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Münzgeldrolle gegen Gebühr : Auch Geld kostet neuerdings Geld

Geldwert: 30 Cent verlangt die Frankfurter Sparkasse jetzt für jede Rolle Bild: Rüchel, Dieter

Bisher musste der Kunde der Frankfurter Sparkasse nichts je Münzrolle zahlen, wenn er auf diese Weise abgepacktes Kleingeld abholte. Das hat sich nun geändert.

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          Ralf Otto ist sauer. Seit 28 Jahren sei er Kunde der Frankfurter Sparkasse, die Kredite für das von ihm betriebene Café Wunderbar im Bahnhof von Eppstein habe er immer über dieses Bankhaus abgewickelt, und viele Veränderungen in den Geschäftsstellen habe er tapfer ertragen. Doch jetzt das: Wenn er im Kreditinstitut seines Vertrauens Münzgeldrollen abholt, muss er neuerdings dafür zahlen. 30 Cent verlangt die Sparkasse jetzt für jede Rolle. Bisher gab es das Geld unentgeltlich. Schon bei einer Rolle mit 25 Ein-Euro-Münzen sei das eine Gebühr von 1,2 Prozent, schimpft Otto. Richtig geärgert hat er sich aber erst, als er den Prozentsatz für eine Rolle von Ein-Cent-Münzen nachgerechnet hat: 60 Prozent. „Keine erfreuliche Entwicklung - oder?“, meint der Café-Betreiber.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Man hat gehört, dass die Banken gegenwärtig recht einfallsreich sind, was Gebühren angeht. Denn den Häusern bricht nach und nach ihr angestammtes Geschäftsmodell weg, Geld zu einem bestimmten Zinssatz als Einlage anzunehmen und sodann zu einem höheren Satz zu verleihen. In Zeiten der Niedrigzinsen ist die Spanne dazwischen so klein geworden, dass wenig hängenbleibt. Die Kosten für das Personal und die Geschäftsstellen fallen aber weiter an.

          Dass nun die Frankfurter Sparkasse darauf verfallen ist, sich bei Gewerbebetrieben wie dem Café Wunderbar das zu holen, was sie im herkömmlichen Geschäft nicht mehr bekommt, wird von ihrem Pressesprecher allerdings heftig dementiert. Er lässt wissen: „Bargeld verursacht Kosten, wird aber in der Öffentlichkeit als kostenloses Gut wahrgenommen.“ Der Aufwand werde sogar immer höher. So sei es nicht erlaubt, die von einem Kunden abgegebene Münzrolle einfach an einen anderen weiterzureichen. Jede Münzrolle müsse vielmehr frisch verpackt aus einer zertifizierten Münzrollmaschine kommen. „Mit den neuen Preisen versuchen wir, die Kosten für das Münzgeld verursachungsgerecht zu gestalten“, sagt der Pressesprecher. Und es sei auch keineswegs so, dass die Frankfurter Sparkasse nun auf breiter Front ihre Gebühren erhöhe. Nur die Jahresgebühr für eine bestimmte Kreditkarte sei in jüngerer Zeit noch heraufgesetzt worden, sonst nichts.

          Steht die Frankfurter Sparkasse mit ihrer Gebühr für die Abgabe von Münzrollen allein da? Von der Nassauischen Sparkasse heißt es, nur wer ein ganz bestimmtes Girokonto habe, müsse generell für Barauszahlungen etwas zahlen, sonst werde von niemandem etwas verlangt. Die Frankfurter Volksbank gibt an, sie erhebe für die Abgabe von Münzrollen keine Gebühr, die Commerzbank meldet, zwar müssten Privatkunden nicht zahlen, wohl aber Geschäftskunden; die Höhe der Gebühr werde jeweils ausgehandelt. Die Frankfurter Sparkasse scheint also nicht allein, aber es gibt auch Häuser, die anders vorgehen. Es wird sich zeigen, wie sich das entwickelt. Die Sinnlichkeit, die Bankvorstände angesichts schwindender Erträge in jüngerer Zeit beim Blick auf Dienstleistungen befällt, die bisher unentgeltlich waren, wird sicher bleiben.

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