Traumatisierte Flüchtlingsfrauen

          Dass es weiterhin notwendig ist, Frauenpolitik zu betreiben, daran gibt es für Nimsch keinen Zweifel, und sie verweist auf die Frauenarmut, die heute stärker sei als vor 25 Jahren und weiter zunehmen werde. Das Frauenreferat hatte in diesem Jahr mit der Kampagne „Armut ist eine Frau“ das Thema aufgegriffen und versucht, Mädchen und Frauen auf mögliche „Armutsfallen“ hinzuweisen und öffentlich zu machen, dass es Armut von Frauen und damit auch von Kindern selbst in der reichen Stadt Frankfurt gibt.

          Gewalt gegen Frauen „ist und bleibt ebenfalls ein großes Thema“, sagt Nimsch und rät, stärker als bisher die große Zahl traumatisierter Flüchtlingsfrauen in den Blick zu nehmen. „Das wird eine neue Herausforderung für die Frauenpolitik in Frankfurt.“

          Die Jubiläumsfeier in der Batschkapp

          Femmetastique heißt die Party, auf der das Frauenreferat am Samstag sein Jubiläum feiert - zusammen mit dem Frauenmusikbüro, das es seit 30 Jahren gibt. Beginn ist um 20 Uhr in der Batschkapp, Gwinnerstraße 5.

          Der Eintritt kostet 15 Euro, im Vorverkauf zwölf Euro. Karten unter www.tickets.de oder im Frauenreferat, Hasengasse 4.

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