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Fraport : Volle Rabatte auch für den Kranich

Streitfall: Die Lufthansa stört sich daran, dass Fraport dem Neukunden Ryanair gewisse Rabatte gewährt - und verlangt sie auch für den eigenen Konzern Bild: dpa

Bisher schon gewährt Fraport in Frankfurt den Fluglinien Rabatte auf Gebühren, wenn sie zusätzliche Angebote schaffen. Das soll nach dem Willen des Konzerns so bleiben. Und zielt auch auf die Lufthansa.

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          Mit einer Verlängerung des neuen Rabattprogramms für mehr Wachstum am Frankfurter Flughafen will die Fraport AG den verstimmten Hauptkunden Lufthansa besänftigen. Das ließ Fraport-Finanzvorstand Matthias Zieschang gestern beim Analystengespräch über die Ergebnisse des ersten Quartals wissen. Auf diese Weise soll die Lufthansa-Billigtochter Eurowings, die erst vom nächsten Jahr an von Frankfurt aus startet, doch noch in den Genuss der vollen Ermäßigung der Flughafenentgelte kommen, von der bisher vor allem der irische Lufthansa-Konkurrent Ryanair profitiert, weil er schon in diesem Jahr in Frankfurt startet. Eigentlich ist das in diesem Jahr aufgelegte Incentive-Programm auf drei Jahre begrenzt, wobei die Rabatte Jahr für Jahr abschmelzen. Nach der im Moment geltenden Regelung würde Eurowings also nicht mehr in voller Höhe von der Gebührenreduzierung profitieren können.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Mit dem Hinweis, dass Ryanair die Zahl der in Frankfurt stationierten Flugzeuge bereits im Verlauf des nächsten Jahres auf zwölf erhöhen wolle, überholte der Fraport-Manager gestern sogar die Iren selbst im Drang, von raschem Wachstum und sonstigen Erfolgen öffentlichkeitswirksam zu berichten: Ryanair-Kommunikationsvorstand Robin Kiely ließ jedenfalls auf Nachfrage wissen, dass man sich noch mitten in der Planung für den Sommer 2018 befinde und daher keine Gerüchte und Spekulationen kommentieren wolle. Eine für Ryanair nicht eben typische Zurückhaltung. Derzeit sind die Iren mit zwei Maschinen in Frankfurt aktiv, im Winter sollen weitere fünf Flugzeuge des Typs Boeing 737-800 hinzukommen. Dass noch einmal fünf Ryanair-Jets für Frankfurt vorgesehen sind, ist zwar neu, Finanzvorstand Zieschang gilt allerdings nicht als Manager, der mit geschäftlichen Novitäten vorprescht. Es spricht insofern viel dafür, dass die Planungen der Iren in diese Richtung gehen, zumal sie selbst unentwegt anspruchsvolle Wachstumsziele veröffentlichen.

          Was das geltende Rabatt-System der Fraport für Frankfurt betrifft, sind die Nachlässe an Voraussetzungen gebunden, die die jeweilige Airline erfüllen muss. Für interkontinentale Verbindungen gibt es auf neu etablierten Routen in den ersten zwölf Monaten 20 Euro je abreisendem Passagier, im zweiten Jahr 15 Euro und im dritten Jahr schließlich noch zehn Euro Nachlass. Beispielsweise für einen Dreamliner (Boeing 787) mit 250 Fluggästen an Board ergibt sich so im ersten Jahr auf einer neuen Strecke eine Ersparnis von 5000 Euro, fast 50 Prozent der gesamten Entgelte inklusive der Boden-Services wie Be- und Entladen.

          Für Ryanair etwa spielt das derzeit keine Rolle, weil die Iren nicht im interkontinentalen Verkehr antreten – noch nicht jedenfalls. Anders verhält es sich mit dem Kontinentalverkehr, der für Ryanair entscheidend ist: Im Europaverkehr über die deutschen Grenzen hinaus berechnet sich der Rabatt danach, um wie viel die jeweilige Airline die Zahl der Passagiere im Vorjahresvergleich steigern konnte. Eine Gesellschaft, die in Frankfurt neu beginnt, hat naturgemäß die größten Steigerungsraten vorzuweisen (nämlich von null) und kann je Passagier bis zu 14 Euro Rabatt bekommen. Das gilt nicht nur, aber auch für Ryanair.

          Eine schon etablierte Fluggesellschaft, die auf einer eingeführten Strecke eine Steigerung zwischen drei und vier Prozent schafft, kann lediglich mit zwei Euro je Passagier rechnen. Der Lufthansa-Konzern fällt mit den etablierten Verbindungen von Frankfurt aus in diese Kategorie. Er könnte auch dann keine höheren Nachlässe bekommen, wenn er etablierte Verbindungen in Zukunft von Eurowings-Maschinen bedienen lassen würde, weil es Fraport darum geht, mit dem Programm Anreize für Wachstum in Frankfurt zu setzen, also für zusätzliche Passagiere.

          Mit den Fluggästen von Ryanair hoffen die Fraport-Manager, das Passagieraufkommen in Frankfurt von derzeit knapp 64 Millionen um bis zu drei Millionen im Jahr zu steigern. Für dieses Jahr rechnet man aber erst einmal mit einer Million zusätzlicher Passagiere durch den Low-Cost-Carrier, der mit zwei in Frankfurt stationierten Jets vier Verbindungen täglich bedient: nach Palma de Mallorca, Alicante, Faro und Málaga. Zum Winterflugplan folgt aber schon der nächste Aufschlag der Ryanair in Frankfurt: zweimal täglich London, täglich Mailand, Madrid, Barcelona, Lissabon, Porto, Athen, Krakau, Glasgow und andere – Ryanair will auch die Businesskunden. Und wenn im Sommer tatsächlich weitere fünf Flugzeuge mit der irischen Harfe auf dem Seitenleitwerk in Frankfurt den Dienst aufnehmen, startet die Eurowings mit einer wirklich stattlichen Konkurrenzflotte im Nacken.

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