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Frauenquote selbstgemacht : Nach und nach rücken Frauen in die Aufsichtsräte ein

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Noch lässt die Quote zu wünschen übrig, aber Frauen sind in den Aufsichtsräten hessischer Unternehmen auf dem Vormarsch. Bild: F.A.Z.

Der Bundestag hat sich am Donnerstag mit der Frauenquote in Aufsichtsräten befasst. In den Unternehmen der Region rücken schon seit längerer Zeit zunehmend Frauen in diese Gremien nach.

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          Ausgerechnet bei einem öffentlichen Unternehmen geht die Entwicklung zurück. An der Spitze des Mainova-Aufsichtsrats steht künftig wieder ein Mann, nachdem das Gremium seit 1995 von einer Frau geführt worden war: Der Frankfurter Kämmerer Uwe Becker folgt Ende Mai der früheren Oberbürgermeisterin Petra Roth (beide CDU). Sonst aber zeigen sich die Unternehmen der Region in jüngerer Zeit bemüht, Frauen in die Aufsichtsräte zu berufen. So sind die Kontrollgremien der großen Finanzunternehmen in Frankfurt keineswegs reine Männervereine. Zwar werden die weiblichen Aufpasserinnen zumeist von der Arbeitnehmerseite entsandt, aber auch die Kapitaleigner tun seit einiger Zeit viel dafür, weibliche Aufsichtsräte zu berufen. Bei der Wiesbadener Aareal-Bank wird die frühere Partnerin des Bankhauses Metzler, Marija Korsch, im Mai sogar den Vorsitz des Aufsichtsrats übernehmen.

          Die Commerzbank wird auf ihrer heutigen Hauptversammlung ihren Aktionären Petra Schadeberg-Herrmann als neues Aufsichtratsmitglied vorschlagen, geschäftsführende Gesellschafterin der Krombacher Finance GmbH. Vor einigen Jahren hat der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus-Peter Müller bereits Gertrude Tumpel-Gugerell, früher Direktoriumsmitglied der EZB, in das Gremium berufen. Weitere fünf der 20 aktuellen Aufsichtsratsmitglieder sind Mitarbeiterinnen des Hauses.

          Frauen bei Fraport auf dem Vormarsch

          In der Deutschen Bank war bislang die Betriebsrätin Karin Ruck stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende. Ausgerechnet die Gewerkschaft Verdi ändert das nun allerdings mit der Bildung des neuen Aufsichtsrats im Mai. Dann soll Alfred Herling Stellvertreter des Vorsitzenden Paul Achleitner werden. Zugleich machen aber die Anteileigner ihren Teil des Gremiums weiblicher. An die Stelle des Bosch-Managers Tilman Todenhöfer soll im November die frühere Finanzchefin der Großbank JP Morgan, Dina Dublon, aufrücken. Auffallend ist hier, dass sowohl Dublon als auch die beiden anderen weiblichen Vertreter der Aktionäre aus dem angelsächsischen Raum kommen.

          Im Aufsichtsrat der Fraport AG sind zwar Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite paritätisch vertreten. Was die Verteilung der 20 Sitze auf Frauen und Männern betrifft, ist das allerdings bislang nicht der Fall. Neben Petra Roth, die seit 1995 dem Gremium angehört, vertreten lediglich noch Margarete Haase, Mitglied im Vorstand der Deutz AG, und Katja Windt, Logistic-Professorin an der Jacobs Hochschule in Bremen, das weibliche Geschlecht in dem Kontrollgremium. Haase ist seit 2011 Aufsichtsratsmitglied, Windt seit Mai vergangenen Jahres. Bei Fraport geht man aber davon aus, dass sich bei der Hauptversammlung Ende Mai das Verhältnis deutlich zu Gunsten der Frauen verschieben wird, wie es am Donnerstag hieß.

          Fünf weibliche Kandidaten bei Lufthansa

          Wie bei Fraport verteilen sich derzeit auch bei der Deutschen Lufthansa AG die 20 Aufsichtsratssitze bislang noch im Verhältnis 17 zu 3 zu Ungunsten der Frauen. Die Arbeitnehmerseite hat allerdings schon beschlossen, fünf weibliche Kandidaten ins Rennen zu schicken, darunter Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle. Verdi-Chef Frank Bsirske wird nicht mehr bei der Hauptversammlung am 7. Mai kandidieren. Für die Anteilseigner sitzt Nicola Leibinger-Kammüller, Geschäftsführende Gesellschafterin des Maschinenbauunternehmens Trumpf GmbH, im Aufsichtsrat der Lufthansa.

          Bei der Software AG in Darmstadt entfällt derzeit ein Viertel der zwölf Aufsichtsratsposten auf Frauen. Neben Anke Schäferkordt von RTL sind mit Monika Neumann und Dietlind Hartenstein zwei Arbeitnehmervertreterinnen darunter. Hartenstein ist zudem stellvertretende Vorsitzende des Gremiums.

          Bei Heraeus sind Frauen erwünscht

          In dem vom Hanauer Unternehmer Jürgen Heraeus geführten Aufsichtsrat des Industriegaseherstellers Messer-Gruppe in Bad Soden sitzt Nathalie von Siemens seit diesem Jahr neben fünf Männern. Ihre Berufung folgte einem Wunsch des geschäftsführenden Gesellschafters Stefan Messer, wie eine Sprecherin sagt. Bis auf weiteres setze Messer nun auf Kontinuität in diesem Gremium. Die Aufsichtsräte der Arzneimittelhersteller Merck in Darmstadt und Sanofi-Aventis in Frankfurt bestehen jeweils zu 25 Prozent aus Frauen, werden aber hier wie dort von Männern geführt. Bei Merck kommen drei Aufseherinnen von der Arbeitnehmerseite, die Gesellschafter sind mit lediglich einer Aufsichtsrätin vertreten. Bei Sanofi stehen alle drei Frauen für die Belegschaft.

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