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Frauenquote in der Forschung : Keine Lust auf Quote

  • -Aktualisiert am

Berufung statt Beruf: Frauen sind in der Forschung immer noch unterrepräsentiert. Bild: Picture-Alliance

In der Forschung sind Frauen immer noch unterrepräsentiert. Manche Politiker schlagen daher vor, ihren Anteil in Gremien festzuschreiben. In den Unis hält man wenig davon.

          Uta Zybell erinnert sich noch gut an das, was sie „einen der tragischen Fälle“ nennt. Eine junge Frau hatte erfolgreich ihre Promotion beendet und die besten Empfehlungen für eine wissenschaftliche Karriere bekommen, die Habilitationsförderung war ihr sicher. Obwohl ihre Aussichten sehr gut waren, sagte sie zu Zybell, eine wissenschaftliche Laufbahn werde sie sich nicht antun: Der enorme Konkurrenzdruck und die Profilierungssucht vieler Kollegen schreckten sie ab. Sie beendete ihre Karriere nach der Promotion.

          Weniger als ein Viertel der Professoren ist weiblich

          Als Frauenbeauftragte der TU Darmstadt hat Zybell viele solcher Fälle erlebt. Doch das Phänomen ist nicht auf die ohnehin von Männern dominierte Technische Universität beschränkt. Auf dem Weg zur Spitze gehen viele Frauen der Wissenschaft verloren. Dabei ist das Geschlechterverhältnis an der Basis der Pyramide noch nahezu ausgeglichen. Im Wintersemester 2015/16 waren laut Statistischem Landesamt 244.322 Studierende an hessischen Hochschulen eingeschrieben, 115.612 waren Studentinnen. Der Frauenanteil betrug damit rund 47 Prozent. Er wird mit jedem Karriereschritt geringer, ein starker Einbruch lässt sich nach der Promotion erkennen. Während der Frauenanteil bei den erfolgreichen Promotionen im Prüfungsjahr 2015 noch rund 46 Prozent betrug, waren es bei den Habilitationen gerade einmal 27 Prozent. Noch deutlicher zeigt sich das Missverhältnis ganz oben in der akademischen Hierarchie: Im vergangenen Jahr war weniger als ein Viertel der Professorinnen weiblich.

          Die Deutsche Forschungsgemeinschaft will das ändern. 2008 beschloss die Mitgliederversammlung der Förder-Organisation eine Selbstverpflichtung mit der Überschrift „Forschungsorientierte Gleichstellungsstandards“. Ziel ist, den Frauenanteil auf allen wissenschaftlichen Karrierestufen zu erhöhen. Dabei gilt das sogenannte Kaskadenmodell: Wie hoch der Frauenanteil auf den einzelnen Karrierestufen einer Universität sein soll, ergibt sich daraus, wie hoch an derselben Universität der Frauenanteil auf der jeweils vorhergehenden Hierarchiestufe ist. Das bedeutet, dass beispielsweise in einem naturwissenschaftlichen Fach wie Physik, in dem es nur wenige Studentinnen gibt, der angestrebte Frauenanteil für die Promotionen, Habilitationen und Professuren geringer ist als in einem Fach wie Erziehungswissenschaften, für das sich mehrheitlich Frauen einschreiben.

          „Berufung statt Beruf“

          Trotz der Selbstverpflichtung hat sich noch nicht viel verändert. Das sei kein Wunder, sagt der Mainzer Soziologe und Gender-Forscher Stefan Hirschauer. Es dauere rund 20 Jahre, bis sich Studenten einer bestimmten Alterskohorte für eine Professur qualifiziert hätten. So hinke die „Verweiblichung“ der Professorenschaft zwangsläufig jener der Studierenden und Doktoranden hinterher.

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