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Frankfurt-Blogger : Schicke Frauen und der beste Espresso der Stadt

  • -Aktualisiert am

Schreibt über Mode und Menschen in Frankfurt: Bloggerin Sabina Brauner Bild: Helmut Fricke

Andreas Schnell und Sabina Brauner gehen mit offenen Augen durch Frankfurt - was ihnen auffällt, beschreiben sie in ihren Blogs.

          3 Min.

          Vor der „Kirche des Nazareners“ fällt Andreas Schnell eine rote Säule mit Briefkastenschlitz auf. Sie ist nicht für gewöhnliche Post gedacht: Mit einem Schild fordert die Freikirche an der Hügelstraße Passanten auf, dort Zettel mit Gebeten einzuwerfen.

          Schnell tut lieber etwas anderes: Er schießt ein Foto für einen Artikel in seinem „Frankfurter Blog“. Der Briefkasten für fromme Wünsche findet sich dort unter der Rubrik „Frankfurter Fundstücke“. „Ich frage mich gerade, ob es nicht viel zeitaufwendiger ist, ein Gebet gen Himmel zu schicken, als es auf einen Zettel zu schreiben, die Hügelstraße entlangzulaufen und es dann dort einzuwerfen?“, schreibt Schnell dazu.

          10.000 Leser im Monat

          „Alles, was mit Frankfurt in irgendeiner Weise zu tun hat, kann hier erscheinen“, heißt es auf seiner Website. Bilder des einstürzenden AfE-Turms folgen dort auf die Suche nach dem besten Espresso der Stadt, dazu finden sich Bilder von ungewöhnlichen Graffiti. „Ich liebe Frankfurt, darum mache ich das“, sagt der 40 Jahre alte Schnell. „Ich bin als Blogger mein eigener Verleger.“ Zusammen mit seinem Mitautor Ulrich Schüppler erreicht er rund 10.000 Leser im Monat, wie er sagt.

          Schnell, der als Beruf „freier Autor“ angibt, investiert wöchentlich mindestens vier Stunden in sein öffentliches Hobby. Die Inhalte kommen von alleine. „Ich stolpere über die Themen“, sagt er. Hat er etwas Interessantes entdeckt, setzt er sich mit seinem Tabletcomputer in sein Stamm-Café in die Altstadt, trinkt einen Bitter Lemon und schreibt seinen Artikel.

          Schreibt über sein Frankfurt: Blogger Andreas Schnell
          Schreibt über sein Frankfurt: Blogger Andreas Schnell : Bild: Wolfgang Eilmes

          Sabina Brauner muss sich ihre Zeit strenger einteilen. Die Englischlehrerin, die an der Volkshochschule unterrichtet, bloggt in ihrer Freizeit über Mode und das Lebensgefühl in Frankfurt. In ihrem Terminkalender steht, wann sie Artikel plant, vorproduziert und schreibt. Von ihrem Vorrat kann sie regelmäßig Texte ins Netz stellen. Brauner, 47 Jahre alt, findet ihre Heimatstadt sehr inspirierend. Daher kommt auch der Name des Blogs. Bestimmte Dinge gebe es „So nur in Frankfurt“.

          Im französischen Café Jeanette hat Brauner Bilder von zierlichen Törtchen gemacht - ein Tipp ihrer Freundin aus Japan, wie sie schreibt. In anderen Artikeln weist sie auf einen Designwettbewerb oder neue Geschäfte hin. Für die Rubrik „Stilblüten“ fotografiert sie schick gekleidete Frauen auf der Straße. Die freuten sich meistens, wenn sie abgelichtet würden, sagt die Bloggerin: Wer über seine Kleidung nachdenke, genieße auch die Aufmerksamkeit. Brauner schreibt in knappen Sätzen und illustriert ihre Texte mit großen Bildern. Sie betreibt ein weiteres Blog, das sich noch intensiver mit Mode beschäftigt.

          Brauner und Schnell haben ein Hobby, das in Deutschland immer noch selten ist: Blogs sind hierzulande weitaus weniger beliebt als in anderen Ländern. Rund 16 Prozent der Deutschen mit Internetanschluss nutzen sie laut einer Studie wenigstens gelegentlich; kaum jemand von ihnen schreibt jedoch selbst. „Blogs sind letztlich Nischenangebote“, sagt Leonard Reinecke, Juniorprofessor für Publizistik an der Uni Mainz.

          Viel Aufwand dahinter

          Ein gutes Web-Tagebuch zu führen macht viel Arbeit, denn im stets aktuellen Internet bleibt nur der relevant, der regelmäßig schreibt. Vernachlässigte Blogs, deren letzte Einträge Monate alt sind, gibt es zuhauf. „Viele fangen an und merken erst dann, wie viel Aufwand dahintersteckt“, glaubt Andreas Schnell. Er hat sich vorgenommen, wenigstens drei bis vier Artikel in der Woche zu verfassen.

          Internetseiten wie seine und die von Brauner, die ein größeres Publikum anziehen können, sind unter den Blogs eher die Ausnahme, wie der Mainzer Forscher Reinecke feststellt. Bei vielen handele es sich etwa um private Urlaubs-Tagebücher mit sehr wenigen Lesern. Andere typische Motive für das Bloggen seien die berufliche Selbstdarstellung und das Interesse an speziellen Themen - zum Beispiel, wie im Fall der beiden Frankfurt-Blogger, die Besonderheiten einer Stadt.

          „Frankfurt ist einzigartig, wird aber einseitig wahrgenommen“, meint Brauner. Anders als Schnell ist sie nicht hier geboren und hat die Stadt erst nach und nach entdeckt. Etliche der monatlich rund 4000 Besucher ihrer Seite leben im Ausland, wie die Bloggerin festgestellt hat. „Frankfurt ist ein Magnet“ - egal, ob jemand aus Wiesbaden oder New York komme.

          Viele Einträge schreibt Brauner daher in Deutsch und Englisch. Sie ist gut vernetzt mit amerikanischen Bloggerinnen, die über ähnliche Themen schreiben. Aus ihrer Zeit in San Diego weiß sie, dass die Internet-Tagebücher dort eine größere Rolle spielen.

          Angenehme Nebeneinnahmen

          Zur Eigenwerbung nutzen weder Schnell noch Brauner ihre Blogs. Sabina Brauner heißt sogar in Wirklichkeit anders - sie möchte ihre Internet-Existenz von ihrem beruflichen und privaten Alltag abgrenzen. Leben könnten die Blogger von ihrem Hobby ohnehin nicht. Schnell und sein Mitautor verdienen mit Werbung und Sponsoring auf seiner Seite monatlich rund 200 Euro, ein angenehmer Nebeneffekt, wie Schnell sagt. „Ich habe angefangen, ohne an Geld zu denken, und würde auch ohne weitermachen.“ Brauner nimmt mit ihrem Internet-Auftritt normalerweise überhaupt nichts ein. Trotzdem nennt sie das Bloggen ihren „Nebenberuf“.

          Wichtiger als Einnahmen sind für die beiden der Austausch und die Anerkennung. Schnell freut sich sogar über Beschwerde-Mails - die zeigten ihm nämlich, dass er ernst genommen werde, auch wenn seine Meinung nicht jedem passe. „In erster Linie sehe ich das als Lob.“

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